ACWS San DiegoSpithill zeigt mit Doppelsieg Stärke

Jochen Rieker

 · 20.11.2011

ACWS San Diego: Spithill zeigt mit Doppelsieg StärkeFoto: AC Media/ G. M. Raget
ACWS San Diego
Im dritten Anlauf endlich das Double: Oracle Racings Topteam gewinnt erst Match-, dann auch Fleetrace. Überraschend aber segelten andere
  Souveräne Sieger: Spithill auf Oracle Racing 4Foto: AC Media/ G. M. Raget Souveräne Sieger: Spithill auf Oracle Racing 4

Begleitet von Oracle-Gründer Larry Ellison als sechster Mann zeigten Jimmy Spithill und sein Team in San Diego, dass sie der Topfavorit in der America's Cup World Series sind. Gestern holten sie sich den Sieg im abschließenden und bedeutsamsten Rennen. Nachdem sie die erste Tonne noch auf Position 2 hinter Erzrivale Emirates Team New Zealand gerundet hatten, lagen sie nach der Vorwindstrecke bereits vorn und gaben die am Ende überlegene Führung bis ins Ziel nicht mehr ab. Zuvor schon hatte "Oracle Racing 4" im Matchrace dominiert und beim AC 500 Speed Trial nur um eine Zehntelsekunde Platz 1 verpasst. Eine perfekte Serie (alle Resultate hier).

Für Spithill, den Cup-Verteidiger, ist es der erste Doppelsieg, nachdem er in Cascais und Plymouth jeweils nur vereinzelt voll punkten konnte. Noch allerdings liegt er in der Gesamtwertung nach drei Events einen Punkt hinter den Neuseeländern um Dean Barker. Dieser Zweikampf an der Spitze verspricht auch 2012 Hochspannung!

Ausrufezeichen setzten bei dem für südkalifornische Verhältnisse ungemütlichen Wetter in der zurückliegenden Woche allerdings auch andere.

Allen voran Yann Guichard und seine Crew vom französischen Energy Team. Mit Platz 3 im Fleetrace und einem sensationellen 2. Platz im Matchrace bewiesen die vom deutschen Bekleidungshersteller Marinepool unterstützten Franzosen ihre große Mehrrumpf-Erfahrung. Tatsächlich schafften es bisher nur zwei der sogenannten "kleinen", also knapp finanzierten Teams, in die Phalanx der großen Drei – Oracle, Neuseeland, Artemis – einzubrechen: In Plymouth war es Team Korea, in San Diego Energy.

  Sensationelle Rookies: Energy Team (v.) Dritte im Fleetrace, Zweite im MatchraceFoto: AC Media/ G. M. Raget Sensationelle Rookies: Energy Team (v.) Dritte im Fleetrace, Zweite im Matchrace

Yann Guichard, der für Skipper Loïck Peyron die Pinne übernommen hatte, sagte nach seinem Erfolg: "Ich bin stolz auf das Team und sehr glücklich über das Ergebnis, denn wir haben den anderen gezeigt, dass mit uns zu rechnen ist." Sein Chef Bruno Peyron, der das Syndikat im Hintergrund aufgebaut hat und leitet, meinte: "Davon haben wir nicht einmal zu träumen gewagt! Wir haben es geschafft, die besten Teams in Bedrängnis zu bringen, sie zu schlagen und die Hierarchie auf den Kopf zu stellen. Wenn wir so weitermachen, dann ist alles möglich!"

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Schlecht lief es dagegen für einen der Mitfavoriten, Artemis Racing. Nach einem Manöverfehler vertörnte sich die Fock auf dem Boot von Terry Hutchinson. Bis alles wieder klariert war, vergingen wertvolle Sekunden. Am Ende wurden die Schweden nur Sechste im Fleetrace, weit hinter ihrem Potenzial. Noch schlimmer erwischte es Darren Bundock, der auf "Oracle Racing 5" als Ersatz für Russell Coutts agierte. Er wurde bis ans Ende des Feldes durchgereicht und Neunter. Ein Schock – aber auch ein Beleg dafür, wie schnell sich das Blatt auf diesen schnellen Booten wenden kann. "Ein Fehler", so Terry Hutchinson, "und du bist weg vom Podium."

  Maike SchomäkerFoto: ZDF Maike Schomäker

Eine Deutsche war in San Diego auch mit an Bord, zum ersten Mal. Allerdings nicht auf einem AC 45, sondern auf einem der Jet-Skis, mit denen die Schiedsrichter die Boote verfolgen. Maike Schomäker gab ihr Debüt als On-the-water-Umpire und wurde bei ihrem Einsatz von einem ZDF-Fernsehteam begleitet. Hier geht's zum Beitrag in der Mediathek.

Jochen Rieker

Jochen Rieker

Herausgeber YACHT

Aufgewachsen in Süddeutschland, hat Jochen Rieker das Segeln auf Bodensee, Ammersee und Starnberger See gelernt. Zunächst war er auf Pirat, H-Jolle und Tempest unterwegs, später auf Hobie Cat, A Cat und Dart 16. Aber wie das so ist: Je weiter entfernt das Meer, desto größer die Leidenschaft danach. Inspiriert durch die Bücher von Bobby Schenk und Wilfried Erdmann, folgte in den 90ern der erste Dickschifftörn im Ionischen Meer auf einer Carter 30, damals noch ohne Segelschein. Danach war’s um ihn geschehen. Als YACHT-Kaleu und Jury-Vorsitzender des European Yacht of the Year Award hat Rieker in den vergangenen mehr als 25 Jahren gut 500 Boote getestet. Sein eigenes, ein 36-Fuß-Racer/Cruiser, lag zuletzt in der Adria. Diesen Sommer verholt er es an die Schlei, wo er inzwischen lebt.

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