America's CupArtemis stellt ersten AC-72-Flügel

Lars Bolle

 · 15.03.2012

America's Cup: Artemis stellt ersten AC-72-FlügelFoto: Sander van der Borch / Artemis Racing

Premiere in Valencia: Der schwedische Herausforderer Artemis Racing hat die erste Trainingseinheit mit dem großen AC-Flügelrigg absolviert

Der 40 Meter hohe und 260 Quadratmeter große Flügel, fast komplett aus Kohlefaser, ist nicht nur optisch beeindruckend. Er flößt auch den Konstrukteuren Respekt ein. "Es war einmalig, den Flügel zum ersten Mal auf dem Wasser zu sehen", sagte der für das Design verantwortliche Konstrukteur Juan Kouyoumdjian. "Er sieht großartig aus, aber auch ein wenig beängstigend", so der Argentinier weiter. "In den nächsten Tagen werden wir erst einmal ein paar strukturelle Tests vornehmen."

Nach den ersten Bildern zu urteilen hat der Flügel drei vertikale Elemente (statt zwei bei BMW Oracle Racing beim vergangenen Cup): einen starren Hauptmast, ein Mittelteil sowie sechs angehängte Klappen. Mit einem zusätzlichen Mittelteil lassen sich große Profiltiefen besser kontrollieren, die Klappen dienen der Einstellung der Profiltiefe und des Twists. Außerdem sollen offenbar konventionlee Vorsegel gefahren werden. Diese sind für die Konstrukteure eine besondere Herausforderung, weil sie das Flügelrigg wegen der nötigen Vorstagsspannung stark komprimieren.

Die Jungfernfahrt von Artemis Racing mit dem neuen Flügelmast
Foto: Sander van der Borch / Artemis Racing

Artemis Racing, der erste Herausforderer von Oracle Racing, verfolgt laut seinem Teamchef Paul Cayard eine etwas andere Vorbereitungsstrategie als die anderen Herausforderer. Diese trainieren vorerst mit kleineren Riggs auf AC-45- und SL-33-Katamaranen. "Wir haben uns für die Originalgröße-Strategie entschieden", so der US-Amerikaner. "Das kostet zwar etwas mehr Zeit, aber wir können so lernen, wie wir mit diesem mächtigen Flügel umgehen müssen. Die Sicherheit unseres Teams geht vor Geschwindigkeit."

Die schwimmende Basis für den Flügel ist ein ehemaliger Orma-60-Trimaran, der offenbar stark modifiziert wurde.

"Für die Konstrukteure bewahrheitet sich nun, ob ihre Lastannahmen richtig waren", sagt Thomas Hahn über die nun folgende Testphase. Der Münchner Konstrukteur war einer der Strukturspezialisten bei BMW Oracle Racing beim vergangenen Cup. "Diese Flügelmasten sind immer noch eine große technologische Herausforderung, und das meiste Know-how in diesem Bereich hat Oracle Racing", so Hahn.

Das schwedische Team Artemis Racing hat sich deshalb auch schon früh mit Paul Bieker verstärkt. Der deutschstämmige Amerikaner war einer der Konstrukteure des gigantischen BMW-Oracle-Flügels und gilt als Guru der I-14-Skiffentwicklung.

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