Tatjana Pokorny
· 18.04.2024
Gezeigt hatten die neuseeländischen Cup-Verteidiger ihren neuen Stolz schon in der vergangenen Woche. Jetzt wurde ihr insgesamt dritter, aber erster und einziger neuer AC75-Foiler für den 37. America’s Cup in Auckland offiziell von der ehemaligen neuseeländischen Premierministerin Helen Clark auf den Namen “Taihoro”getauft. Die Taufpatin ist auch Schirmherrin des Emirates Team New Zealand. In "Taihoro" steckt die Design-, Innovations- und Bauarbeit des gesamten Teams aus drei Jahren.
Marama Royal, Vorsitzende des Teampartners Ngāti Whātua Ōrākei Trust, erklärte die Bedeutung des Namens: Der sei von Taihoro-Nukurangi inspiriert und bedeute übersetzt, “sich rasch wie das Meer zwischen Himmel und Erde zu bewegen". Die Taufzeremonie fand im Teamcamp der Neuseeländer bei Wynyard Point statt. “Taihoro”, so hieß es weiter, symbolisiere die evolutionäre Reise des Bootes. Es stehe für die Überwindung traditioneller Grenzen und schaffe eine Verbindung zwischen dem Meer und dem Himmel.
Geoff Senior servierte zur philosophischen Betrachtung die Fakten. Der Leiter der Konstruktionsabteilung des Emirates Team New Zealand überwachte den Bau des Bootes, der in Folge von viel Design- und Vorarbeit vor über 10 Monaten in der eigens dafür errichteten Werft des Emirates Team New Zealand begonnen hatte. 45 Bootsbauer arbeiteten insgesamt über 85.000 Stunden an der Fertigstellung. Geoff Senior sagte: “Es ist das komplizierteste Boot, das wir je gebaut haben. Es hat viele Stunden mehr gedauert, dieses Boot zu bauen. Und das liegt nicht daran, dass wir langsamer geworden sind. Die Details werden einfach immer komplizierter.”
Weiter sagte Geoff Senior: “Das Designteam ist mit dem Entwurf der 'Taihoro' sicherlich an die Grenzen gegangen, was unser Bauteam auf eine harte Probe gestellt hat. Aber wir können uns glücklich schätzen, dass unser Bootsbauteam über so viel Erfahrung verfügt und zu den Besten der Branche gehört. Dies ist wahrscheinlich das 14. Boot des Emirates Team New Zealand, das einige von ihnen gebaut haben. Auf der anderen Seite sind wir sehr stolz darauf, dass wir auch zehn Bootsbau-Lehrlinge in unseren Reihen haben, die während der gesamten Bauphase ausgebildet wurden." Wer kann schon von sich sagen, dass er in seiner Ausbildung einen Hightech-Foiler für den America’s Cup gebaut hat?
"Taihoro" war bereits vor Wochen im Schutz der Dunkelheit zum Stützpunkt des Emirates Team New Zealand transportiert worden. Seitdem wurde der jüngste neuseeländische Cup-Stolz von den Technik-Teams in den Bereichen Hydraulik, Mechatronik, Elektronik und von der weiteren Landmannschaft mit Tausenden von Komponenten und Systemen ausgestattet, bevor sie ans Segelteam übergeben wurde. Die Crew um Skipper Peter Burling hat das Boot bereits in Betrieb genommen und ersten Tests im Hafen von Auckland und im Hauraki Golf unterzogen. Viel mehr als “Das Boot erfüllt die ersten Erwartungen, wir sind gespannt auf die Daten” war Burling naturgemäß zunächst nicht zu entlocken.
Auch der vielbeschäftigte CEO der Kiwis äußerte sich zum offiziellen Anlass: “Diese Momente sind immer besonders stolze Anlässe für alle im Team.” Grant Dalton bereitet mit dem Emirates Team New Zealand die erste neuseeländische Cup-Verteidigung in Übersee vor. Dem New Zealand Herald sagte Dalton am Tag der Taufe: "Vieles von dem, was das Team tut, muss aus offensichtlichen Gründen vor Freunden und Familie geheim gehalten werden. Die Arbeit erfordert ein enormes Maß an Hingabe, Engagement und Zeit. Daher ist es immer etwas Besonderes, das Ergebnis dieser Bemühungen mit ihnen im Heimatcamp zu teilen, indem wir ‘Taihoro’ in Partnerschaft mit Ngāti Whātua Ōrākei taufen und präsentieren, die unserem Boot wieder eine ganz besondere und bedeutungsvolle Identität gegeben haben", sagte Dalton.
Das 37. Duell um den America’s Cup, den Neuseeland seit 1995 viermal gewinnen konnte, findet im Oktober in Barcelona statt, weil eine Verteidigung in der Heimat nicht finanzierbar erschien.

Freie Reporterin Sport