Regatta-NewsKieler Woche: Flaute am Donnerstag

YACHT Online

 · 21.06.2007

Das Wetter spielte beim Auftakt der internationalen Klassen nicht mit

Die Segelwettbewerbe der Kieler Woche mussten mangels Wind abgebrochen worden. Nach zweieinhalb Stunden entschied Organisationschef Jobst Richter, die Teilnehmer aus 16 internationalen Bootsklassen wieder in den Olympiahafen zu schicken.

Auch auf der Seebahn tat sich nichts, so dass die X 35-Weltmeisterschaften eine unwillkommene Pause einlegen mussten. Das tat offenbar der Entspannung gut, denn der Organisationschef der Seebahn, Tom Ross, der selbst an der WM teilnimmt, und auch Thomas Jungblut von der "Excitement" (Dreyer/Kiel) wirkten sehr gelassen.

Man plauderte stattdessen über vergangene Zeiten, genauer gesagt über die wilden 60er Jahre, und den Grund dafür lieferten die runden Geburtstage zweier internationaler Bootsklassen, die in Schilksee gefeiert werden. Die OK-Jolle wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Jungblut gewann 1971 die Weltmeisterschaft in dieser Einhandklasse und kann heute noch mühelos die vielen Vorteile der Jolle aufzählen: "Das war damals die Jugendklasse und die vorolympische Klasse schlechthin", so Jungblut, "da gab es noch keinen Laser, man konnte das Boot selbst bauen und Segel vom Pirat nutzen. Man war unabhängig, auf niemanden angewiesen und konnte überall damit hin." Es waren dann sehr viele, die "überall hin wollten" - Weltmeisterschaften wurden stets in Feldern von 120 bis 140 Teilnehmern gesegelt, und passend zur Zeit waren die OK-Segler "eher revolutionär" gesinnt. "Wir wollten eigentlich unseren eigenen Seglerverband gründen, weil wir die Statuten des Deutschen Seglerverbandes zwar zur Kenntnis genommen, aber nicht akzeptiert haben. Es gab auch die Idee, sich dem Bund Deutscher Segler in der DDR anzuschließen - wir hatten alle möglichen Ideen", plaudert der einst aufsässige OK-Segler und heutige North Sails Repräsentant über die unruhigen Jahre in der wohl populärsten Einhandklasse dieser Zeit. Irgendwie schimmert das selbst bei dem um den Jugendsport bemühten und taktisch zurückhaltend argumentierenden deutschen Klassenchef Norbert Petrausch durch - zumindest textil: "We are different" steht auf der T-Shirt-Brust — "but quite OK" prangt auf dem Rücken.

Ist die OK-Jolle als Neubau für 15.000 Euro zu haben - und sehr viel günstiger auf dem Gebrauchtmarkt, muss der Interessent für ein H-Boot deutlich tiefer in die Tasche greifen. Mit 50.000 Euro ist man dabei, und auch diese Klasse begeht einen runden Geburtstag: Sie ist 40 geworden. Eigens dafür kam der Deutsche Klassen-Chef, Hannes Heinz, der praktischerweise auch Präsident der Internationalen Klassenvereinigung ist, aus München eingeflogen. Kurz gesagt - auch die H-Boot-Fans möchten Jugend ins Schiff holen, und um modern und attraktiv zu bleiben, überarbeitet die H-Boot-Klasse auch regelmäßig ihre Regeln. Bei Weltmeisterschaften darf zu viert gesegelt werden, anspruchsvoll ist das H-Boot durchaus und hat gleichwohl viele Fans, denn weltweit gibt es gut 5300 H-Boote.