America’s Cup160 Jahre Kampf um die Kanne

Lars Bolle

 · 21.08.2011

America’s Cup: 160 Jahre Kampf um die KanneFoto: YACHT

1851, heute vor 160 Jahren, gewann die „America“, düpierte die englische Elite und löste einen legendären Wettstreit aus. Die Highlights:

"Es gibt keinen Zweiten, Mylady." Dieser Satz, der längst zum Synonym für den America's Cup geworden ist, geht zurück auf einen Pagen der englischen Queen. Diese hatte sich erkundigt, wer denn bei einer Wettfahrt um die Isle of Wight nach der "America" diesen Platz erreicht hätte. Das war im Jahr 1851, als der knapp 30 Meter lange Zweimastschoner "America" die gesamte britische Yachtsportelite düpierte – die Geburtsstunde der ältesten Sportveranstaltung der Welt.

Rund um die Isle of Wight liefern sich am 22. August des Jahres 1851 sieben Schoner und acht Kutter ein bis zuletzt hoch dramatisches Rennen um den 100-Guinea-Cup. Um 20 Uhr 37 geht vor Cowes die „America“ als erste Yacht über die Ziellinie – und düpiert damit die gesamte englische Segelsportelite. Der damalige Miteigner und Kommodore des New York Yacht Club streicht das Preisgeld ein, nimmt die Trophäe mit nach Hause und stiftet sie zu Ehren des Siegerschiffs als „America’s Cup“. Seither darf jeder Yachtclub der Welt ihren Besitzer herausfordern.
Foto: YACHT/N. Campe

Rückblick: Die "America" gehört einer amerikanischen Eignergemeinschaft um den Reeder John Cox Stevens. Der ist mit dem Schoner über den Atlantik nach England gesegelt, um das Schiff bei der Londoner Weltausstellung zu präsentieren. Es soll die hohe Qualität des amerikanischen Schiffbaus unter Beweis stellen. Das ist jedoch nur der Deckmantel der Operation. Eigentlich geht es um Wetteinsätze. Die Eignergemeinschaft platziert Sportwetten. So sicher ist sie sich ihrer Sache, dass sie die gesamte britische Segelelite herausfordert.

Doch die kneift komplett. Grund ist ein eher zufälliges Match der "America" mit der englischen, nicht gerade als langsam geltenden "Lavrock". Während der Anfahrt zur Isle of Wight treffen die Schiffe aufeinander, und die Amerikaner segeln mühelos vorbei. Das spricht sich wie ein Lauffeuer herum.

Selbst als John Cox Stevens anbietet, "gegen jeden Schoner der alten Welt" antreten zu wollen und mangels Interesse das Angebot mit einem Preisgeld von 10.000 Guinea unterstreicht, traut sich immer noch keiner. Stevens bleibt nichts anders übrig, als für eine offizielle Regatta, das Hundred Guinea Cup Race am 22. August 1851, zu melden. Es soll rund um die Isle of Wight gehen, dem Sieger winkt ein Preisgeld von 100 Guinea und der "Hundred Guinea Cup".

"America" tritt gegen 15 englische Yachten an, und alles sieht zunächst danach aus, dass die Briten sich den Mythos der Unschlagbarkeit bewahren könnten. Denn es wird vor Anker liegend gestartet, und "America" verpatzt das Ankerauf-Manöver. Sie fährt als Letzte los.

Doch die Amerikaner haben Glück. Bei leichten Winden sind sie mit auffrischender achterlicher Brise schnell wieder am Feld dran und rollen es danach komplett auf. Am Ziel beobachtet die Queen die Ankunft der ersten Yacht vom Schaufelraddampfer "Victoria and Albert" aus. Auf die Frage, welche Yacht das denn sei, bleibt dem Pagen nichts anderes übrig, als "America" zu antworten.

Stevens gewinnt den Cup und nimmt ihn mit über den Großen Teich in seinen Heimatverein, den New York Yacht Club (NYYC). Dort wird er für 132 Jahre bleiben. Er stiftet ihn als America's Cup, und jeder Club der Welt darf ab sofort den Besitzer herausfordern.

Doch erst 1870 wird wieder um die Kanne, wie der Cup intern heißt, gesegelt. Es ist die große Zeit der Schoner, und es ist die Zeit der Suche nach einem verbindlichen Regelwerk.

Bei der ersten Verteidigung trifft der englische Herausforderer "Cambria" auf eine 17 Boote starke NYYC-Flotte. Der Herausforderer James Ashbury, Millionärssohn, unterliegt chancenlos.

Es wird noch, bis zur Einführung der J-Class 1930, nach Vergütung gesegelt, und die Schoner fallen größenmäßig sehr unterschiedlich aus. Die Siegerin "Magic" ist nur 84 Fuß lang gegenüber 108 Fuß von "Cambria". Dafür ist sie eine Schwertyacht und somit in den Küstengewässern im Vorteil. Die Herausforderer müssen laut Stiftungsurkunde auf eigenem Kiel anreisen, was sie wegen der besseren Seegängigkeit weitgehend mit Kielyachten tun. Diese sind den Schwertyachten jedoch unterlegen.

