Finale beim 10. Silverrudder 2021!
Von einem Sekunden-Sieg, Bruch auf See und Rekorden in Serie

Die Jubiläums-Edition von Dänemarks Solo-Gipfel rund Fünen ist Geschichte. Es war ein denkwürdiges Kapitel, das seine Starter stark forderte

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 19.09.2021
Full House: So sieht der Hafen von Svendborg in Silverrudder-Zeiten aus: Der Blick von oben auf einen Teil der insgesamt 354 Boote, die in diesem Jahr ins SIlverrudder starteten Full House: So sieht der Hafen von Svendborg in Silverrudder-Zeiten aus: Der Blick von oben auf einen Teil der insgesamt 354 Boote, die in diesem Jahr ins SIlverrudder starteten Full House: So sieht der Hafen von Svendborg in Silverrudder-Zeiten aus: Der Blick von oben auf einen Teil der insgesamt 354 Boote, die in diesem Jahr ins SIlverrudder starteten

Silverrudder Full House: So sieht der Hafen von Svendborg in Silverrudder-Zeiten aus: Der Blick von oben auf einen Teil der insgesamt 354 Boote, die in diesem Jahr ins SIlverrudder starteten

Eine Jubiläumsauflage könnte kaum zünftiger absolviert werden: Das 10. Silverrudder wird als Rennen neuer Rekorde in Erinnerung bleiben. Mit den entsprechenden Bedingungen waren aber auch Bruch, Härten und Entbehrungen verbunden. Die bekamen Teilnehmer in allen Klassen zu spüren, vom Top-Akteur bis hin zum abenteuerlustigen Hobby-Skipper.

Der Trimaran "Kwatscheule" verlor schon kurz nach dem Start seinen Mast. Trimaran-Skipper Brian Kjærskov Nielsens Dragonfly 800 "Trunte" kenterte wenige Stunden nach dem Start nördlich der Großen Beltbrücke und wurde nach engagierter Assistenz weiterer Starter schließlich von der "Søværnet"-Crew abgeborgen. Besonders aber waren jene Solisten gefordert, die in den kleinsten Divisionen ohne Autopiloten phasenweise mit Winden in Böen bis zu 25 Knoten und entsprechendem Wellengang zu kämpfen hatten.

Unter ihnen war die olympische 49erFX-Silbermedaillengewinnerin Susann Beucke, die ihre Feuertaufe mit einer kleinen Seascape 18 / Beneteau First 18 SE bestand. Die 30-jährige höchstdekorierte Seglerin im Feld der 354 Starter kam als 36. ihrer Klasse ins Ziel. "Es war hart, wir hatten gefühlt Strom und Wind immer gegenan, und ich habe es phasenweise durchaus als beängstigend empfunden, das Ruder loszulassen und aufs Vorschiff zu gehen", sagte die Stranderin, die aber nie aufgab und am Ende stolz darauf war, das Rennen auch nach Rückschlägen wie einem vertörnten Gennaker in schwarzdunkler Nacht und einer nervenaufreibenden Klarierung, die am Ende große Glücksgefühle auslöste, nie aufgab. Auf der Haben-Seite standen nach dem Zieldurchgang "ein hoher Lerneffekt", die Erkenntnis, in Zukunft "lieber mit Autopiloten in eine Solo-Regatta zu starten", unvergessliche Naturschauspiele und "ein wachsendes tolles Gemeinschaftsgefühl in der Flotte".

Karolina Meyer-Schilf Auf zur ersten Soloregatta ihrer Karriere, die über Nacht und hohe Hürden rund Fünen führte: Sanni Beucke startete mit einer Seascape 18 in ihre Silverrudder-Premiere

Für das packendste Duell um einen Klassensieg sorgten die beiden Dehler-30-od-Piloten Oliver Schmidt-Rybandt von Speedsailing aus Rostock und Max Gurgel von Vmax Yachting aus Hamburg. Die beiden Vorstart-Favoriten in der Division Medium lieferten sich den erwarteten Zweikampf und schenkten sich bis ins Ziel der Rund-Fünen-Rallye nichts. Irgendwann hörten sie auch selbst auf, die vielen Führungswechsel in ihrem Duell zu zählen. Im Ziel hatte Oliver Schmidt-Rybandt die Bugspitze offiziell zwei Sekunden vor Gurgel über der Linie – nach 134 Seemeilen! Das Finale fiel so eng aus, dass die Veranstalter zunächst sogar Max Gurgel über mehrere Stunden als Sieger in den Listen geführt hatten. Da hatte der Steuermann vom Hamburger Segel-Club seinem Rivalen Schmidt-Rybandt aber längst fair gratuliert. Und der wiederum hatte seinen Sieg und den damit verbundenen neuen Streckenrekord in der kleinen Kielbootklasse mit Wunderkerzen gefeiert. Den alten Rekord von Franz Schollmeyer auf dessen legendären Esse 850 "Firlefranz" (20:23:14) unterbot Schmidt-Rybandt bei 18 Stunden, 32 Minuten und 58 Sekunden um fast zwei Stunden.

