NordseewocheTraumwetter und Flautenkrimi

YACHT Online

 · 08.06.2014

Nordseewoche: Traumwetter und FlautenkrimiFoto: Antonie Specht/stockmaritime.com

Segelsport der Extraklasse in der Deutschen Bucht: Ideale Bedingungen zum Auftakt, am Sonntag dann anspruchsvolles Leichtwindsegeln

  Die Flotte kurz hinter WedelFoto: Hinrich Franck/stockmaritime.com
Die Flotte kurz hinter Wedel

Am Freitag startete um 8.30 Uhr die erste Wettfahrt der 80. Nordseewoche. Bei 4 bis 5 Windstärken aus Süd und Sonnenschein jagte Wettfahrtleiter Jürgen Raddatz den ersten Startschuss zur Traditionswettfahrt Hamburg-Cuxhaven über die Elbe vor Wedel. 43 Yachten rauschten mit viel Speed in zwei Gruppen über die Startlinie. Im Laufe des Vormittags frischte der Wind auf und trieb die Flotte schnell bis Brunsbüttel. Einige Teilnehmer kämpften mit den Böen, die teilweise über 20 Knoten erreichten. Spektakuläre Sonnenschüsse waren die Folge. In der Spitzentruppe teilte in Höhe Stade ein Containerfrachter die Flotte. Einige schnellen Yachten hatten das Vergnügen, über eine Viertelstunde auf der Bugwelle des über 300m langen Containerfrachers surfen zu dürfen. Bedingt durch den Fahrwasserverlauf und durch einen Winddreher mussten die Yachten ab Brunsbüttel kreuzen.

Eröffnung der Nordseewoche in Cuxhaven
Foto: Hinrich Franck/stockmaritime.com

Trotzdem war die Ker 51 "Varuna" von und mit Jens Kellinghusen schon um 12:33:35 durchs Ziel in Cuxhaven gegangen, nach nur 3 Stunden und 27 Minuten. Damit gewann die mattschwarze High Tech Yacht in ihrer Gruppe. In der Gesamtwertung ORCi reichte es immerhin für Platz 9. Hier gewannt die Swan 47 "Elan" mit Harald Baum am Steuer mit reichlich Vorsprung vor der IMX 40 "Pax" mit Steuermann Klaus-Uwe Stryi. In der Gruppe ORC Club siegte Berend Beilken mit seiner "Ballerina".

  Surfen auf der BugwelleFoto: Hinrich Franck/stockmaritime.com
Surfen auf der Bugwelle

Die Elbe ist eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. So kommen zu den Herausforderungen wie Winddreher, Strömung und Untiefen auch die Begegnungen mit der Berufsschiffahrt hinzu. In diesem Jahr war die Wasserschutzpolizei auf dem Boot "Bürgermeister Weichmann" mit dem Verhalten der Teilnehmer und der Zusammenarbeit mit der Wettfahrtleitung sehr zufrieden. "Während der Startprozedur war viel Großschifffahrt unterwegs", so Jürgen Raddatz, der vor allem die gute Kommunikation mit der Revierzentrale und der Wasserschutzpolizei lobte. Diese habe mit dafür gesorgt, dass der Start trotz des vielen Verkehrs reibungslos über die Bühne gegangen ist. Auch über die Arbeit der Sicherungsboote war der Wettfahrtleiter erfreut. "Unsere Sicherungsboote haben stets organisiert, dass das Fahrwasser frei blieb."

In Cuxhaven wurde am Freitag um 19 Uhr die 80. Nordseewoche offiziell eröffnet. Nur eine Stunde später starteten einige besonders ambitionierte Teilnehmer zur Sundowner-Wettfahrt nach Helgoland. Aufgrund der Wettervorhersage wurde das Ziel auf Höhe Tonne 2 in der Außenelbe vorverlegt, sodass bei der einsetzenden Flaute bis nach Helgoland der Motor eingesetzt werden konnte. In der Gruppe ORCi 2 gewann die IMX40 "PAX" mit Klaus-Uwe Stryi an der Pinne. Um etwa 1.00 Uhr morgens trafen die ersten Yachten auf der Insel ein und feierten die Ankunft beim Düsseldorfer Abend mit Frankenheim Alt. Erst um 4.00 Uhr morgens wurde die Alexseal-Lounge im boot Düsseldorf Race Village am Helgoländer Südhafen geschlossen.

Nach diesem fulminanten Auftakt setzte die Nordseewoche am Samstag weitere seglerische Höhepunkte. Der Pfingstsamstag begrüßte die Teilnehmer auf Helgoland mit strahlendem Sonnenschein und hervorragenden Segelbedingungen.

Um 12.00 Uhr wurde die Wettfahrt Hummer 1 pünktlich gestartet. Der Wind stand bis zum Abend durch, sodass auch die dritte Wettfahrt der Early Bird Series bei Traumbedingungen stattfand.

