America's CupAmerica's-Cup-Update

Carsten Kemmling

 · 09.08.2004

Das spanische Team El Reto vermeldet Fortschritte bei der Sponsor-Akquise. Wer 2007 sonst noch dabei sein könnte

Die letzte Nachricht aus der America's-Cup-Szene war ein Schock. Bertarelli zeigt Coutts die rote Karte und wird ihm kaum eine Chance geben, 2007 irgendein Rad zu drehen. Dafür gibt es Gerüchte, Coutts plane mit Cayard eine Konkurrenzveranstaltung in den Emiraten. Ist der Cup am Ende? Wenn die großen Cs des Sports - Coutts, wahrscheinlich Conner und vielleicht Cayard - nicht dabei sind, was ist die Regatta dann noch wert?

Aber es gibt auch positive Signale. So scheint sich doch ein zumindest zahlenmäßig starkes Herausfordererfeld zu formieren, um den Anspruch "bester Cup aller Zeiten" zu erfüllen. Die aktuellste Meldung kommt von den Spaniern. Das El-Reto-Syndikat kündigte gestern auf einer Pressekonferenz an, das 60-Millionen-Euro-Budget nahezu gedeckt zu haben. Mit dem Geld wolle man die 2003er- Boote von OneWorld kaufen und das America-True-Paket von 2000. Die Meldung als offizieller Herausforderer stehe kurz bevor. Im Oktober hoffe man, bei den Regatten in Valencia antreten zu können.

Eine andere Nachricht kommt von der innovativen Sausalito Challenge in San Francisco. Die Amerikaner, die durch ihre Sponsorsuche bei ebay auf sich aufmerksam gemacht hatten - zehn Bieter trieben den Preis für ein Hauptsponsoring auf 20 Millionen Dollar, erreichten aber nicht die nötige 30-Millionen-Hürde -, machen erneut von sich reden. Teamchef John Sweeney kündigte bei der Yachtentwicklung an, erstmals zu 100 Prozent auf Computational Fluid Dynamics (CFD) zu vertrauen und auf die teuere Tanktest-Methode gänzlich zu verzichten. Im August wollen die Amerikaner nähere Budget-Informationen preisgeben.

Die Engländer haben dagegen große Probleme. Peter Harrison erklärte, dass ihm für ein "konkurrenzfähiges Budget" von 75 Millionen Euro noch 45 Millionen Euro fehlen. 30 Millionen wolle er selbst dazu tun. Wenn bis Ende des Monats das Budget nicht stehe, dann steige er aus.

Sorgen macht auch das Team Toscana Challenge, bei dem Karol Jablonski unter Vertrag ist und Markus Wieser unterschreiben soll. Eine offizielle Verlautbarung war schon vor Monaten erwartet worden, aber seit ein großer potenzieller Sponsor in den Strudel einer Bankenkrise geraten ist, gibt es kaum Neuigkeiten aus Livorno.

Offizielle Herausforderer von Alinghi sind bis jetzt BMW Oracle Challenge, Shosholoza Challenge aus Südafrika und +39 vom Gardasee. BMW Oracle wird immer mehr zum Platzhirsch des Cups. Das Team kauft immer mehr große Namen ein wie zuletzt den Ex-Team-New-Zealand-Taktiker Bertrand Pacé, und die Szene ist sich einig, dass das Syndikat sich wohl nur selbst besiegen kann.

Von den Underdogs aus Südafrika ist nur bekannt, dass ihr Budget maximal 25 Millionen Euro betragen soll. Die Crews unter Geoff Meek zahlte gerade als Elfter von zwölf Startern beim Swedish Match Cup in Lissabon viel Lehrgeld.

Das italienische Team vom Gardasee wird wohl auch nicht zur ersten Liga gehören. Präsident Lorenzo Rizzardi vom Circolo Vela Gargnano hat Giovanni Ceccarelli, den ehemaligen Mascalzone-Latino-Designer, verpflichtet und als Teammanager und Skipper den Italiener Luca Devoti (2000 Olympiasilber im Finn). Der holte eine Truppe von Ex-Finn-Seglern zusammen wie Iain Percy (GBR) (Gold in Sydney und Star-Weltmeister), Xavier Rohart (zuletzt Star-Weltmeister), Rafael Trujillo (ESP) und Andrew Simpson (GBR). America's-Cup-Erfahrung bringt der Ex-Prada-Mann Lorenzo Mazza (ITA) mit.

Ihre Teilnahme angekündigt haben noch das französische K-challenge-Team von Stephane Kandler. Es wird in Marseille beim ersten offiziellen America's-Cup-Akt antreten, hat aber noch Finanzierungsprobleme. Die australische OzBoyz-Challenge startet fleißig mit seinem jugendlichen Skipper Michael Dunstan bei internationalen Match-Races. Teamchef ist Le-Défi-Taktiker Sebastien Destremau. Es gibt nicht viele, die glauben, dass es das Jugendteam zum Start nach Valencia schaffen wird.

Mascalzone-Latino-Chef Vincenzo Onorato hat zwar versichert, er werde 2007 mit einem siegfähigen Team dabei sein. Aber die Gerüchte reißen nicht ab, dass er Probleme hat. Vasco Vascotto und Flavio Favini sind als Mitglieder der Afterguard bestätigt. Aber es gibt auch Gerüchte über ein Joint venture mit den Spaniern.

Um die Skandinavier ist es still geworden. Jesper Bank sagte aber beim Match-Race in St. Moritz, es werde heftig hinter den Kulissen gearbeitet. Immerhin sei das Victory-Challenge-Paket nicht verkauft, ein Start für 2007 also relativ wahrscheinlich. Es gibt Ideen für ein dänisches oder ein gesamt-skandinavisches Team.

Prada ist dagegen relativ sicher dabei. Die offizielle Herausforderung der Italiener wird in Kürze erwartet. Seit April haben sie schon ihre Basis in Valencia bezogen und segeln mit den 2003er-Schiffen. Skipper wird wieder Francesco de Angelis sein. Er soll einen großen Automobilhersteller als Sponsor an der Angel haben.

Sehr gut im Rennen liegt auch Grant Dalton mit seinem Team New Zealand nach der Anleihe, die er von Ernesto Bertarelli erhalten hat. Dadurch soll die Finanzspritze der Regierung gesichert sein. Hauptsponsor ist die Fluglinie Emirates sowie Toyota. Dean Barker hat sich seinen Freund Ben Ainslie (GBR) an Bord geholt und einige Segler der illbruck-Kampagne.

Dennis Conners Teilnahme ist eher unwahrscheinlich. Er lässt sich zitieren: "100 Millionen Sponsoren-Dollar in den USA aufzutreiben ist schlicht unmöglich. Wir bräuchten einen Milliardär. Aber dennoch sollte man uns nicht von den Websites streichen. Wir hoffen immer noch irgendwie, dabei sein zu können."

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