tati Furios und fair: Oliver Schmid-Rybandt (r.) und Max Gurgel lieferten sich bei den kleinen Kielbooten das spannendste Duell. Am Ende hatte Schmidt-Rybandt die Bugspitze seiner Dehler 30 od ein paar Sekunden vor Gurgel im Ziel

Tatsächlich fielen die Bestmarken in allen sieben Startergruppen. In der Division Mini Small raste Jørgen Mohh Ernst in einer Melges 24 in nur 19 Stunden, 27 Minuten und 23 Sekunden zur neuen Bestmarke. Bei den Medium-Kielbooten siegte der souveräne Däne Jan B. Hansen mit seiner Beneteau Figaro 2 in 18 Stunden, 31 Minuten und 47 Sekunden. Im sich am Samstag schnell wieder füllenden Hafen von Svendborg sagte Hansen in gewohnt entspannter Art nach dem Rennen: "Ich habe erreicht, wofür ich gekommen bin."

Auch Wolfram Heibeck wurde mit der "Black Maggy" seinem Favoritenstatus bei den großen Kielbooten gerecht. Und das – so sahen es die anderen Segler, und so bestätigte er auch selbst – im Schongang ohne zu viel Risiko. Der Mann aus Hooksiel trieb seinen 40-Fuß-Einzelbau, der in seiner Ursprungsform und nur 32 Fuß lang einst den Rekord in der Medium-Klasse hielt, nun zur neuen Bestmarke von 17 Stunden, 36 Minuten und 50 Sekunden in der Large-Klasse.

Die schnellste Einrumpf-Runde rund Fünen gelang erwartungsgemäß dem dänischen Ausnahmesegler Jan Møller mit seiner Germán Frers 49 one off "Dream on" mit 16 Stunden, 57 Minuten und 10 Sekunden. Schnellster kleiner Mehrrumpfer war Peter Langs "Diam 24" in 14 Stunden, 43 Minuten und 17 Sekunden. Die insgesamt schnellste Silverrudder-Runde absolvierte in diesem Jahr – das war keine Überraschung – Jan Andersens Trimaran "Black Marlin" in nur 14 Stunden, 8 Minuten und 53 Sekunden. Hier geht es zu den Silverrudder-Ergebnissen 2021 (bitte anklicken!) .

Nicolajsen Fotografi / Silverrudder Dänische Segelidylle im Silverrudder

Nicolajsen Fotografi / Silverrudder "Holy Moly", was für ein Silverrudder 2021!

"Cooles Rennen", "geiles Rennen", "hartes Rennen": Fast alle Silverrudder-Starter erlebten die zehnte Auflage des Dänen-Klassikers für Solo-Segler und Abenteurer als fordernd, aber auch erfüllend. Wer ankam, war stolz darauf. "Ich bin sehr glücklich. Es war wirklich ein eher hartes Rennen, weil es keine Atempause gab. Am schönsten war es im Norden von Fünen, wo die Post abging. Ich bin happy mit meinem dritten Platz", sagte der Niederländer Gerben Bos, der eine wachsende Gruppe von inzwischen sechs begeisterten Silverrudder-Freunden aus Holland nach Svendborg gelockt hatte und für die kommende Auflage weitere Mitstreiter ankündigte.

Alexander Friedrich, der mit seiner Hiddensee "Hedinsoe" mit Platz 48 in der Gruppe der kleinen Kielboote als 48. die Ziellinie kreuzte, sagte: "Es war das beste Silverrudder bislang, einfach rundum schön." Dazu zählten auch die nächtlichen Naturschauspiele. "Das Meeresleuchten war wie Milky Way im Kielwasser", schwärmte Friedrich. Die große Reportage vom 10. Jubiläums-Silverrudder mit Kommentaren von Startern aus allen Klassen und vielen Hintergründen lesen Sie in der YACHT 21/2021.

Nicolajsen Fotografi / Silverrudder Finale im Silverrudder: Die Boote kreuzen dem Ziel entgegen


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Themen: Silverrudder

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