MeinungWie sich die boot mit dem goldenen Ticket anfühlt

YACHT-Redaktion

 · 24.01.2026

Meinung: Wie sich die boot mit dem goldenen Ticket anfühlt
YACHT-Woche – Der Rückblick
yacht/bullseye-yacht-woche-david_d1d0f3ac47e70477b9024f9a5f642375

Liebe Leserinnen und Leser,

​mein Besuch auf der boot Düsseldorf ist vorbei. Ich sitze erschöpft im ICE, meine Füße schmerzen und ich fühle mich wie nach einem stürmischen Segeltag. Statt wie sonst als privater Besucher durch die Hallen zu schlendern, war ich die vergangenen Tage für unsere Wassersportredaktion im Einsatz – ein Perspektivwechsel, mit dem ich vor ein paar Jahren niemals gerechnet hätte. Diese Messe ist für einen jungen Journalisten wie mich eine riesige Chance. Nicht, weil man hier einfach nur Boote anschaut, sondern weil man merkt, wie viele Facetten der Wassersport wirklich hat.

Mein letztes Mal auf der boot war 2019. Ich hatte gerade mein Abitur in der Tasche und wollte die freie Zeit im Gap Year nutzen, um mir zum ersten Mal die Messe in Düsseldorf anzuschauen. Ich weiß genau, wie beeindruckt ich von den Booten, den vielen Menschen und den Vorträgen war. Hätte mir damals einer erzählt, dass ich in ein paar Jahren für Delius Klasing auf der boot sein würde – ich hätte es nicht für möglich gehalten.

Diesmal war alles anders. Statt entspanntem Bootegucken hieß es: Lichtverhältnisse checken, Akkus nachladen und den perfekten Winkel finden. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man ein Schiff für das eigene Vergnügen prüft oder ob man versucht, jedes Detail für die Social-Media-Kanäle einzufangen. Jede Halle war ein neuer Themenkosmos. Performance Cruiser, Familienboote, Elektrifizierung, Foils, Refit, Charter, Ausrüstung, Sicherheitsfragen, Reisen, Regatta, Training. Man läuft nicht nur von Stand zu Stand, man springt gedanklich ständig zwischen den unterschiedlichen Welten. Diese Vielfalt an Themen wäre im Alltag kaum so konzentriert verfügbar. Gleichzeitig ist das auch die Herausforderung. Wenn alles spannend ist, muss man entscheiden, was wirklich wichtig ist und was man für Sie als Leserinnen und Leser priorisiert.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Ein besonderes Highlight war für mich dabei die Berichterstattung über die Gewinner der „European Yacht of the Year Awards“. Ich habe mir alle Yachten genau angesehen, Videos für Instagram gedreht und versucht, O-Töne einzufangen. Gar nicht so einfach, denn man hat meistens nicht viele Versuche für ein gutes Interview oder interessante Aufnahmen. Kurz aufs Boot, Fotos und Videos machen und hoffen, dass die Mikrofonqualität in der lauten Messehalle ausreicht. Man will das gleiche Interview schließlich nicht dreimal führen. Gerade bei solchen Terminen merkt man, wie viele Möglichkeiten die Messe für Journalisten bietet. Die Protagonisten sind vor Ort, die Boote sind zugänglich, man bekommt Eindrücke aus erster Hand.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Einen echten Rückzugsort bot mir dabei immer der Stand von Delius Klasing. Dort trifft man die Kollegen aus dem Verlag, führt gute Gespräche und es gibt immer etwas zu essen. Es war der perfekte Ort, um kurz durchzuatmen oder in Ruhe meine Materialien zu sichten. Was erzählen wir, wie erzählen wir es, und was lassen wir bewusst weg?

Der Höhepunkt meiner Zeit in Düsseldorf war die Flagship Night, quasi die Oscars der Wassersportbranche. Viele bekannte Gesichter kommen hier zusammen, um die besten Yachten des Jahres zu feiern. Nach einem Glas Sekt und leckerem Essen ging es los. „Und der Preis für die beste Yacht in der Kategorie Performance Cruiser Monohull geht an…“ – genau in diesem Moment die Panne: Mein Handy-Akku war leer.

Da saß ich nun, sollte Videos für Social Media machen, und mein Smartphone gab den Geist auf. Abhilfe schaffte zum Glück eine Powerbank, doch spätestens ab hier begann die richtige Arbeit. Während die anderen den Abend gemütlich ausklingen ließen, habe ich so viele Bilder und Videos wie möglich aufgenommen und noch vor Ort geschnitten.

Doch so mühsam der Redaktionsalltag in solchen Momenten auf der boot auch sein mag, er bringt auch viele Privilegien mit sich. Mit dem Presseausweis und dem passenden Messe-Outfit ist man immer nur ein kurzes Gespräch davon entfernt, auf die exklusivsten Yachten zu kommen. Wo ich früher viel Geduld und Glück brauchte, um eine neue Hallberg-Rassy oder eine Premiere von Beneteau zu sehen, konnte ich diesmal meistens an den Warteschlangen vorbeilaufen. Ein kurzes Nicken zum Standpersonal, und die Absperrung öffnete sich wie von Geisterhand. Ein tolles Gefühl – ein bisschen wie das „goldene Ticket“ im Freizeitpark, mit dem man an der Schlange vor der Achterbahn einfach vorbeigehen darf. Für die Arbeit ist das enorm hilfreich, weil man in kurzer Zeit sehr viele Eindrücke sammeln kann. Und genau darum geht es am Ende: Eine Messe wie die boot macht es überhaupt möglich, innerhalb weniger Tage so viel zu sehen und zu berichten, weil alles kompakt an einem Ort stattfindet.

