Vorbereitung aufs Mini-Transat
"Unfinished Business" – tausend Meilen allein im Mittelmeer

Lisa Berger aus Österreich ist in Barcelona zum Qualifikationstörn im Mini 6.50 gestartet. Sie ist nicht die Einzige auf Meilenjagd

  • Kristina Müller
 • Publiziert am 26.04.2022
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Lisa Berger Abenteuer unter der Sonne: Vor der "Mojo"-Skipperin liegt über eine Woche Einhandsegeln – wenn alles gut geht

Die zahllosen Ungewissheiten gehören zum Mini-Transat wie Sturm und Flaute, nur eines ist sicher: Nach dem Rennen ist vor dem Rennen. Kaum ist die letzte Hochseeregatta beendet – bei der Melwin Fink im Herbst 2021 sensationeller Dritter in der Serienbootwertung wurde –, beginnen die Vorbereitungen für die nächste Ausgabe der alle zwei Jahre stattfindenden Härteprüfung im Mini 6.50.

Boote wechseln die Besitzer, Trainingspläne werden geschrieben, Meilen gesammelt und gehofft, dass es am Ende für einen der begehrten Startplätze reicht. Meist sind es 84, manchmal mehr – und immer zu wenig für alle, die dabei sein wollen.

Im bewährten Boot auf Kurs Atlantik

Eine von ihnen ist Lisa Berger, die heute zu ihrem Tausend-Seemeilen-Qualifikationstörn ausgelaufen ist. Die Österreicherin übernahm nach dem Transat 2021 das Boot von Christian Kargl, der bisher als einziger Österreicher das Rennen absolvierte – dafür gleich zweimal. Berger taufte die "Maxi 650" von 2019 um in "Mojo" und ist damit in dieser Saison bereits zur Mini-Mittelmeerregatta "Solo Med" gestartet. Auf der ersten Etappe von Barcelona nach Mallorca segelte sie auf Platz 13 von 30 Booten, die zweite musste sie wegen gebrochener Kardeele am Vorstag abbrechen – bitter für die 32-jährige Mini-Seglerin.

Lisa Berger Bootsjob oben im Mast. Höhenangst dürfen die Skipper nicht haben

Nun liegen tausend Meilen allein durch das westliche Mittelmeer vor ihr. Von Barcelona aus, wo die Regatta endete, wird sie den Kurs zunächst Richtung Golfe du Lion und italienische Küste abstecken, dann zurück Richtung Korsika und Mallorca, bis wieder Barcelona vor dem Bug liegt.

Gespannt auf den neuen Versuch

"Ich bin aufgeregt", sagt Berger kurz vor dem Auslaufen im Gespräch mit YACHT online. "So lange war ich noch nie allein unterwegs." Ihren ersten Versuch zum Qualifikationstörn hatte sie schon 2020 unternommen, musste damals aber nach fünfhundert Seemeilen nördlich von Mallorca abbrechen. In Folge einer Kollision mit einem Baumstamm und Wurzelwerk im Wasser entstand ein Riss im Bug, mit dem sie nicht weitersegeln konnte. "Insofern ist dieser Qualifier unfinished Business für mich", so Berger.

Der Tausend-Meilen-Solotörn ist eines von mehreren Kriterien, mit denen sich Skipper fürs Mini-Transat qualifizieren müssen. Auch für die Teilnahme am Azorenrennen im Juli ist er Voraussetzung. Zwei Kursvarianten werden von der Klassenvereinigung Classe Mini vorgegeben: eine im Mittelmeer, eine auf dem Atlantik. Auf Antrag können jedoch auch andere Routen abgesegelt werden.

Lisa Berger Erst gen Osten, dann nach Westen. Bergers Boot hat ein Transat bereits bestanden

Lisa Berger schätzt, dass sie gut zehn Tage unterwegs sein wird. Respekt hat sie vor dem Mittelmeer-Wetter im April. "Die Sorge vor Mistral ist definitiv ein Thema", sagt sie. "Deshalb versuche ich auch, den Golfe du Lion so schnell wie möglich hinter mir zu lassen." Anders als beim Mini-Transat über den Atlantik dürfen die Segler beim Qualifier allerdings ihr Handy dabeihaben und nutzen, Wetterberichte empfangen oder sich beraten lassen – eine Möglichkeit, von der Berger Gebrauch machen will.

Zwei Solisten auf Qualifikationskurs

Ein wenig Regattafieber könnte dabei schon auf diesem langen Solotörn aufkommen: Zwei Tage vor Berger, am Sonntag, ist bereits der deutsche Mini-Skipper Axel Solbach in Barcelona zu seinem Qualifikationstörn ausgelaufen. Solbach segelt eine Pogo aus dem Jahr 2003, also einen der älteren Minis mit der Nummer 473 ("Dopamini"). Auch er ist damit im April beim Solo Med gestartet und belegte Platz 24 und 19 auf den beiden Etappen.

YACHT/L. Berger Guter Dinge: Axel Solbach

"Ich hoffe, dass ich unterwegs Strecke auf ihn gutmache", sagt Berger. Gemeinsam mit dem Deutschen hat sie auf ein geeignetes Wetterfenster für den Aufbruch gewartet – auch sie wollte ursprünglich schon am Sonntag starten. Doch sie musste noch auf ein Ersatzteil warten – der neue Windsensor kam erst am Montag an. Nun ist er eingebaut und die Skipperin unterwegs.

Lisa Bergers Solotörn kann man in ihrem Tracker verfolgen (klicken) .


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