America's CupAus für Franzosen und Briten

Carsten Kemmling

 · 17.11.2002

America's Cup: Aus für Franzosen und BritenFoto: J. Nash

Nach klaren Niederlagen gegen die Schweden und Team Dennis Conner streichen Tim Kröger und die Engländer die Segel

Le Defi Areva - Victory Challenge: Das Rennen begann für Mastmann Tim Kröger auf dem französischen Boot ähnlich wie die übrigen Duelle gegen die Schweden:

mit Schwächen beim dial up, der klassischen Start-Eröffnung, bei der versucht wird, das Schiff möglichst lange im Wind zu halten, um den Gegner zu blockieren.

Dabei zeigt sich gute Crewarbeit, aber auch, wie manövrierbar der Designer das Boot gestaltet hat. Jedenfalls gelingt es den Franzosen trotz der vorteilhaften Wegerecht-Position beim Eintauchen (gelb) wieder nicht, den Gegner links festzunageln. Jesper Bank, der nach dem verlorenen Rennen seines Kollegen Magnus Holmberg wieder das Steuer auf der Orm übernommen hat, passiert vor dem Bug von Le Defi und flüchtet in die Flotte der Zuschauerboote. Nach einer Halse um die eigene Team-Motoryacht "Black Knight" kann er problemlos die Startlinie ansteuern und den Attacken des gegnerischen Steuermanns Philippe Presti aus dem Weg gehen. Der macht einen guten Job, indem er sein Schiff in Luv der Schweden an der bevorteilten rechten Seite der Startlinie platziert und es mit Schwung fünf Meter vor dem Gegner über die Linie bringt.

Der erste Winddreher nach rechts ergibt eine Führung von 17 Metern, aber dann ist es vorbei mit der französischen Herrlichkeit. Jesper Bank gibt in Lee Gas und kann kurz vor der Anliegelinie zur Luvtonne vor den Franzosen passieren. Er ist an der ersten Marke 35 Sekunden vorn und baut die Führung permanent bis auf 2:34 Minuten aus. Unter anderem deshalb, weil Le Defi Probleme mit dem Spinnakerfall hat und den zweiten Spikurs gänzlich ohne Spibaum-Toppnant auskommen muss.

Fazit: Nach dem Aufbäumen der Franzosen haben die Schweden das ganze Potenzial ihrer Konstruktion aufgezeigt. Sie brauchten nicht besonders gut zu segeln und kein großes Risiko einzugehen, um zu gewinnen. Sie waren einfach schneller. Aber die Franzosen haben sich besser geschlagen, als es viele nach der Vorrunde erwartet hatten. Sie fahren nach dem 1:4 erhobenen Hauptes nach Hause.

Foto: R. Tomlinson

GBR Challenge - Team Dennis Conner: Auf der Suche nach dem fehlenden Speed haben die Designer des britischen Teams extreme Veränderungen vorgenommen. Das Resultat ist allerdings ernüchternd, denn die einzige Auswirkung scheint mangelnde Manövrierbarkeit zu sein. Bei der ersten Vorstart-Sequenz lassen sich die Briten von den Amis derart vorführen, dass sie sich beim Startschuss ohne Fahrt im Schiff mit einem Penalty belastet auf den Weg begeben müssen. Aber das anschließende Drama findet nicht statt, weil die Wettfahrtleitung kurz vor dem Schuss wegen eines eigenen Fehlers im Startablauf den Start verschiebt.

Skipper Ian Walker, erneut am Steuer der Wight Lightning, bekommt eine zweite Chance. Aber auch diesmal bringt er sein Boot nur mit einem Rückstand von einer Bootslänge über die Linie. Ken Read auf dem Conner-Schiff übernimmt sofort die Kontrolle, da die Briten nicht den erhofften Speed-Zuwachs zeigen. An der Luvmarke beträgt der Vorsprung 42 Sekunden. Die Briten schöpfen Hoffnung, als sie auf dem ersten Spikurs bis auf 22 Sekunden aufholen, aber danach fallen sie kontinuierlich bis auf 1:42 Minuten zurück.

Fazit: eine klare Sache für das Team Dennis Conner, das seine vielzitierten Comeback-Fähigkeiten bewiesen hat. Das neue Schiff hat eindeutige Fortschritte gemacht und zeigte zuletzt klare Geschwindigkeitsvorteile.

Der weitere Ablauf: OneWorld wählt sich seinen Gegner unter den drei Teams Prada, Victory Challenge, Team Dennis Conner aus. Der Modus: Wer zuerst viermal siegt, gewinnt. Die Hoffnungsrunde beginnt am Samstag.

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