Für die aus Cuxhaven kommenden Segler bot der Minox Cup ebenfalls fast die ganze Zeit Traumbedingungen. Dabei versprach der Wetterbericht erst nichts Gutes. Zum Start war es flau und es gab kurzzeitige Windlöcher. Die Windstärke reichte zwar insgesamt aus, um gegen die Tide anzukommen, aber es erforderte Erfahrung, um die Auswirkungen des Stroms einschätzen zu können. So verfehlten einige Yachten die Startlinie und mussten mühevoll gegen die einsetzende Tide zurücksegeln. Diejenigen, die den Motor zur Hilfe genommen haben, haben aufgegeben oder wurden disqualifiziert.

Nach etwa anderthalb Stunden setzte sich der Wind von See kommend durch, die Yachten des Minox Cups segelten mit rauschenden Bugwellen Richtung Helgoland. Nach nur drei Stunden und 25 Minuten lief die Canting-Kiel Yacht "Opal" unter Skipper Edward Reinholdt als erstes Schiff in Helgoland ein.

Aus Bremerhaven kommend war die Dufour 44 Performance, gesteuert von Torsten Rückholdt, das erste Schiff auf Helgoland. In der größten Gruppe ORC 3/4 gewann berechnet die "Oromocto" unter Skipper Kai Greten. Der alte Holz-Eintonner von 1971 befindet sich in dritter Generation in Familienbesitz - ein Beweis, dass auch Konstanz und Erfahrung ein Erfolgsfaktor auf Regatten sind.

Aufgrund des Nordostwindes hatten die Yachten aus Wilhelmshaven die längste Anreise. Hier gewann die "circus maximus" von Tanno Kruse, eine kleine aber schnelle X 79.

Das Regattafeld aus Hallig Hooge setzte sich vor allem aus Teilnehmern des Family Cruiser Cup zusammen. Das spannende Rennen mit vielen Führungswechseln entschied Jörg Hansen mit seiner Hanseat 66 ks vor Leif Boyens Albin Vega.

Organisationsleiter Marcus Boehlich war sichtlich zufrieden: "Das Wetter hat uns bisher positiv überrascht - das waren tolle Bedingungen. Kein Wunder, dass die Stimmung hier auf Helgoland noch besser ist als sonst."

Flaute am Sonntag

122 Yachten hatten zur traditionsreichsten Wettfahrt der Nordseewoche, dem Capitell Cup, gemeldet. Zum Start des Cups erschienen dann nur 96 Yachten. Nach Insiderberichten sollen die Auswirkungen der boot Düsseldorf Party erhebliche Lücken in die Mannschaften gerissen haben. Der Sponsor boot Düsseldorf hatte anlässlich des 80. Jubiläums die Band "United Four" eingeladen, die Stimmung in der Nordseehalle war hervorragend, der Alkoholkonsum anscheinend auch.

  Voller EinsatzFoto: Antonie Specht/stockmaritime.com
Voller Einsatz

Kurz vor dem Start brach der Wind ein. Die Folge: Startverschiebung. Winddreher und Flaute vereitelten den pünktlichen Start. Nach gut 20 Minuten setzte scheinbar stetiger Wind ein. Unter intensiver Beratung mit Wetterprofi Meeno Schader beschloss Wettfahrtleiter Stefan Lehnert zu starten. Doch schon während der Starts flaute der Wind wieder ab. Einige Boote ankerten. Andere schoben sich dank einer Stromkante rechts am Feld vorbei. Nach rund einer Stunde Nervenkrieg setzte ein konstanter Wind aus Nordost ein, der die Flotte schnell an Helgolands Westküste vorbeitrieb.

Am frühen Nachmittag brachte eine Konvergenzlinie etwas Regen und - was für die Segler weit unangenehmer war - deren Wolkensysteme störten den Gradient-Wind. In der Praxis bedeutete das, dass die Teilnehmer im Nordosten der Insel mit mehreren Flautenlöchern, Regen und Winddrehern über die gesamte Kompassrose bedacht wurden. Diese taktisch höchst anspruchsvollen Bedingungen sorgten für einige Verschiebungen in den Platzierungen. In Absprache mit Meeno Schrader beschloss Stefan Lehnert eine Bahnverkürzung für fast alle Yachten - bis auf die schnellen Regattaboote in der Gruppe ORCi 1, da hier die Schnellsten schon den verkürzbaren Teil der Runde abgesegelt hatten und auf dem Weg Richtung der Insel Düne Süd waren. Die Langsameren aus der Gruppe ORCi 1 traf die Konvergenzline in voller Härte, sodass diese fast als letzte im Ziel eintrafen.

"Das waren heute sehr anspruchsvolle und schwierige Bedingungen, aber unsere Segler sind damit gut zurecht gekommen!", freute sich Stefan Lehnert, Wettfahrtleiter der Nordseewoche. "Ich bin dankbar für die Beratung durch Meeno Schrader, die dank unseres Sponsors boot Düsseldorf seit einigen Jahren möglich ist."