America's CupAufbruch ins Ungewisse

Dieter Loibner

 · 23.11.2009

America's Cup: Aufbruch ins UngewisseFoto: BMWOracle

Nach 16 Monaten in Südkalifornien bricht BMWOracle die Zelte ab. Wohin es geht, sagt morgen der Richter

Der Gerichtsstreit um den Austragungsort ist noch nicht vorbei, schon wird hinter den Kulissen angeblich um den Modus gefeilscht. Russell Coutts denkt indes an die Zukunft.

Auch wenn wir morgen erst erfahren, ob in Valencia oder Ras al-Khaimah gesegelt wird, soll es laut San Diego Tribune Verhandlungen zwischen Alinghi und BMWOracle geben, um den Cup von derzeit maximal drei auf maximal fünf oder gar sieben Wettfahrten auszudehnen. Das wäre gut für die Zuseher, die Sponsoren und wohl auch für Alinghi.

Nach dem letzten Richterspruch, der den Einsatz von Wasserballast für den Schweizer Kat einschränkte, dürfte es für die Verteidiger viel Arbeit geben. Experten gehen von zwei Möglichkeiten aus: Modifikation der Rumpfform, um die maximal erlaubte Vermessungslänge der Wasserlinie auf 90 Fuß (ca. 27 m) zu bringen, oder das Stellen eines zweiten Masts, mit dem laut Stiftungsurkunde die vermessene Wasserlinie bis zu 115 Fuß (ca. 35 m) betragen darf.

Mittlerweile ist BMWOracles Megatri mit dem riesigen Flügelrigg den Bewohnern San Diegos richtig ans Herz gewachsen. Sie kennen Ähnliches ja noch aus 1988, als "local hero" Dennis Conner mit Katamaran und Flügelrigg einen America’s Cup vor Ort erfolgreich gegen das riesige Kielboot der Neuseeländer verteidigt und die damit verbundenen gerichtlichen Scharmützel siegreich bestanden hatte.

Fast jeden Tag konnte man in den letzten Monaten beobachten, wie sich die BMWOracle Rennmaschine unter Segelkraft ihren Weg durch die enge und dicht befahrene Bucht von San Diego bahnte, hinaus auf den Stillen Ozean, wo dann richtig Gas gegeben wurde. Bis zu 40 Knoten soll man im Training damit geschafft haben. Für jeden, der die leichten Winde vor San Diego kennt, ein geradezu unglaublicher Wert.

Sollte Larry Ellison mit seinem Team den Cup zurück in die USA holen, dann pikanterweise mit Russell Coutts, der 1995 die barocke Kanne aus San Diego entführt hatte. „Das könnte ein fabelhaftes Match werden“, sagt der Neuseeländer, der beim America’s Cup selbst 15 Wettfahrtsiege ohne eine Niederlage zu Buche stehen hat. „Das sind zwei echt coole Boote, die das untereinander ausfechten. Das schnellere Boot gewinnt.“

Ist das nicht bei jedem Cup so? Nein, sagt Coutts. Ein „echter America’s Cup“ werde durch die beste Nutzung von Ressourcen wie Zeit, Mensch und Technologie entschieden, wogegen es diesmal hauptsächlich nur um Technologie gehe. „Aber wenn wir mal segeln, wird diese Technologie großes Interesse hervorrufen.“

Coutts glaubt allerdings nicht an eine Zukunft der Megamultis beim Cup. „Die Gerichtsverfahren haben der Popularität beim Publikum zweifellos geschadet. Wir müssen den richten Weg finden, um das Interesse der Leute zurückzugewinnen. Wenn wir das nicht schaffen, ist der Ofen aus“, erzählte er der San Diego Tribune. „Ein America’s Cup sollte 10 oder 15 wettbewerbsfähige Mannschaften haben. Und das ist mit solchen Booten unmöglich.“

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