America's CupAcht Matchpunkte für die Kiwis

Tatjana Pokorny

 · 18.09.2013

America's Cup: Acht Matchpunkte für die KiwisFoto: ACEA / Ricardo Pinto

Goliath am Abgrund, David mit der Hand an der Kanne: Neuseeland fehlt noch ein Sieg zum dritten Triumph im America's Cup nach 1995 und 2000

  Ein kleiner Schritt für das Emirates Team New Zealand, ein großer für die Heimat: Neuseeland träumt vom dritten Cup-Sieg nach 1995 und 2000Foto: ACEA / Gilles Martin-Raget
Ein kleiner Schritt für das Emirates Team New Zealand, ein großer für die Heimat: Neuseeland träumt vom dritten Cup-Sieg nach 1995 und 2000

Die Entschlossenheit der Neuseeländer im 34. America's Cup geht mit der Geschlossenheit von Millionen ihrer Landsleute an den heimischen Fernsehsendern einher: Im elften Rennen ließen die Kiwis am Mittwoch keinen Zweifel daran, dass sie sich auf ihrem Weg zum dritten America's-Cup-Sieg von nichts und niemandem aufhalten lassen wollen. Skipper und Steuermann Dean Barker eröffnete das Duell auf Augenhöhe mit einem souveränen Start, ließ den sonst so furiosen Kontrahenten und sieben Jahre jüngeren Jimmy Spithill ein wenig alt aussehen.

"Team New Zealand wirkt stark", zollt auch der amerikanische TV-Kommentator und Ex-America's-Cup-Segler Gary Jobson Barkers Team Respekt. Die Kiwis nutzen ihren Startvorteil, blocken Verteidiger Oracle Team USA, bremsen den Gegner gar aus und zischen dann ab in Richtung Tonne eins, die sie mit drei Sekunden Vorsprung runden.

Das Rennen verläuft hochspannend. In Ufernähe und dicht an der imaginären Kursbegrenzung zelebrieren die Neuseeländer nicht lange nach dem Start eine perfekte Halse, die ihnen an der zweiten Wendemarke sechs Sekunden Vorsprung einbringt. Noch immer ist es ein enges Duell, das jederzeit in die eine oder andere Richtung kippen kann.

  Kurzfristig übernimmt das Oracle Team USA in Rennen elf die Führung, kann sie aber nicht lange haltenFoto: ACEA / Gilles Martin-Raget
Kurzfristig übernimmt das Oracle Team USA in Rennen elf die Führung, kann sie aber nicht lange halten

Das Team um Oracles Steuermann James Spithill agiert nach Lehrbuch, stellt als Verfolger nach Rundung der zweiten Marke den angestrebten Split her und geht für kurze Zeit sogar mit bis zu 60 Metern in Führung. Am Wind liefern sich die beiden Cup-Giganten ein kräftezehrendes Wendeduell. Die Grinder stöhnen und japsen. Fast simultan geht es im Zickzackkurs in Richtung dritte Tonne. Doch schnell erhöhen die Neuseeländer ihre Führung auf deutlich über 100 Meter und erarbeiten sich eine dominierende Position. "Jetzt haben sie die Kontrolle", stellt Isaf-Vizepräsident Gary Jobson nüchtern fest. Doch kurze Zeit beginnt der Vorsprung wieder dahinzuschmelzen. Das US-Team kann die Lücke schließen, segelt mit bis zu einem Knoten schneller. Die amerikanischen Fans schöpfen wieder Hoffnung.

Es bleibt ein packendes Match. Eines, das die Kommentatoren und Zuschauer auf diesem Niveau auf Katamaranen noch nie gesehen haben. Am Ende der Kreuz und einer nicht perfekten, aber anständigen Wende der Kiwis sorgt eine völlig verpatzte Wende der Amerikaner für die Vorentscheidung. Der schwarz-rote US-Riese auf zwei Kufen verliert dabei massiv an Geschwindigkeit, die Anzeige sackt auf unter zehn Knoten. Das verpatzte Manöver wird kurz darauf mit 17 Sekunden Rückstand bei der Rundung von Marke drei bitter bestraft.

