America's CupAus Spaß wird Ernst

Carsten Kemmling

 · 06.06.2005

Die Louis Vuitton Acts erhalten Gewicht für die Ermittlung des America’s-Cup-Herausforderers

Die Herausforderer und die Ausrichter des 32. America’s Cup haben sich auf ein Wertungssystem zur Ermittlung des Gegners von Alinghi geeinigt. Demnach bekommen die verbliebenen zehn so genannten Acts im Vorfeld des Louis Vuitton Cup eine echte Bedeutung.

So erhält der Sieger der Gesamtwertung aus den Acts vier Bonuspunkte. Platz zwei, drei und vier sind jeweils drei Punkte wert, Platz fünf, sechs und sieben stehen für zwei Punkte, und die Ränge acht bis elf werden mit je einem Punkt bedacht.

Die Acts werden dabei mit einem Faktor versehen. Die aus 2005 werden einfach gewertet, die aus 2006 zweifach und das abschließende Fleet-Race 2007 dreifach.

Mit diesen Bonuspunkten starten die Teams in den eigentlichen Louis Vuitton Cup. Der ist als doppelte Round-Robin-Serie jeder gegen jeden (wie in der Fußball-Bundesliga) ausgeschrieben. Am Ende stehen die vier Halbfinal-Teilnehmer fest.

Da jeder Sieg in der Round-Robin-Runde (20 Rennen für jedes der elf Teams) mit zwei Punkten bewertet wird, sind die vier Punkte für den Sieger der Act-Serie so viel wert wie zwei Siege. Das gibt der Vorserie deutlich mehr Gewicht, als bisher erwartet worden war.

Niemand kann es sich leisten, die Vorregatten auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn die Rangliste nach den Acts soll auch zur Auflösung von möglichen Gleichständen im Louis Vuitton Cup herangezogen werden.

Das heißt: Wenn am Ende zwei Teams die gleiche Punktzahl aufweisen, wird die Mannschaft auf den besseren Platz gesetzt, die in der Act-Serie vorn lag. Normalerweise entscheidet in so einem Fall der direkte Vergleich in der Round-Robin-Serie.

Wenn es allerdings ein Gleichstand bei der Besetzung der Halbfinalplätze gäbe, soll diese Regelung nicht greifen. Wenn zwei punktgleiche Teams um den letzten Halfinalrang konkurrieren, wird ein Stechen ausgesegelt.

Sobald es aber einen Gleichstand mit drei Teams gibt, bekommt das nach den Acts besser platzierte Schiff beim Stechen ein Freilos. Es segelt gegen den Gewinner aus dem Duell der schlechter platzierten Boote um den Einzug in das Halbfinale.

So gibt es zahlreiche Szenarien, die nicht völlig unwahrscheinlich sind, bei denen die Ergebnisse aus den Vorregatten eine entscheidende Rolle spielen.

Das ist eine gute Nachricht für die Cup-Fans. Denn die Acts werden durch dieses Punktsystem deutlich aufgewertet. Zumal auch entschieden wurde, dass die Ergebnisse aus 2004, als noch nicht alle Syndikate am Start waren, keine Bedeutung haben.

Ab dem ersten Act 2005 in Valencia werden alle Herausforderer am Start sein. Und auch der Verteidiger Alinghi. Für das Schweizer Team geht es allerdings nach wie vor nur um die Goldene Kokosnuss. Seine Ergebnisse werden aus der Serie gestrichen, die für die anderen zum Louis Vuitton Cup zählt.

Allerdings gibt es eine parallele Wertung, nach der jedes Jahr der Louis-Vuitton-ACC-Champion gekrönt wird. In diese Serie ist Alinghi mit eingebunden.

Beim Halbfinale des Louis Vuitton Cup darf sich die Nummer eins der Doppel-Round-Robin den Gegner unter den verbliebenen drei Teams aussuchen. Das zweite Halbfinale segeln die verbliebenen Gegner aus. Sieger des Duells ist, wer zuerst fünf Rennen gewinnt. So wird es auch im Finale sein. Der Sieger tritt schließlich im America’s Cup gegen den Verteidiger Alinghi an.

Fazit: Die Absegnung des so genannten Valencia-Plans ist eine enorme Aufwertung des gesamten America’s Cup. Aus Spaß wird Ernst. Es war eine Gratwanderung. Denn zum einen durften die Acts nicht zu hoch bewertet werden, um gerade den neuen Teams eine Chance zu lassen. Zum anderen musste am Ende eine deutliche Belohnung stehen, um die Acts nicht zu reinen Showkämpfen verkommen zu lassen. Die Spannung hätte gefehlt. Der Sinn der Acts wäre nicht kommunizierbar gewesen, die Medien hätten nicht berichtet, die Sponsoren wären nicht auf ihre Kosten gekommen.

Deshalb können auch die kleineren Teams wie auch das deutsche mit der Regelung zufrieden sein. Denn es ermöglicht ihnen viele Rennen auf hohem Niveau. Beim vergangenen Louis Vuitton Cup durfte zum Beispiel Mascalzone Latino nur 16 Rennen segeln und fuhr dann nach Hause. Diesmal sind durch die verbleibenden zehn Acts deutlich mehr Auftritte für alle garantiert.

Auch für den Verteidiger Alinghi ist diese Entwicklung nicht schlecht. So darf sich der Verteidiger erstmals in der Geschichte des Cups mit den Herausforderen vor dem finalen Duell messen. Und da die Acts jetzt wichtiger geworden sind, darf Alinghi auch davon ausgehen, dass die Gegner eher die Karten offen legen müssen.

Allen Beteiligten ist nach wie vor der Wille anzumerken, den America’s Cup attraktiver zu gestalten. Das geht nur, indem sie den Geldgebern mehr Darstellungsmöglichkeiten geben. Und das ist mit der Einführung und der Gewichtung der Acts gelungen.

Schon werden Stimmen laut, die den Cup im Zwei-Jahres-Rhythmus ausgesegelt haben wollen. Am Ende könnte eine permanente Rennserie daraus werden.

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