Profikarriere, Teil zwei: Neue Pogo 40s4 für Lennart Burke
"Ich bin noch jung und habe viel zu lernen"

Lennart Burke hat sein zweites Offshore-Karrierekapitel eingeläutet. Die neue Pogo 40s4 soll bis Herbst fertig werden. Die Class40-Kampagne ist bis 2026 geplant

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 20.03.2022
Die neue Pogo 40s4 soll im Oktober zu Wasser gebracht und getauft werden. Burke hat sie zuletzt im Februar bei Pogo Structures besucht und sich von den Fortschritten überzeugt Die neue Pogo 40s4 soll im Oktober zu Wasser gebracht und getauft werden. Burke hat sie zuletzt im Februar bei Pogo Structures besucht und sich von den Fortschritten überzeugt Die neue Pogo 40s4 soll im Oktober zu Wasser gebracht und getauft werden. Burke hat sie zuletzt im Februar bei Pogo Structures besucht und sich von den Fortschritten überzeugt

Lennart Burke Sailing Die neue Pogo 40s4 soll im Oktober zu Wasser gebracht und getauft werden. Burke hat sie zuletzt im Februar bei Pogo Structures besucht und sich von den Fortschritten überzeugt

Für Lennart Burke ist es der erhoffte Sprung aus der Mini-Szene in die Class40: Der gebürtige Stralsunder bekommt eine neue Pogo 40s4! Gebaut wird das Boot bei Pogo Structures im französischen Finistère. Es soll im Oktober fertig werden. Auftraggeber ist Burke-Förderer Dr. Joachim Wünning, der den erst 23 Jahre alten Neu-Hamburger beim zweiten großen Karriere-Kapitel beflügelt, das Boot kauft und Burke für eine faire Charter-Gebühr zu 100 Prozent zur Verfügung stellt. Der Unternehmer aus Süddeutschland, der seit Jahren selbst eine Pogo segelt, beobachtet Burkes zielstrebigen Weg in die Profiliga seit 2020. Er sagt: „Ich bin selbst begeisterter Offshore-Segler und verfolge die Szene intensiv. Lennarts herausstechende Eigenschaften, seine authentische Art und seine entschlossene Herangehensweise bei der Minit-Transat-Kampagne haben mich fasziniert und mein Interesse geweckt. Die Motivation, einen jungen Segler mit großen Zielen zu unterstützen, wurde durch den Hype bei der Vendée Globe noch stärker. Umso mehr freuen wir uns, in Lennart genauso einen jungen, ambitionierten und talentierten Nachwuchssegler gefunden zu haben.“

Lennart Burke Sailing Lennart Burke bei einem Trainingseinsatz im Februar in Lorient

"Das ist gigantisch für mich!"

„Das ist gigantisch für mich“, sagt Burke im Glück. Dabei weiß er: „Ich muss und möchte natürlich weitere Sponsoren einwerben, um die Chartergebühr und andere Projektkosten bezahlen zu können.“ Daran arbeitet der aus Stralsund stammende Segler mit seinem bewährten Team. „Ich habe wieder Bootspunkt mit Dirk Weißenborn als ersten Partner mit an Bord. Darüber freue ich mich riesig, weil es auch der erste Partner meiner Mini-Kampagne war. Bootspunkt hat mir den professionellen Durchstart ermöglicht. Die glauben seit Tag eins an mich.“

Warum das so ist, erklärt Dirk Weißenborn: „Wir haben Lennart von Anfang an gefördert, weil er auf mich organisiert und zielorientiert gewirkt hat – und sehr sympathisch natürlich. Die Entscheidung fiel uns leicht, ihn auch nach dem Mini-Transat bei seinem neuen Projekt zur Seite zu stehen. Bemerkenswert fanden wir, dass er während der Regatta und auch danach die ja doch teilweise hektischen und kontrovers diskutierten Ereignisse sehr ruhig, ausgewogen und differenziert bewertet und auch kommentiert hat. Er hat bei seiner eigenen Entscheidung während des Rennens nicht nur sein persönliches Ergebnis berücksichtigt, sondern auch den Zusammenhalt der Mini-Klasse insgesamt. Ich finde, dass er auch hier bewiesen hat, dass er seine Ziele langfristig verfolgt, dass persönliche Werte durchaus auch mal wichtiger sein können als kurzfristige Ergebnisse. Das entspricht unserer grundsätzlichen Philosophie und war auch in unserer wilden Zeit ein wichtiger Aspekt. Wir freuen uns sehr auf das neue Projekt und die weitere Zusammenarbeit."

