RegattaKieler Woche vor Neustrukturierung

Tatjana Pokorny

 · 12.11.2014

Regatta: Kieler Woche vor NeustrukturierungFoto: www.segel-bilder.de

Die Kieler Woche ist ohne Wettfahrtleiter: Peter Ramcke ist "aus persönlichen Gründen" mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten

  Jobst RichterFoto: privat
Jobst Richter

Die Kieler Woche hat ihren neuen Regattachef schon wieder verloren: Am Donnerstag wurde publik, dass Peter Ramcke sein Amt "aus persönlichen Gründen" mit sofortiger Wirkung nach nur einem Jahr niedergelegt hat. Erst in diesem Sommer hatte Ramcke die anspruchsvolle Aufgabe im Ehrenamt von seinem Vorgänger Jobst Richter vollständig übernommen. Richter springt nun als Interims-Berater wieder ein, signalisierte allerdings sofort, dass er keine dauerhaften Ambitionen hätte, "Nachfolger meines Nachfolgers" zu werden.

Ramcke gab seine beruflichen Perspektiven auf Kollisionskurs mit den hohen Anforderungen des Ehrenamts als Grund für den Rücktritt an. Der Unternehmensberater und Projektmanager sagte, er sei "beruflich sehr stark eingespannt" und erklärte: "Mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen meine beruflichen Projekte in Zukunft nicht in Kiel. Mein Beruf und das Ehrenamt können daher nicht mehr miteinander vereinbart werden." Ramckes Entscheidung könnte eine neue Debatte zum Thema Ehrenamt entfachen, das in vielen Vereinen bis heute nicht wegdenkbar ist, in führenden Positionen aber nebenberuflich nur noch selten erfolgreich ausgeübt werden kann.

Die Geschäftsführung des Kieler-Woche-Vermarkters Point of Sailing (POS) reagierte rational auf den Rücktritt. Geschäftsführer Nikolaus Rickers sagte, die Kieler Woche müsse in Zukunft professionell und hauptamtlich geleitet werden. Rickers und Ramcke vertreten gleichermaßen die Auffassung, dass die Leitung der Kieler Woche kaum mehr ehrenamtlich zu leisten sei. Rickers umriss eine mögliche Vorgehensweise für die Zukunft: "Wir müssen darüber nachdenken, mehr Aufgaben in das Hauptamt zu überführen und lediglich für die strategische Ausrichtung einen ehrenamtlichen Kopf zu haben." Rickers betonte auch, dass die Strategie insbesondere auf den Kurs des Welt-Seglerverbandes Isaf ausgerichtet sein müsse. Damit schlug er den Bogen zu den jüngsten Rückschlägen, die man in Kiel einzustecken hatte. Die andauernde Nicht-Berücksichtgung bei der Vergabe von Weltcup-Austragungsrechten nagte zuletzt am Stolz der Kieler und auch an den Meldezahlen. Als einziger der europäischen Standorte für olympische und internationale Regatten unter einem Dach wurde Kiel nicht einmal bei der Vergabe von Qualifikationsregatten zum Weltcup berücksichtigt.

  Kieler Woche 2014: Olympische Stars wie 470er-Olympiasieger und Weltsegler des Jahres Mathew Belcher kamen zuletzt immer seltener nach Kiel. Das soll sich ebenso ändern wie die Struktur der VeranstaltungFoto: Kieler Woche / www.segel-bilder.de
Kieler Woche 2014: Olympische Stars wie 470er-Olympiasieger und Weltsegler des Jahres Mathew Belcher kamen zuletzt immer seltener nach Kiel. Das soll sich ebenso ändern wie die Struktur der Veranstaltung

Ramcke bezeichnete es als größte Kieler-Woche-Aufgabe für die Zukunft, den Spagat zwischen professioneller Regatta und einem guten Angebot für Breitensportler zu schaffen. Seine Empfehlung, die er mit dem Abschied hinterließ: "Die Ausrichtung des Leistungsbereichs ist auf dem Wasser sehr gut gelungen, auch die mediale Aufbereitung. Jetzt gilt es weiter, die Segler an Land nicht zu verlieren, sie noch mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Das ist ein Paradigmenwechsel, der mit neuen Köpfen besser zu leisten ist." Ramcke bezeichnete es als "große Aufgabe", das gesamte KiWo-Team mit seinen rund 300 ehrenamtlichen Helfern im Rahmen der Kieler Woche hinter der Leitung zu versammeln und weiterhin zu Höchstleistungen anzuspornen. In anderen Worten: Ihm selbst scheint das nicht wunschgemäß gelungen zu sein.

In der Pressemitteilung der Kieler Woche wird auch Kritik an Ramcke laut. Hier heißt es unter Bezugnahme auf Ramckes Hinweis: "Dass für diesen Schritt (Red.: bezieht sich auf die erfolgreiche Teamführung) eine ordentliche Amtsübergabe nicht gelungen ist, ist zumindest kritisch." Aus dem Schlusskommentar in der Pressemitteilung spricht aber auch die Erleichterung der Veranstalter über die erreichte Zwischenlösung: "Mit Jobst Richter, der für eine Übergangsphase – ggf. auch bis zur Kieler Woche – zur Verfügung steht und dafür den Rückhalt seiner Familie erhalten hat, wurde aber eine gute vorläufige Lösung gefunden."

Richters Teil-Comeback ist in Kiel ganz offensichtlich mehr als willkommen. Für ein Comeback auf der Weltbühne des Segelsports aber wird sich die Kieler Woche, die der ehemalige Isaf-Präsident Paul Henderson einmal als "Mutter und Vater aller Regatten" bezeichnet hat, mehr als ein sympathisches und sinnvolles Richter-Rettungsmanöver einfallen lassen müssen. Das gilt insbesondere in einer Zeit, in der sich Kiel als idealer Partner für eventuelle deutsche Olympiabewerber zu profilieren sucht.