Liebe Leserinnen und Leser,
mein Besuch auf der boot Düsseldorf ist vorbei. Ich sitze erschöpft im ICE, meine Füße schmerzen und ich fühle mich wie nach einem stürmischen Segeltag. Statt wie sonst als privater Besucher durch die Hallen zu schlendern, war ich die vergangenen Tage für unsere Wassersportredaktion im Einsatz – ein Perspektivwechsel, mit dem ich vor ein paar Jahren niemals gerechnet hätte. Diese Messe ist für einen jungen Journalisten wie mich eine riesige Chance. Nicht, weil man hier einfach nur Boote anschaut, sondern weil man merkt, wie viele Facetten der Wassersport wirklich hat.
Mein letztes Mal auf der boot war 2019. Ich hatte gerade mein Abitur in der Tasche und wollte die freie Zeit im Gap Year nutzen, um mir zum ersten Mal die Messe in Düsseldorf anzuschauen. Ich weiß genau, wie beeindruckt ich von den Booten, den vielen Menschen und den Vorträgen war. Hätte mir damals einer erzählt, dass ich in ein paar Jahren für Delius Klasing auf der boot sein würde – ich hätte es nicht für möglich gehalten.
Diesmal war alles anders. Statt entspanntem Bootegucken hieß es: Lichtverhältnisse checken, Akkus nachladen und den perfekten Winkel finden. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man ein Schiff für das eigene Vergnügen prüft oder ob man versucht, jedes Detail für die Social-Media-Kanäle einzufangen. Jede Halle war ein neuer Themenkosmos. Performance Cruiser, Familienboote, Elektrifizierung, Foils, Refit, Charter, Ausrüstung, Sicherheitsfragen, Reisen, Regatta, Training. Man läuft nicht nur von Stand zu Stand, man springt gedanklich ständig zwischen den unterschiedlichen Welten. Diese Vielfalt an Themen wäre im Alltag kaum so konzentriert verfügbar. Gleichzeitig ist das auch die Herausforderung. Wenn alles spannend ist, muss man entscheiden, was wirklich wichtig ist und was man für Sie als Leserinnen und Leser priorisiert.
Ein besonderes Highlight war für mich dabei die Berichterstattung über die Gewinner der „European Yacht of the Year Awards“. Ich habe mir alle Yachten genau angesehen, Videos für Instagram gedreht und versucht, O-Töne einzufangen. Gar nicht so einfach, denn man hat meistens nicht viele Versuche für ein gutes Interview oder interessante Aufnahmen. Kurz aufs Boot, Fotos und Videos machen und hoffen, dass die Mikrofonqualität in der lauten Messehalle ausreicht. Man will das gleiche Interview schließlich nicht dreimal führen. Gerade bei solchen Terminen merkt man, wie viele Möglichkeiten die Messe für Journalisten bietet. Die Protagonisten sind vor Ort, die Boote sind zugänglich, man bekommt Eindrücke aus erster Hand.
Einen echten Rückzugsort bot mir dabei immer der Stand von Delius Klasing. Dort trifft man die Kollegen aus dem Verlag, führt gute Gespräche und es gibt immer etwas zu essen. Es war der perfekte Ort, um kurz durchzuatmen oder in Ruhe meine Materialien zu sichten. Was erzählen wir, wie erzählen wir es, und was lassen wir bewusst weg?
Der Höhepunkt meiner Zeit in Düsseldorf war die Flagship Night, quasi die Oscars der Wassersportbranche. Viele bekannte Gesichter kommen hier zusammen, um die besten Yachten des Jahres zu feiern. Nach einem Glas Sekt und leckerem Essen ging es los. „Und der Preis für die beste Yacht in der Kategorie Performance Cruiser Monohull geht an…“ – genau in diesem Moment die Panne: Mein Handy-Akku war leer.
Da saß ich nun, sollte Videos für Social Media machen, und mein Smartphone gab den Geist auf. Abhilfe schaffte zum Glück eine Powerbank, doch spätestens ab hier begann die richtige Arbeit. Während die anderen den Abend gemütlich ausklingen ließen, habe ich so viele Bilder und Videos wie möglich aufgenommen und noch vor Ort geschnitten.
