Vegvisir Race 2021
„Surreal. Verrückt. Einfach gut.“

Das Vegvisir Race hat seinen Startern wieder einige schwere Prüfungen beschert. Die Segel-Rallye endete mit einem fröhlichen Fest im Start- und Zielhafen Nyborg

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 05.09.2021
Auftakt zum Vegvisir Race: Die bunt gemischte Flotte startet vor Nyborg in das dänische Segelabenteuer Auftakt zum Vegvisir Race: Die bunt gemischte Flotte startet vor Nyborg in das dänische Segelabenteuer Auftakt zum Vegvisir Race: Die bunt gemischte Flotte startet vor Nyborg in das dänische Segelabenteuer

Vegvisir Race 2021 Auftakt zum Vegvisir Race: Die bunt gemischte Flotte startet vor Nyborg in das dänische Segelabenteuer

2017 hatte Dänemarks „Daniel Düsentrieb“ der Ein- und Zweihand-Regattaszene das Vegvisier Race aus der Taufe gehoben und damit den Nerv der Zeit getroffen. Morten Brandt Rasmussen, umtriebiger und ideenreicher Organisator von spannenden Segel-Rallyes, der einst auch das Silverrudder erfand, konnte sich an diesem Spätsommerwochenende einfach nur freuen: 133 Boote starteten in den extrem teilnehmerfreundlichen 26 (!) Kategorien auf drei unterschiedlich langen Kursen. 31 Teams kamen zwar nicht ins Ziel, weil die Flaute sie zu sehr ausgebremst hatte oder anderes Ungemach den Kurs versperrte. Dem überbordenden Enthusiasmus in Nyborg tat das insgesamt kaum Abbruch.

Vegvisir Race 2021 Kreatives Strandbild fürs Vegvisir Race 2021

Erwischt hat es beispielsweise den bekannt starken Dänen Per Cederberg und Ana Sutej, die in schwerer See mit zehn Knoten Speed aufliefen und nach Rücksprache mit der Wettfahrtleitung die Küstenwache zur Hilfe herbeirufen mussten, die das Duo auf der Seascape 27 befreite und in den Hafen zurückschleppte. Dass Jure und Urban Jerman aus Slowenien mit ihrer Seascape 27 „Republika Palma de Coco“ in der Small Class auf dem mit 225 Seemeilen längsten der drei unterschiedlichen Kurse (225 Seemeilen, 158 Seemeilen, 75 Seemeilen) hinter der Dehler 30 OD „Joint Venture“ mit Uwe Barthel und Sverre Reinke Zweite wurden, grenzt an ein kleines Wunder. In 25 Knoten Wind war die Tackline der Slowenen gebrochen, weshalb sich der folgende Spi-Drop recht aufregend gestaltete. Fast hätte das Duo Windmesser und die Laterne verloren, kam aber durch und mit einem starken Ergebnis zurück in der schönen Start- und Zielhafen Nyborg, wo ab Samstagnachmittag bei Siegerehrung und Dinner-Party ausgelassen gefeiert wurde.

Vegvisir Race 2021 Auf geht’s ins Vegvisir Race: die Moskito 85 „Pacemaker“ mit Volker Riechers und Jan Kähler führt eine Gruppe auf der Mittelstrecke über 158 Seemeilen an

Grund dazu hatten die vielen Sieger, aber auch alle anderen Teilnehmer an dieser Segelrallye, die der großen Flotte abwechslungsreiche Bedingungen und eine ganze Reihe navigatorischer Herausforderungen bot. Mini-Transat-Segler Jan Heinze und sein Skipper Peter Sorowka gewannen mit ihrem D2-Serienmini „Kolibri“ die Mini-Klasse über 225 Seemeilen. Heinze erzählte: „Das war ein cooles Rennen! Es hat etwas länger gedauert als gedacht. Unter der Großen Beltbrücke sind wir mit zwei Knoten Strom durchgetrieben. Die navigatorischen Herausforderungen waren teilweise verrückt, weil es manchmal durch sehr enge Fahrwasser ging. Da musste man schon sehr vorsichtig und umsichtig agieren.“

