Regatta-NewsStürmischer Auftakt der Kieler Woche

Lars Bolle

 · 21.06.2003

Ein Sturmtief mit bis zu acht Beaufort hatte die Kieler Förde am Samstag fest in ihrem Griff

Von den insgesamt 15 Bootsklassen auf den Dreiecksbahnen lief mit der Jugendklasse 420er überhaupt nur eine aus: "Direkt unter Land hatte sich am Abend der Wind soweit gelegt, dass wir dort zumindest zwei Wettfahrten zustande bekamen", erklärte Dieter Rümmeli, Organisations-Chef der Kieler Woche.

Gebeutelt waren auch die Teilnehmer der "Aalregatta" von Kiel nach Eckernförde, dem traditionellen Auftakt der Seesegler im Rahmen der größten Segelveranstaltung der Welt. Drei gebrochen Masten, eine abgeknickte Saling, diverse zerfetzte Segel und eine Yacht mit Wassereinbruch nach Kollision ist nur die vorläufige Bilanz der Wettfahrt Kiel-Eckernförde der Dickschiffe.

Als erstes Schiff erreichte die "Unique" von Bernd Kriegel das Ziel, gefolgt von der "Chrilla" und der "Blue", auf der Ocean Race Gewinner Tony Kolb nebst seinem Starbootsteuermann Marc Pickel das Sagen hatten.

In der Klasse der VOR 60s kamen von sieben gestarteten Booten nur drei ins Ziel: Sieger wurde bei diesen Booten, die allesamt schon einmal das Ocean-Race absolviert haben, die britische "Challenge of Netsurvey" vor der neuseeländischen "Team RS". Auf den dritten Rang kam das schwedische Team "Elanders Ten Celsius".

Zum Gipfeltreffen kam es bei dem Sturm an Land: Gerd Eiermann, Rekordhalter mit insgesamt 15 Kieler-Woche-Erfolgen, und Wolfgang Hunger, bisher 13 Siege, trafen in der Pressekonferenz aufeinander. Ob beide ihren Vorjahreserfolg in diesem Jahr wiederholen können, ist dabei noch fraglich: "Meine Interessen liegen momentan mehr im Jugendbereich, ich habe in NRW eine Trainingsgruppe übernommen, und mein Sohn ist auch ganz gut dabei", schwächt Eiermann ab: "So habe ich nur mein Schiff rausgeholt und ein wenig entstaubt." Neben der Kieler Woche will er im Kielzugvogel in diesem Jahr nur noch die Deutsche Meisterschaft segeln.

Aber auch Wolfgang Hunger und Vorschoter Holger Jess sind schon in Verzug: "Wir hatten zu Pfingsten unser Boot überhaupt zum ersten Mal im Wasser - bei uns steht noch die Deutsche Meisterschaft in Warnemünde auf dem Programm und dann als Höhepunkt die Weltmeisterschaft in Malmö." Dazu hat das Duo Hunger/Jess in Kiel auch mit einer starken internationalen Konkurrenz zu kämpfen: "Die Besetzung ist super - alle guten Deutschen und einige Top-Leute aus den anderen europäischen Ländern", erzählt Holger Jess.

Ob die Anzahl der Kieler-Woche-Siege bei Wolfgang Hunger und Gerd Eiermann wirklich vergleichbar sind, stellen beide in Frage. So hat Hunger schon sechs Siege im olympischen 470er auf dem Konto - mit ganz anderen Konkurrenzen als Eiermann, der im eher national ausgeprägten Kielzugvogel zuhause ist. Eiermann will damit den Zugvogel aber nicht abgewertet wissen: "Er ist das Auffangbecken für viele Leute, die einfach nicht die Zeit haben, in olympischen Bootsklassen zu segeln - und dass das Niveau stimmt, merkt man ja auch daran, dass einige Olympiacracks bei uns eingestiegen sind und kein Land gesehen haben."

Für Hunger ist der Kielzugvogel dennoch keine Alternative: "Ich bin an der Kieler Förde zuhause und muss die Klassen segeln, bei denen hier auch regelmäßig Regattafelder zustande kommen.