Regatta-NewsKieler Woche: Heute alle Rennen abgesagt

Lars Bolle

 · 22.06.2008

Regatta-News: Kieler Woche: Heute alle Rennen abgesagtFoto: segel-bilder.de/Kieler Woche

Zu viel Wind. Nach dem ersten Wochenende Hunger und Wieser souverän - Deutsche Crews in sieben internationalen Bootsklassen vorn

Unterschiedlicher hätten die Bedingungen an den ersten beiden Wettfahrt-Tagen der Kieler Woche kaum sein können. Dem Bilderbuchstart am Sonnabend folgte am Sonntag die große Wind-Lotterie, die den Crews in den 16 internationalen Bootsklassen einen Mix aus Flaute, Drehern, Sonne, Regen und Gewitter bot. In sieben Klassen liegen deutsche Crews vorn.

Wegen der starken westlichen Winde mit 22 bis 27 Knoten, in Böen 30 bis 40 Knoten, entschied die Wettfahrtleitung, alle Regatten für heute abzusagen — bis auf eine. Die Seesegler absolviertenin der Strander Bucht eine verkürzte Wettfahrt, um im Zeitplan für eine Deutsche Meisterschaft zu bleiben.

Rückblick auf das Wochenende:
Organisationsleiter Jobst Richter und Seebahn-Chef Eckhard von der Mosel sind freundliche und fröhliche Menschen. Am Sonnabend liefen die beiden gar mit einem Dauerlächeln über das Schilkseer Hafenvorfeld. Der Grund: das schöne Wetter. "Ein Traumtag", frohlockte Richter angesichts des Sonnenscheins und der vier bis fünf Windstärken zum Regatta-Auftakt der Kieler Woche.

Gestern waren bei den Crews in den internationalen Bootsklassen allerdings eher starke Nerven als starke Muskeln gefordert. Denn der Wind wehte mal mit einem Beaufort, dann mit vier, im nächsten Moment wieder überhaupt nicht. Und seine Richtung suchte er sich auch immer wieder neu. Etliche Dreher sorgten für Wettfahrt-Abbrüche und neue Auslegungen der Bahnen. "So richtig schlecht war’s aber trotzdem nicht", sagte Richter. Denn bis auf Drachen und H-Boote bekamen alle Klassen zwei Rennen in die Wertung, 29er und Contender sogar drei.

Das Gelbe Trikot des Spitzenreiters tragen gleich sieben deutsche Crews. Unter ihnen befindet sich auch die Mannschaft von Markus Wieser. Seinen nagelneuen Pettigrew-Drachen bekam er am Freitag, an Training war da nicht mehr zu denken. Aber das benötigt Wieser auch nicht mehr. "Ich habe soviel Erfahrung im Drachen, das passt schon", meint Wieser, der den gestrigen Tag "unberechenbar" fand. Eine Erfolgsformel fand der Münchner dennoch. Nach insgesamt vier Wettfahrten (Plätze 1, 1, 8, 3) führt der für die Ukraine startende Wieser ("Mein ukrainischer Vorschoter Sergei Purgatchev, dem ich meinen Drachen verkauft habe, wollte gern das ,UKR’ im Segel haben") mit 13,0 Punkten knapp vor seinem "Landsmann" Lars Hendriksen (Ukraine, 14,0).

An der Spitze des Feldes thront einmal mehr Wolfgang Hunger im 505er. Zusammen mit seinem neuen "Schotten" Julien Kleiner steuert der Strander Orthopäde mit großem Vorsprung seinem 16. Kieler-Woche-Triumph entgegen. Ein Lokalmatador fährt auch in der Europe vorneweg. Der Heikendorfer Sönke Herrmann (16,0 Punkte) spürt jedoch den Atem des Finnen Aalto Pekka (17,0) in seinem Nacken. Die deutsche Dominanz in den Katamaran-Klassen bestätigen bislang Jens Goritz (Wyk/Föhr) im Hobie 16 und der Bremer Jörg Gosche, der in der Formula 18 überraschend vor den Altmeistern Helge und Christan Sach (Zarnekau) liegt. Siegersilber in Reichweite haben zudem die Gesamtführenden Jan Seekamp (Bremen) im Pirat und Werner Fritz (Prien am Chiemsee) im H-Boot.

Bei den Dickschiffen auf der Bahn Alpha mussten die Crews viel Geschick zeigen, um mit den Winddrehern einigermaßen zu Recht zu kommen. Wettfahrt eins war noch einigermaßen konstant. "Aber besonders in der letzten Wettfahrt kam der Wind von allen Seiten. Das war schon fast am Limit", meinte Dirk Becker von der Crew der "Chinook". Die X-332-Yacht des Flensburgers John Friedrichsen segelt in der Klasse ORC III/IV um die Deutsche Seesegelmeisterschaft mit und will versuchen, den Dauersieger "Froschkönig" (Optimia101/102) von Detlef Amlong in die Knie zu zwingen. Nach zwei Wettfahrtagen führt der "Frosch" noch vor der "Chinook". "Aber wir wollen noch mal angreifen", sagt Becker. "Die Stimmung ist gut, das Schiff ist schnell."

Angreifen wird sicher auch noch die "Beluga" (Rodman 42) von Christian Plump, die in der Klasse ORC I noch hinter der "Unique" (J/V49) von Bernd Kriegel liegt. In der Klasse ORC II führt weiterhin die "Patent3" (X-332 Sport) von Jürgen Klinghardt.