Team Kolibri / Jan Heinze und Peter Sorowka Traumhaft schönes Segeln im Vegvisier Race 2021. Das Foto kommt von Bord der „Kolibri“ von Skipper Peter Sorowka und Jan Heinze

privat Klassensieger in Nyborg: Jan Heinze und sein Skipper Peter Sorowka haben das Rennen und sein Rahmenprogramm genossen

Auch das Abenteuer von Hans Holzenkamp und Andreas Brachwitz fand ein Happy End: Der Skipper und sein Copilot hatten das Rennen erstmals mit der Umltimate 20 „Leetje“ bestritten, die Holzenkamp auf dem Landweg über 1200 Kilometer vom Ammersee nach Dänemark gebracht hatte. Lohn der Mühe: Platz zwei in der Mini-Kategorie hinter den Franzosen Mathieu Bonnier und Mathieu Laperche auf ihrer XP 20 „Row and Sail“. In der mit 23 Startern am stärksten besetzten Division der Medium Class über 225 Seemeilen lieferten sich die Polen Tomasz Odzioba und Jaroslaw Dubowski auf ihrer Caravela 950 „Black Caravela“ und Andreas „Coachi“ Rhode mit Stefan Knabe auf der JPK 10.30 „Ratzfatz4“ ein packendes Bug-an-Bug-Duell. In der Endabrechnung mussten sich die Deutschen mit 16:43 Minuten Rückstand knapp geschlagen geben. In der mit 17 Booten am zweitstärksten besetzten Division Small Class über 158 Seemeilen setzten sich einmal mehr Shorthanded-Grandseigneur Franz Schollmeyer und Falko Braun auf der schon legendären Esse 850 „Firlefanz“ durch. Die „Line Honors“ für das erste Boot im Ziel holten sich Jan Andersen und Roland Gäbler, olympischer Bronzemedaillen-Gewinner im Tornado von 2000. „Sieg im Vegvisier Race! Wir haben mit dem zehn Meter langen ,Black Marlin‘ die Line Honors über alles auf dem 158-Seemeilen-Kurs im wunderschönen dänischen Archipel geholt“, jubelte Gäbler, „die Bedingungen waren mit Winden um drei bis 30 Knoten aus West fordernd. Was für ein fantastisches Abenteuerrennen durch die Inselwelt der westlichen Ostsee!“ Hier geht es zu den Endergebnisse (bitte anklicken!) .

privat Die Ultimate-20-Crew glücklich im Ziel: Hans Holzenkamp und Andreas Brachwitz

Vegvisir Race 2021 Imposater Auftritt der „Line Honors“-Gewinner auf „Black Marlin“: Jan Andersen und Roland Gäbler trieben das Geschoss erfolgreich auf Platz eins

Dem Festspaß nach dem Finale war klar zu entnehmen, dass diese Regatta weiter stark im Aufwind ist. Die Vegvisier-Fangemeinde feierte in Dänemark nicht nur das absolvierte Rennen selbst, sondern auch das Glück darüber, dass nach Corona-bedingten Ausfällen der vergangenen eineinhalb Jahre endlich wieder ausgelassen gesegelt und gejubelt werden konnte. Der vom Enthusiasmus fast ein wenig überwältigte Morten Brandt Rasmussen sagte: „Es war surreal, verrückt. Einfach gut. Dazu das riesige Engagement der Stadt Nyberg, die diese Regatta so stark mitgetragen hat. Die haben wirklich alles gegeben.“ Die gastgebende Stadt an der Ostküste Fünens lieferte den perfekten Rahmen für das Vegvisir Race 2021, bezauberte unter anderem mit einem Lichtkonzert bei der Rückkehr der Teilnehmer. Die Vegvisir-Abenteurer verlassen den dänischen Hafen beseelt. Viele von ihnen nehmen direkt Kurs auf Svendborg, denn bis zum Start von Nordeuropas größtem Einhandrennen am 17. September sind es keine zwei Wochen mehr. Die Silverrudder-Veranstalter erwarten ihre Flotte bereits, haben die ersten Willkommensgrüße nach Nyborg entsandt. Der Hafen von Svendborg dürfte sich nun schnell füllen.

Vegvisir Race 2021 Ideenquelle, Antreiber, Organisator: Morten Brandt Rasmussen


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Themen: Vegvisir Race

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