Ashbury fordert gleich erneut für 1871 heraus. Er will jedoch nicht wieder gegen eine Flotte segeln, sondern nur gegen ein einzelnes Schiff. Als ihm dies die New Yorker abschlagen, droht er, im Namen von mehreren englischen Clubs anzutreten, sodass er im Falle einer Niederlage immer wieder neu herausfordern könnte. Dies wiederum will der NYYC nicht, und es muss George Schuyler, letztes noch lebendes Mitglied des Eignerkonsortiums der "America", um Schlichtung bemüht werden.

Er besteht auf "gleichen Voraussetzungen für beide Parteien". So einigt man sich auf maximal sieben Rennen. Wer zuerst vier gewinnt, soll Sieger sein. (Dieser Modus wurde auch von 1930 bis 1992 angewendet; nach 1872 bis zum Ende der Zeit der Schoner 1887 genügten zwei Siege; bei den Slups, bis 1920, mussten drei Rennen gewonnen werden, ab 1995 fünf.) Der NYYC nimmt sich zusätzlich das Recht, vor jedem Rennen aus einem Pool von vier Yachten wählen zu können, und gewinnt mit diesem Vorteil 4:0.

1876 stimmt der NYYC zu, nur eine Verteidigeryacht zu benennen. Es ist auch das Jahr, in dem erstmals nicht mehr vor Anker liegend, sondern wie heute üblich fliegend gestartet wird.

Die Zeit der Schoner ist im Jahr 1893 endgültig vorbei. Die Zeitvergütung, nach der noch gesegelt wird, richtet sich stark nach der Wasserlinienlänge. Mit seinem ersten Cup-Boot geht Nathanael Herreshoff neue Wege und soll berühmt werden. Nach der Binsenweisheit "Länge läuft" zeichnet er die Verteidigerin "Vigilant" zwar in der Wasserlinie genau so lang wie die Verteidigerin von 1887 "Volunteer", die Länge über alles beträgt mit 124 Fuß jedoch 18 Fuß mehr. Bug und Heck hängen extrem weit über, zusätzlich werden lange Bugspriets und überstehende Großbäume für eine gewaltige Segelfläche geriggt. Je mehr die Yachten krängen, desto länger wird die Wasserlinie und desto größer die Geschwindigkeit.

Die extremste Vertreterin dieser Bootsbauphilosophie, die "Reliance" (1903), misst in der Wasserlinie 90 Fuß, in der Länge über alles 143,8 Fuß. Sie kann 1.500 Quadratmeter Segelfläche setzen, die von über 70 Mann gebändigt werden muss. Von der Baumnock bis zum Bugspriet weist sie eine Länge von 200 Fuß auf und ist die größte Yacht, die jemals im America's Cup segelt.

Ab 1930 wird auf Yachten der J-Class gesegelt. Das erste Match verliert Tee-Millionär Sir Thomas Lipton bei seiner fünften und letzten Herausforderung auf "Shamrock V" gegen die "Enterprise" von Harold Mike Vanderbilt. Der verteidigt den Cup dreimal. Vor ihm gelang dies nur Skipper Charlie Barr (1899 bis 1903), nach ihm sollte es nur noch Dennis Conner glücken (1980 bis 1988).

Bekannteste Vertreterin der J-Class ist unbestritten die "Endeavour". Bis 1983 ist keine Herausforderer-Yacht mehr so nahe am Sieg wie sie. Sie unterliegt, umstritten wegen einer angeblichen Regelbeugung der Amerikaner, mit 4:2. Das führt zu dem Spruch: "Britannia rules the waves and America waives the rules" (Großbritannien beherrscht die Meere, und Amerika verzichtet auf die Regeln). Dieses Ereignis nimmt Vanderbilt zum Anlass, 1934 die ersten Wettfahrtregeln zu verfassen, die in ihrer Grundform bis heute gültig sind.

Die Zeit der Zwölfer, die 1958 beginnt, ist vor allem durch ein Ereignis geprägt: den Verlust des America's Cups für die Amerikaner nach 132 Jahren. Die Australier schaffen mit einem revolutionären Flügelkiel, was vor ihnen keinem gelang. Doch die Freude währt nur kurz. Schon bei der nächsten Herausforderung 1987 holt sich Conner die Kanne eindrucksvoll mit 4:0 zurück.

Es ist der letzte Cup der Zwölfer. Schon ein Jahr später fordern die Neuseeländer Conner mit einem Einrumpfer heraus, der mit 90 Fuß in der Wasserlinie und 120 Fuß über alles einen Rückfall in die Zeit der großen Slups oder der J-Class bedeutet. Conner kontert mit einem nur 55 Fuß in der Wasserlinie messenden Katamaran. Das einseitige Match wurde vor Gericht zugunsten Conners entschieden.

Auf Betreiben der Konstrukteure wird der veraltete Zwölfer durch einen neuen, modernen Bootstyp abgelöst, die International America's Cup Class. Die neue Klasse ist geprägt von den Neuseeländern, denen das bisher Unmögliche gelingt: Sie ringen den Cup den Amerikanern 1995 ab und verteidigen ihn im Jahr 2000. 2007 müssen sie ihn jedoch an die Schweizer Kampagne Alinghi abtreten, die auch 2007 gewinnt.

Nach langem Gerichtsstreit erlangen die Amerikaner vom Team BWM Oracle Racing, Eigner ist der Millardär Larry Ellison, das Recht, Alinghi 2010 mit einem Trimaran herauszufordern. Die Schweizer kontern und unterliegen klar mit 0:2.

Der nächste Cup soll nun 2013 mit 70 Fuß langen Katamaranen vor San Francisco ausgetragen werden.

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