America's CupAuch Hagara wirft das Handtuch

Dieter Loibner

 · 21.02.2012

America's Cup: Auch Hagara wirft das HandtuchFoto: www.americascup.com

Abschiedssinfonie beim China Team, bei dem alle Segler abgemustert haben. Ob oder wie's weitergehen soll, wird im März verlautbart

  Nicht nur auf dem Wasser: China Team in SchieflageFoto: www.americascup.com
Nicht nur auf dem Wasser: China Team in Schieflage

Nach Skipper Charlie Ogletree hat nun auch Steuermann Andreas Hagara das offenbar in finanziellen Schwierigkeiten befindliche China Team verlassen. Der österreichische Tornadosegler, der auf dem chinesischen AC45 nach dem ersten Event der America's Cup World Series in Cascais den Steuermannsjob vom Australier Mitch Booth übernommen hatte, will sich in Zukunft wieder um die Geschäfte seines Golfplatzes kümmern.

  China Team: Mit Karacho auf das Ende zu?Foto: Dieter Loibner
China Team: Mit Karacho auf das Ende zu?

Vor einem Jahr war noch alles Wonne: Pressemitteilungen kündeten von der zweiten chinesischen Cup-Herausforderung. Investor Wang Chao Yong, der die Grundfinanzierung leistete, posaunte optimistisch, sein Team habe „seit Monaten mit den besten Konstrukteuren der Welt an Rumpf und Wing gearbeitet, in Partnerschaft mit chinesischen Universitäten. Unser Boot wird in China gebaut und wird im Februar 2012 bereit sein.”

  Alles Geschichte: China Teams Skipper Charlie Ogletree (l.) und Steuermann Andreas Hagara beim Einbändseln der AC45-WantenFoto: Dieter Loibner
Alles Geschichte: China Teams Skipper Charlie Ogletree (l.) und Steuermann Andreas Hagara beim Einbändseln der AC45-Wanten

Im Februar 2012 sieht die Sache freilich anders aus. Alle Segler sind mittlerweile abgesprungen, und einige haben sich bei der mit der ACWS konkurrierenden Extreme Sailing Series verdingt: Der Amerikaner Ogletree hat als Trimmer auf der Xtreme 40 von Oman Air angeheuert, gemeinsam mit dem Briten Will Howden, der dort Taktiker ist. Der Australier Graeme Spence kam bei Roman Hagaras Red Bull Extreme als Bugmann unter.

„Die gesamte Mannschaft hat sich von China Team getrennt, weil wir keinen Sinn darin sahen, ohne Training gegen bestens finanzierte Profiteams anzutreten, die seit (der ACWS in) San Diego praktisch dauernd trainieren”, erklärte Andreas Hagara gegenüber der YACHT. Hagara war wie die anderen Segler unbezahlt dabei, sozusagen auf Vertrauensvorschuss, und wollte den Fortgang der Sponsorenverhandlungen abwarten, bevor er den Ausstieg wählte.

Nicht nur am Wasser: China Team in Schieflage
Foto: www.americascup.com

„Wie man sich vorstellen kann, steckt das gesamte Management tief in den Zukunftsvorbereitungen und ist mit Fundraising beschäftigt," erklärte Thierry Barot, der französische Teamchef der Chinesen. „Eine offizielle Verlautbarung gibt es nach dem Meeting (der AC-Teams) in San Francisco Anfang März."

Am 1. Juni ist Meldeschluss für den America's Cup, der bekanntlich im September 2013 auf den viel größeren und teureren AC72-Kats ausgesegelt wird. Bisher gibt es neben Verteidiger Oracle Racing nur drei Teams, die offiziell dabei sein werden: Artemis aus Schweden (offizieller Herausforderer), Luna Rossa aus Italien und Team New Zealand.

Die Veranstalter scheinen sich mit diesem Miniaturfeld abgefunden zu haben: „Wir brauchen keine Untergangspropheten, die uns sagen, vier Boote seien ein Unglück", äußerte sich America's Cup Event Authority CEO Richard Worth gegenüber der "San Francisco Business Times". Wären zehn Boote dabei, so argumentierte Worth, wären trotzdem nur vier oder fünf stark. „Und das haben wir jetzt schon."

Unterdessen mehren sich die kritischen Stimmen zu den unrealistischen Wirtschaftsprognosen, die im Vorfeld des Cups für San Francisco abgegeben wurden. Aaron Peskin, der lokale Demokratenführer, nennt die Zahlen lächerlich. „Wir sollten froh sein, wenn wir 25 Prozent von dem sehen, was die da zusammenfantasiert haben”, sagte Peskin dem "San Francisco Examiner". „Es gibt keine Tradition für Segeln als Zuschauersport für die Massen, weder hier in San Francisco noch sonstwo auf der Welt.”

Dieser Artikel wurde nach der ursprünglichen Veröffentlichung mit einer Stellungnahme von China Team modifiziert.

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