  Giganten unter sich: Team New Zealands "Aotearoa" vor der Golden Gate BridgeFoto: ACEA / Ricardo Pinto
Giganten unter sich: Team New Zealands "Aotearoa" vor der Golden Gate Bridge

Die "Aotearoa" der Kiwis rast vor dem Wind davon. Ihre Crew baut den Vorsprung auf über 300 Meter aus. "Sehr schön, Jungs", hört man Dean Barker motivierend ins Mikrofon sagen, "bleibt jetzt cool." Und das bleiben sie. Die vierte Tonne runden die Neuseeländer mit 18 Sekunden Vorsprung. Ihr abschließender kurzer Sprint ins Ziel vor frenetisch jubelnden Fans bleibt am Ende ungefährdet.

Nach dem Zieldurchgang spricht Barker von einer "monumentalen Schlacht". Und sein 34 Jahre junger Rivale Jimmy Spithill von "riesigen Fehlern": "Wir haben uns im Start massiv in Zeit und Distanz verschätzt." Körpersprache und Ton klingen wie das Eingeständnis der totalen Niederlage.

Eine Chance zur Wiedergutmachung erhalten die Verteidiger am Mittwoch nicht mehr. Auch die Kiwis müssen ihren finalen Griff nach der verschnörkelten Silberkanne vertagen. Mutter Natur zickt, verursacht mit frischen Winden nach dem Totalausfall am Dienstag erneut eine Rennabsage.

  Der so sympathische wie souveräne Regattadirektor Iain Murray muss dem Reglement folgen und Rennen zwölf bei Überschreitung des Windlimits absagenFoto: ACEA / Ricardo Pinto
Der so sympathische wie souveräne Regattadirektor Iain Murray muss dem Reglement folgen und Rennen zwölf bei Überschreitung des Windlimits absagen

Das 34. Duell um den America's Cup wird beim Stand von 8:1 für das Emirates Team New Zealand am Donnerstag mit den Rennen zwölf und 13 fortgesetzt und ist wie jeden Abend ab 22.15 Uhr deutscher Zeit via www.americascup.com live im Internet zu sehen. Dabei steht Larry Ellisons in allen Belangen so reicher Rennstall vor dem Aus: Die Kiwis haben acht Matchpunkte in Folge! Wollen Jimmy Spithill und sein Oracle Team USA das Blatt noch wenden, müssen sie ab sofort achtmal hintereinander gewinnen.

Die neuseeländische Tageszeitung "New Zealand Herald" vermeldete kurz nach dem Duell selbstbewusst: "Wir haben nun die Lust und die Last, noch ein weiteres Rennen zu gewinnen. Ein Rennen noch. Einen Cup. Eine Nation ist einen Schritt entfernt davon sich zu entspannen und den erneuten Besitz des America's Cup zu genießen." Die Vorstellung vom dritten Cup-Sieg nach 1995 und 2000 elektrisiert das kleine Land. Dort in Down Under hört man gar nicht gern, was Jimmy Spithill nach diesem achten Renntag so kämpferisch wie störrisch zum Besten gab: "Es ist noch nicht zu Ende. Ganz und gar nicht zu Ende." Die Antwort des neuseeländischen Autoren darauf fällt als Schlusssatz kurz aus: "Es ist noch ein Rennen bis zum Ende."

Wer Recht behält, das wird sich ab Donnerstag erweisen. Mit acht Matchpunkten in Folge haben die Kiwis es selbst in der Hand, ihre rund 60 Millionen Euro teure "Staatsmission" zu Ende und die Kanne nach Hause zu bringen. Die Amerikaner müssen acht Siege in Folge erreichen, um den Silberpott doch noch behalten zu dürfen. Nicht nur die Wahrscheinlichkeitsrechnung spricht für David im Kamp gegen Goliath.

  Entscheidung vertagt: Rennen 12 wird auf Donnerstag verschobenFoto: ACEA / Gilles Martin-Raget
Entscheidung vertagt: Rennen 12 wird auf Donnerstag verschoben

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