Ich habe in dieser Woche unglaublich viele neue Eindrücke gesammelt und so viele Fachgespräche geführt wie noch nie in meinem Leben. Es war anstrengend, oft atemlos, aber vor allem extrem spannend, die boot einmal von der „anderen Seite“ zu erleben.

Die Messe ist das Ergebnis tausender Stunden harter Arbeit, Leidenschaft und schmerzenden Füßen – bei den Standmitarbeitern genauso wie bei uns in der Redaktion. Die Vorfreude auf die kommende Segelsaison ist durch meine Zeit in Düsseldorf nochmal deutlich gestiegen. Und jetzt ist die Aufgabe, aus diesem riesigen Angebot genau das herauszufiltern, was Sie meisten interessiert.

David Ingelfinger

YACHT-Volontär

Was würden Sie in unserer boot-Berichterstattung künftig am liebsten häufiger sehen?
Mehr kurze Video Highlights direkt von der Messe.
Mehr ausführliche Artikel mit Technik, Daten und Einordnung.
Mehr praktische Themen wie Ausrüstung, Refit, Sicherheit und Tipps.

Umfrage beendet

*** Abstimmen/Klicken, um das Ergebnis zu sehen! ***


Lese-Empfehlungen der Redaktion

yacht/Myproject-122_588dd1e2bf08c53ce7f0b81757956597

Kostenlose Seekarte

BSH-Daten gratis in Browser oder App nutzen

yacht/freenauticalchart-13-54482-10208_c3c52ce99d8407d939b61ca9f84306ef

Kommerzielle Seekartenanbieter, Abomodelle, veraltete Daten – das muss nicht sein. Mit freenauticalchart.net gibt es seit Kurzem eine kostenlose Online-Seekarte auf Basis offizieller BSH-Daten, die wöchentlich automatisch aktualisiert wird. Mit Tidenvorhersage, Gezeitenstromatlas, Plotting-Tools und GPS-Tracking – nutzbar im Browser oder als App, komplett ohne Registrierung. Wir stellen das Tool vor, das in der Segelwelt gerade für Aufsehen sorgt.


Neue Podcast-Folge

Hafenmanöver ohne Crash – so gelingt Ihnen das Anlegen

yacht/00-vorlage-podcast-artikel-teaserbild-01_7d1c12fea5173f5251fb5283c3a9b101

Wer kennt nicht die Nervosität, wenn das Hafenmanöver immer näher rückt? Darüber spricht Ole Pietschke von Pantaenius in der 62. Folge unseres Segelpodcasts


Swan 51

Edler Cruiser höchster Qualität im Test

yacht/100186629_40c46d5991304fffdb3d8e491b0c8e64

Mit 17 Meter Länge zwar das kleinste Modell der Nautor-Werft, aber mit ihrer luxuriösen Ausstattung und exzellente Performance ist sie zum Schwärmen schön


Geisterschiffe

„Marlborough“ – 20 Skelette an Bord

yacht/storychief-generated-2026-03-03-17-06-07_9cbf0afd7801e8cb933dfe020c78531e

Ein schottischer Dreimaster verschwindet 1890 spurlos – und taucht 1913 angeblich wieder auf: treibend vor Punta Arenas, mit zerfetzten Segeln und 20 Skeletten an Bord. Die Story ging um die Welt, doch schon die damaligen Details klingen verdächtig. War die „Marlborough“ wirklich ein Geisterschiff – oder nur ein perfekt erzählter Mythos, beruhend auf dünner Quellenlage?


Nordsee

BSH - Versuche in der Dunkelheit

yacht/dsc1567-target_f6b32146a0afdad9a6dde6a62a726f08

Ende März führt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie mit dem Spezialschiff "Atair" vor Helgoland nächtliche Versuche durch.


DGzRS

Die ersten Bilder vom neuen Seenotrettungsboot

yacht/srb90-bau-26020516-m_578467af9840787bc0b506873af4b8af

Werfttagebuch der Seenotretter: Neues vom Baufortschritt beim Prototypen der neuen Bootsklasse für die DGzRS. Das SRB 90 soll schneller, leichter, effizienter und sicherer sein.


Esse 890

Die Schweizer Anwort auf den Crossover-Trend

yacht/esse890-img-1_d3398293e5bb6c171c37112a14df77f3

Esseboats in der Schweiz baut an einem neuen Modell. Die Esse 890 übernimmt die sportlichen Marken-Gene, gibt sich aber mit drei Varianten sehr vielseitig für einen multiplen Einsatz.


Rekordversuch

Ruderbruch vor Madagaskar – Guirec Soudée segelt weiter

yacht/bildschirmfoto-2026-03-02-um-123538_4bba1e1d8f7d8cc6c308268555b93ffa

Schock für Guirec Soudée bei der Weltumseglung von Ost nach West: Auf "Macsf" ist bei einer Kollision ein Stück von Steuerbordruder rausgebrochen.


Jung, zielstrebig, offshore

Carla Hénon-Steck ist auf dem Weg zum Mini Transat 2027

yacht/gopr0434_4517c806182308ee1380efc6ec76f1ad

Carla Hénon-Steck (18) hat gerade Abitur gemacht – und plant statt Auslandsjahr die Mini Transat 2027: allein im Mini 6.50 über den Atlantik.


Bundesliga

Die Liga im Umbruch, Saisonstart im April

yacht/250609-sailingenergy-dsblkiel-cr1-2275_48a4dab34e769082717386d8155e28c6

Die Segel-Bundesliga wird am 7. April 13 Jahre alt. Nach guten und schweren Zeiten befindet sich die Meisterschaftsserie der deutschen Vereine im Umbruch.



Newsletter: YACHT-Woche

Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:

Meistgelesen in der Rubrik Allgemeiner Service