America’s Cup 1983Das Rennen des Jahrhunderts als Dokumentarfilm

Fridtjof Gunkel

 · 14.09.2022

America’s Cup 1983: Das Rennen des Jahrhunderts als DokumentarfilmFoto: Netflix

Der Streamingdienst Netflix zeigt eine sehenswerte Dokumentation über den America’s Cup 1983, das historische Match, das Sportgeschichte schrieb

26. September 1983. Newport im US-Bundesstaat Rhode Island. Die entscheidende, die 7. Wettfahrt im 25. America’s Cup wird angeschossen. Es steht 3:3 im epochalen Match der verteidigenden US-Yacht “Liberty” mit Dennis Conner an den Rädern und den Australiern unter John Bertrand mit ihrer radikalen “Australia II”, den Herausforderern.

Die hatten einen fast aussichtslos wirkenden Rückstand von 3:1 auf die Amerikaner abgewehrt, auf 3:3 ausgeglichen. Nach einer langen Herausforderrunde, Vermessungsproblemen, Spionage, Vorwürfen. Sport mit härtesten Bandagen abseits des Rings. Das Boot sei nicht regelkonform in Australien konstruiert worden, sondern unter Mithilfe eines Holländers. Demzufolge gehöre es verboten, Stichwort Flügelkiel.

Der Kopf des Verlierers als Cup-Ersatz

Es ging um vieles. Prestige, Stolz, Ehre. Eigentlich wie immer, wenn da nicht noch die historische Komponente das Ganze potenzieren würde. 132 Jahre lang wurde der Pokal schon ausgesegelt, gewonnen hatte ihn zuerst die “America” beim Rennen rund um die englische Isle of Wight, dann wurde die hässliche Silberkanne, gern versehen mit dem Zusatz “bodenlos”, als Trophäe für eine internationale Regatta zwischen befreundeten Klubs gestiftet, die sich zum Nukleus des Wettsegelns entwickelte und immer wieder die schnellsten und hochgezüchtetsten Boote der Welt hervorbrachte.

132 Jahre! So lange wurde um keine Sporttrophäe der Welt gekämpft. Der verteidigende New York Yacht Club, Hüter und vermeintlicher Pächter der Siegesserie, schickt mit Dennis Conner nach US-Ausscheidungsserien einen Mann ins Rennen, dem die Verantwortlichen vertrauten, weil sie es mussten, den sie aber nicht mochten. Der Teppichhändler aus San Diego war den Granden mit den runden Strohhüten in ihrer Clubuniform zu hemdsärmelig. Da knurrte so mancher, dass Conners Kopf in der Vitrine im Klub ausgestellt würde, wenn der Pokal denn nach down under ginge.

26. September 1983. 3:3 ... Der Rest ist Geschichte. Und Conner konnte seinen Kopf behalten, den Pokal noch einmal gewinnen, ihn dadurch nach San Diego holen, zum erneuten Leidwesen des New York Yacht Club, der das Silber seither nur aus der Ferne kennt. Doch das ist eine andere Geschichte.

Starke Bilder in schlechter Qualität

Die des dramatischen 25. America’s Cup, “Liberty” gegen “Australia II”, USA gegen Australien, Conner gegen Bertrand, groß gegen klein, erzählt nun eine sehenswerte Dokumentation auf Netflix. Bildtechnisch ganz 80er, auch qualitativ, aber mit vielen O-Tönen und Interviews mit den sichtbar gealterten Protagonisten gespickt, die heute noch Helden sind.

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