Regatta-NewsKieler Woche, erster Teil

Pascal Schürmann

 · 21.06.2005

Zwischenbilanz nach dem Abschluss der Regatten der internationalen Bootsklassen

Die Regatten der internationalen Bootsklassen sind am Dienstag zu Ende gegangen. Nun stehen die Wettfahrten der olympischen Klassen an. Bisher siegten unter anderem Claas Lehmann und Martin Schöle im 505er, Jan von der Bank bewies sich im Contender, Dirk David und seine Crew gewannen im Drachen, und außerdem holten sich Kai und Uwe Mares als Vater-Sohn-Crew den Gesamtsieg bei der Bénéteau 25.

Für den Rest der Woche verbleiben die Regatten der olympischen Klassen. Dazu zählen 49er, Tornado, Yngling und Laser Standard.

Wolfgang Hunger hat seinen 15. Kieler-Woche-Sieg insgesamt und seinen siebten Erfolg im 505 bei der 123. Kieler Woche verpasst. Mit einem Tagessieg in der fünften und letzten Wettfahrt sicherten sich Claas Lehmann und Martin Schöler den Gesamtsieg. Das Hamburger Duo gewann damit nach 2003 zum zweiten Mal die Kieler Woche.

Hunger und sein Vorschoter Holger Jeß erreichten in der letzten Wettfahrt lediglich einen dritten Platz, hätten aber selbst bei einem Sieg auf einen Ausrutscher von Lehmann/Schöler hoffen müssen. "Wir sind oberglücklich, insbesondere wenn man einen wie Hunger hinter sich gelassen hat", meinte Skipper Lehmann. "Wir haben ihn zwar immer im Nacken gespürt, aber er hat uns nie überholt." Jetzt wollen die beiden Hamburger auch bei der WM vor Warnemünde angreifen. "Am besten aufs Treppchen", sagt Lehmann, Schöler will "noch höher" — und am besten vor Hunger.

Immer schneller am Ende der Serie wurden Hasso Plattner und Peter Alarie. Konditionsprobleme scheint der 61-Jährige ehemalige SAP-Vorstandssprecher nicht zu haben. Zum Abschluss schaffte das Duo mit Rang elf die beste Platzierung.

Im Jahr der 50. WM war auf der Bahn Charly die gesamte Weltelite am Start. Plattner belegte am Ende den 23. Platz von 62 Startern.

Nachdem er am Montag schon einen fantastischen Tag auf der Rennbahn mit einer Dreier-Siegesserie hatte, brauchte Jan von der Bank nicht mehr die Schot dicht zu ziehen. Nach zwei Jahren Pause kam er nun zum dritten Mal zum Erfolg. In Urzeiten (1995) war der Mann mit der Contender-Kompetenz schon einmal erfolgreich gewesen. "Alles lief traumhaft: neues Boot, neuer Mast, neues Segel. Perfekt", strahlte der Kieler. Die WM vor Warnemünde kann kommen. Das Revier liegt ihm.

In der mit vielen Stars gespickten Drachen-Klasse heißt der Kieler-Woche-Sieger Dirk David. Der Berliner verteidigte mit Stefan Abel und Jörg Strube durch einen siebten Platz seine Führung vom Vortag. Zweiter wurde die Crew um den Münchner Stephan Link. Den sechsten Platz behauptete Michael Illbruck, der mit Marc Pickel (Starboot) und Phillip Barth dem Drachensegeln verfallen ist. "Marc ist der Chef, und ich steuere die Kiste so schnell wie möglich", sagt der Ocean-Race-Sieger aus dem Jahr 2002. Illbruck, der Pickel und seinen zurzeit verletzten Vorschoter Ingo Borkowski (Biss vom Schäferhund) für eine olympische Starboot-Kampagne für Peking 2008 unterstützt, ist vom Drachen hellauf begeistert. "Eine anspruchsvolle Klasse, in der es großen Spaß macht zu segeln." Neu im Drachen: Achim Griese, Starboot-Olympiasieger 1984, in Kiel am Ende 13.

"Keine Abstimmungsprobleme und kein Generationenkonflikt" — Kai Mares und Vater Uwe haben zwar die Trainings-Intensität etwas reduzieren müssen, aber zum Gesamtsieg in der Bénéteau 25 langte die Crew-Leistung allemal. Ein vierter Platz als Streicher am letzten Tag tat der Freude keinen Abbruch.

Den ersten Kieler-Woche-Sieg überhaupt schafften Benjamin Friedhoff und Johanna Munding. Die beiden Duisburger starteten in der erstmals ausgetragenen 29er-Nachwuchsklasse und setzten sich am Ende gegen starke ausländische Konkurrenz durch. So fleißig wie die 29er war keine andere Klasse. Gleich in zehn Wettfahrten flitzen die 33 Teams ganz nahe vor Schilksee über die Förde. Das Duo aus Nordrhein-Westfalen gewann mit 14 Punkten vor den Briten David Hall und Jessica Smith (21).

Fest in dänischer Hand war die Klasse Europe. Bester Däne und mit großem Abstand Kieler-Woche-Sieger wurde Jacob Ege Friis aus Tranbjerg mit zwölf Punkten Vorsprung auf Søren Johnsen. Erstmals nach dem Verlust der olympischen Weihen starteten Männer und Frauen wieder gemeinsam. Beste Frau war eine Schwedin, Rebecka Harding auf Rang zwölf.

Bojsen-Möller — der Name steht für die dänische Interpretation eines fliegenden Holländers. Die Brüder Jacob und Jorgen sind im Flying Dutchman eine Macht. Drei Tagessiege und ein zweiter Platz als Streicher brachten ihnen den achten Kiwo-Erfolg seit 1997. Unglaublich. Nur 2002 wurde die Serie durch die Hamburger Genthe/Drengenberg unterbrochen.

Der Däne Morten Nielsen hat im letzten Rennen der H-Boote noch den Finnen Bo Selko abgefangen. Der bis dahin führende Selko setzte die letzte Wettfahrt mit einem 20. Platz in den Sand. Für Nielsen war es nach 1999 und 2000 der dritte Gesamtsieg.

Spannung pur war auch auf Bahn Foxtrott angesagt. Drei J-24-Teams lagen vor dem letzten Tag punktgleich an der Spitze. Es siegte mit einem fünften und einem ersten Platz die Crew um den Berliner Hauke Krüss vor der Mannschaft von Per Kock und Manfred

Weitere Kieler-Woche-Sieger:
Laser Radial M: Steven le Fèvre; 420: Farolch Tarapore (Indien); Hobbie 16: Ingo Delius mit Crew Karin Wiese-Dohse; Ok-Jolle: Nick Craig (GBR);

Alle Ergebnisse unter www.kieler-woche.de.