Doch so mühsam der Redaktionsalltag in solchen Momenten auf der boot auch sein mag, er bringt auch viele Privilegien mit sich. Mit dem Presseausweis und dem passenden Messe-Outfit ist man immer nur ein kurzes Gespräch davon entfernt, auf die exklusivsten Yachten zu kommen. Wo ich früher viel Geduld und Glück brauchte, um eine neue Hallberg-Rassy oder eine Premiere von Beneteau zu sehen, konnte ich diesmal meistens an den Warteschlangen vorbeilaufen. Ein kurzes Nicken zum Standpersonal, und die Absperrung öffnete sich wie von Geisterhand. Ein tolles Gefühl – ein bisschen wie das „goldene Ticket“ im Freizeitpark, mit dem man an der Schlange vor der Achterbahn einfach vorbeigehen darf. Für die Arbeit ist das enorm hilfreich, weil man in kurzer Zeit sehr viele Eindrücke sammeln kann. Und genau darum geht es am Ende: Eine Messe wie die boot macht es überhaupt möglich, innerhalb weniger Tage so viel zu sehen und zu berichten, weil alles kompakt an einem Ort stattfindet.
Ich habe in dieser Woche unglaublich viele neue Eindrücke gesammelt und so viele Fachgespräche geführt wie noch nie in meinem Leben. Es war anstrengend, oft atemlos, aber vor allem extrem spannend, die boot einmal von der „anderen Seite“ zu erleben.
Die Messe ist das Ergebnis tausender Stunden harter Arbeit, Leidenschaft und schmerzenden Füßen – bei den Standmitarbeitern genauso wie bei uns in der Redaktion. Die Vorfreude auf die kommende Segelsaison ist durch meine Zeit in Düsseldorf nochmal deutlich gestiegen. Und jetzt ist die Aufgabe, aus diesem riesigen Angebot genau das herauszufiltern, was Sie meisten interessiert.
David Ingelfinger
YACHT-Volontär
Umfrage beendet
*** Abstimmen/Klicken, um das Ergebnis zu sehen! ***
Kommerzielle Seekartenanbieter, Abomodelle, veraltete Daten – das muss nicht sein. Mit freenauticalchart.net gibt es seit Kurzem eine kostenlose Online-Seekarte auf Basis offizieller BSH-Daten, die wöchentlich automatisch aktualisiert wird. Mit Tidenvorhersage, Gezeitenstromatlas, Plotting-Tools und GPS-Tracking – nutzbar im Browser oder als App, komplett ohne Registrierung. Wir stellen das Tool vor, das in der Segelwelt gerade für Aufsehen sorgt.
Wer kennt nicht die Nervosität, wenn das Hafenmanöver immer näher rückt? Darüber spricht Ole Pietschke von Pantaenius in der 62. Folge unseres Segelpodcasts
Mit 17 Meter Länge zwar das kleinste Modell der Nautor-Werft, aber mit ihrer luxuriösen Ausstattung und exzellente Performance ist sie zum Schwärmen schön
Ein schottischer Dreimaster verschwindet 1890 spurlos – und taucht 1913 angeblich wieder auf: treibend vor Punta Arenas, mit zerfetzten Segeln und 20 Skeletten an Bord. Die Story ging um die Welt, doch schon die damaligen Details klingen verdächtig. War die „Marlborough“ wirklich ein Geisterschiff – oder nur ein perfekt erzählter Mythos, beruhend auf dünner Quellenlage?
Ende März führt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie mit dem Spezialschiff "Atair" vor Helgoland nächtliche Versuche durch.
Werfttagebuch der Seenotretter: Neues vom Baufortschritt beim Prototypen der neuen Bootsklasse für die DGzRS. Das SRB 90 soll schneller, leichter, effizienter und sicherer sein.
Esseboats in der Schweiz baut an einem neuen Modell. Die Esse 890 übernimmt die sportlichen Marken-Gene, gibt sich aber mit drei Varianten sehr vielseitig für einen multiplen Einsatz.
Schock für Guirec Soudée bei der Weltumseglung von Ost nach West: Auf "Macsf" ist bei einer Kollision ein Stück von Steuerbordruder rausgebrochen.
Carla Hénon-Steck (18) hat gerade Abitur gemacht – und plant statt Auslandsjahr die Mini Transat 2027: allein im Mini 6.50 über den Atlantik.
Die Segel-Bundesliga wird am 7. April 13 Jahre alt. Nach guten und schweren Zeiten befindet sich die Meisterschaftsserie der deutschen Vereine im Umbruch.
Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden: