Regatta-NewsKieler-Woche-Heimspiel

Carsten Kemmling

 · 22.06.2004

Heute erster Wassereinsatz für Baur/Groy nach Blutvergiftung des Vorschoters. Materialtests für Athen stehen jetzt im Vordergrund

Tagelang lag ihr Sportgerät in der Bootshalle Nord in Schilksee auf der Seite. Statt Pinne und Schot auf dem Wasser hielten der Kieler Marcus Baur und Max Groy aus Fleckeby Bleistift und Lineal in den Händen, maßen die Masteinstellungen an der 49er-Gleitjolle durch. Grund: Vorschoter Groy hatte sich in der Folge einer kleinen Handverletzung eine Blutvergiftung zugezogen.

Er musste zehn Tage mit dem Training aussetzen. Doch heute geht es wieder los. Die amtierenden Europameister starten bei der 122. Kieler Woche ihr Heimspiel.

"Wir sind schon ganz unruhig, endlich wieder segeln zu gehen", freut sich der 31-jährige Baur auf den Auftritt vor seiner Haustür. Der Architekt hatte zwar aus der Not eine Tugend gemacht und die Zwangspause für notwendige Arbeiten am Boot genutzt. Aber die frischen bis starken Winde der vergangenen Tage auf der Kieler Bucht hatten den Adrenalinspiegel allmählich steigen lassen. Der letzte Test am Dienstag verlief ohne große Probleme. "Das Wichtigste ist, dass Max wieder vollständig gesund wird", sagt der Steuermann, denn das gemeinsame Ziel sind die Olympischen Spiele im August in Athen.

Spätestens seit Bronze bei der Weltmeisterschaft auf dem gleichen Revier, als Baur/Groy noch die nationale Ausscheidung gegen die Hamburger Peckholt-Brüder im Auge haben mussten, gelten sie als die deutsche Medaillenhoffnung Nummer eins. "Wenn es sehr gut läuft, können wir sogar Gold holen, aber es kann genauso gut der siebte oder achte Platz werden", schätzt Marcus Baur die eigenen Chancen ein. Mindestens zehn Nationen hätten das Zeug zu den Top Drei.

"Ich traue den Jungs in Kiel und in Athen einen Platz auf dem Treppchen zu, denn sie arbeiten vorbildlich professionell und gewissenhaft am Erfolg." Das Lob aus berufenem Mund kommt von Professor Detlef Uthoff, selbst passionierter Tennisspieler auf hohem Niveau und eine bekannte Größe auf seinem Spezialgebiet, der Augenchirurgie. Der Ärztliche Direktor der Kieler Augenklinik Bellevue hatte im Herbst 2002 aus Überzeugung das Hauptsponsoring der aussichtsreichen 49er-Mannschaft übernommen. Uthoff: "Unser internationaler Anspruch und die Verpflichtung in der Region passen hervorragend zu dieser Segelcrew."

Für Marcus Baur, der 2000 in Sydney mit Philipp Barth nur knapp an Edelmetall vorbeigesegelt war, und seinen neuen, zehn Jahre jüngeren Vorschoter kam die Unterstützung gerade rechtzeitig. "Das Niveau in der Weltspitze ist seit den vorigen Spielen noch höher geworden, sodass nur die Teams mit Top-Material und maximalem Aufwand eine Chance haben", erklärt der Steuermann. Rund zehn getestete Masten in den vergangenen Monaten sind nur ein Beispiel, wie intensiv die "Operation Gold" betrieben wird. Auch die Kieler Woche soll der Mannschaft vornehmlich zum Materialvergleich dienen.

Ob vor Kiel oder vor der Akropolis, in jedem Fall werden die 49er mit die spektakulärsten Bilder der elf olympischen Segeldisziplinen bieten. Die überdimensionalen schwarz-rot-goldenen Gennaker mit den fünf Ringen zur Wiedererkennung der startenden Nation sind schon eingetroffen. Als Baur/Groy am Dienstag schon mal zur Probe einen setzten, wehte zur Kieler Woche sofort ein Hauch von Olympia-Feeling über die Strander Bucht. Der Countdown für Athen 2004 läuft.

Team-Website: www.saveourseas.de; Sponsor-Website: www.Augenklinik-Bellevue.de