Alexander Champy-McLean/Lennart Burke Sailing Burkes Gesellenprüfung: Im Mini-Transat durchlief der Jung-Profi auf der "Vorpommern" seine Grundausbildung für die Karriere als Offshore-Segler

ALEXIS COURCOUX So sympathisch und glücklich erlebte man Lennart Burke zuletzt im Mini-Transat

Der Bootsbau ist bei Pogo Structures in Combrit, etwa 80 Kilometer entfernt von der Offshore-Wiege Lorient, längst angelaufen. Die Entscheidung zugunsten der renommierten Werft hat Burke bereits im vergangenen Jahr getroffen, musste aber lange auf grünes Licht warten. „Ich habe mit Joachim gründlich darüber nachgedacht. Im Mai 2021 haben wir bei Pogo schon unser Interesse bekundet. Werftchef Christian Bouroullec wollte mich kennenlernen, und wir haben uns vor dem Mini-Transat-Start getroffen. Die Werft boomt, alle wollen neue Boote. Auf unseren Bauslot hatten sich fünf Leute beworben. Am Ende waren es noch zwei. Der andere hatte sich noch früher gemeldet als wir, konnte aber die Finanzierung nicht sichern. Schließlich haben wir den Bauslot bekommen. Die Nachricht dazu habe ich zwischen den beiden Mini-Transat-Etappen erhalten – das war eine tolle Motivation!“

Matthias Hampel/Melwin Fink Racing Unterstützten sich und bildeten eine deutschsprachige Bank im Mini-Transat (v.r.n.l.): Melwin Fink, Lennart Burke und der Österreicher Christian Kargl

"Bei Pogo gibt es keine Schnellschüsse"

Warum Pogo Structures? Burke hält viel von der namhaften französischen Racer-Schmiede: „Ich habe selbst schon eine Pogo 3 gesegelt, kenne die Leute, habe die Werft oft besucht und weiß, wie sie arbeiten. Die Werft ist seriös und vertrauenswürdig, gibt sich qualitativ enorme Mühe. Daher hat Pogo auch so volle Auftragsbücher. Sie nehmen sich trotzdem Zeit für jeden, und die Boote gehen erst aus der Form, wenn es wirklich nötig ist. Da gibt es keine Schnellschüsse. Weshalb wir uns auch entschlossen haben, die Route du Rhum in diesem Jahr noch auszulassen. Ich finde es super, so eine Werft zu haben. Andere bauen in der Garage oder auf irgendeiner Werft, die sich die Teile dann von überall her holen muss. Bei Pogo ist alles an einem Ort.“

Mit der Entscheidung für Designer Guillaume Verdier erfüllt sich Burke einen Herzenswunsch: „Ich fand seine Designs schon immer spannend. Es gibt viele interessante französische Designer, aber seine Werke begeistern mich. Ich habe ihn immer hochgeschätzt. Man hat es ja auch im Transat Jacques Vabre gesehen: Beide Pogos hatten nur zwei Wochen Trainingszeit, sind aber beide in die Top Ten gesegelt. Guillaume Verdier hat unheimlich viel Erfahrung, ein imposantes Netzwerk, kennt alle bedeutenden Profisegler. Und ich finde, die Pogo 40s4 ist die schönste neue Class40, die es gibt. Das kann nur gut werden.“

Auch die Entscheidungen für die Ausrüstung der neuen Yacht sind weitgehend getroffen. Alle will Lennart Burke noch nicht preisgeben, einige schon. Er hat sich beispielsweise für fünf statt vier Winschen entschieden, „weil die Manöver dadurch besser ablaufen“. Dass einige Konkurrenten weiter mit vier Winschen planen, habe, so Burke, mit deren Gewohnheiten zu tun: „Sie haben vorher schon Boote mit vier Winschen gesegelt, sind in ihren Abläufen daran gewöhnt und wollen sich nicht gern umstellen. Ich habe diesen Background nicht und mich daher für fünf entschieden.“

Fünfjahres-Plan mit Verlängerungsoption

Einen Heimathafen für sein Boot sucht Burke noch, denn Idealhäfen wie Lorient sind aufgrund des aktuellen Bau-Booms ausgebucht. „Ich habe mir viele Gedanken gemacht. Tatsache ist, dass gerade alle alles haben wollen. Jeder will eine neue Imoca oder eine neue Class40, jeder will einen Liegeplatz.“ Lennart Burke wird dieses und viele weitere Themen mit der ihm eigenen Geduld und Ruhe angehen, die ihn in seinem Alter schon so auszeichnen. „Wir planen zunächst für fünf Jahre: die aktuelle einjährige Bauphase und dann vier Segeljahre. Ich bin noch jung, habe viel zu lernen und Zeit. Ich sehe die Class40 als perfekte Klasse, in der ich weiter und im Idealfall über mich hinauswachsen kann. Ich will mehr Erfahrungen sammeln. Der Mini war das Sprungbrett in die Richtung, in die ich möchte.“ Bewusst definiert Burke nicht die Vendée Globe 2028 als festgesetztes Ziel. „Sie ist denkbar, wäre aber ein ziemlicher Schnellschuss und vielleicht mit einer gebrauchten Imoca möglich. Ich kann mir aber auch vorstellen, das Class40-Engagement zu verlängern.“ Dass ihn die Vendée Globe als Gipfel lockt, bejaht er: „Natürlich ist sie der Traum. Da will man landen. Für wen ist es kein Traum, damit zu den ganz Großen zu gehören?“

tati Dieses Bild von Lennart Burke vor dem Konterfei Eric Tabarlys und der französischen Segel-Kampagne "Les Visages de Lorient – Die Gesichter Lorients" entstand 2020. Damals bereitete sich Boris Herrmann auf seine Vendée-Globe-Premiere vor, und Lennart Burke zählte zu den neuen hungrigen Mini-Seglern, die in Lorient für den Aufstieg ackerten

Boris Herrmann ist der Wegbereiter

Boris Herrmanns Rolle als Vorbild hat Lennart Burke mehr als nur ein bisschen geholfen. „Boris hat den Weg bereitet und es für uns leichter gemacht“, sagt Burke, der ein ganz anderer Typ ist als Herrmann, aber dessen Kurs dennoch einige Parallelen aufweist. Auch Boris Herrmann hatte mit Gerhard Senft einen starken Unternehmer aus dem Süden, der den Vendée-Globe-Fünften bei dessen Einstieg in die Königsklasse Imoca vor einigen Jahren mit einem Boot beflügelte. Auch Herrmann hat seinen inzwischen erfolgten ersten Gipfelsturm Schritt für Schritt angesteuert. Der zweite soll 2024 folgen. „Wir sind als junge Segler Boris sehr dankbar für das, was er schon alles erreicht hat. Ich laufe deshalb aber nicht zu Sponsoren und sage denen: Was Boris kann, das kann ich auch. Ich versuche schon, mein eigenes Ding zu machen.“

Was dieses "eigene Ding" ist? „Ich versuche, mit meiner Persönlichkeit gut anzukommen, authentisch und ein guter Botschafter zu sein. Wichtig ist es mir, mit unserem ganzen Team Unternehmen zu signalisieren, dass wir ein sehr attraktives Projekt haben und dass Segeln eine wunderbare Plattform ist, auf der vieles möglich ist. Wir wollen Mehrwerte schaffen und Gutes tun.“

Der neue Class40-Eigner, der erste Partner und ein kleiner finanzieller Puffer aus dem Mini-Transat sowie Profi-Engagements in dieser Saison tragen Burke und sein treues Team durch die aktuelle Zeit der Sponsorensuche. So ist Burke beispielsweise als Navigator bei der ORC-WM mit von der Partie, wird aber auch viel im Mittelmeer im Einsatz sein, dort unter anderem einen anderen Class40-Eigner bei Zweihand-Regatten unterstützen. Bescheiden sagt Burke über seine wachsenden Aufgaben und Herausforderungen: „Ich bin etwas bekannter geworden durch das Mini-Transat, und es ist kein Geheimnis, dass ich viele Erfahrungen gesammelt habe und ein bisschen segeln kann."


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Themen: Class40Lennart Burke

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