MeinungTo foil or not to foil

YACHT-Redaktion

 · 17.01.2026

Meinung: To foil or not to foil
YACHT-Woche – Der Rückblick
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Liebe Leserinnen und Leser,

​mit ihrem Start beim RORC Transatlantic Race hat „Raven” das Foilen erneut in den Fokus gerückt. Und obwohl „Palm Beach XI“ ohne die nachgerüsteten C-Foils am Sydney Hobart Race teilnahm, hat auch der 100-Fußer abseits von SailGP, Vendèe Globe und America’s Cup die Frage aufgeworfen: „To foil or not to foil?“ Bei „Raven“ kam dazu, dass ihr Renndebüt einer kleinen Sensation glich. Der 34 Meter lange Carbon-Bau mit den seitlich absenkbaren T-Foils „flog“ seit Verlassen der finnischen Baltic-Hallen im Jahr 2023 weitestgehend unter dem Radar. Nach zwei Atlantiküberquerungen, 30-Knoten-Speed-Runs und 18.000 Seemeilen im Kielwasser entschied der Eigner, für den Offshore-Klassiker zu melden.

Einige fragten sich bestimmt: Ja, wann hebt „Raven“ denn endlich ab? Gar nicht, das soll so. Die Botin-Konstruktion ist ausgerichtet auf Semi-Foiling, auch Skimming genannt. Sobald das leewärtige T-Foil etwa 60 Prozent der Verdrängung trägt und die Baltic 111 auf die Kimmkante liftet, schwebt diese eher wie ein Katamaran über die See. Durchaus flugs: Im RORC Transatlantic Race ging es zuletzt mit 24 Knoten und einem Etmal von 550 Seemeilen der Karibik entgegen. Der Vorteil der „gestutzten Flügel“: Wegen der Nähe zur Wasseroberfläche kann es nicht zu Mensch- und Material-zermürbenden Touchdowns wie bei den zeitweilig fliegenden Imocas kommen.

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Diese 60-Fußer vermitteln zuweilen ein eher chaotisches, gar gefährliches Bild vom Foilen. Ganz so, als seien sie mit den zusätzlichen Anhängen nicht zu zügeln. Würde man sie aber von der Leine und konstant schweben lassen, wäre es komfortabler, ist sich Guillaume Verdier sicher. Der Bretone spricht sich für die scheinbar kleine Nachrüstung von T-Foils an den Enden der Ruderblätter aus, um die Flughöhe zu regulieren und konstant hochzuhalten.

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Jenseits von Klassenvorschriften bewegt sich Verdier mit dem Hypersail-Projekt. Ferrari und Giovanni Soldini gewähren Carte Blanche, alles geht. Mit der 100 Fuß langen Carbon-Rakete setzt der Konstrukteur seinen Traum eines weltumsegelnden Einrumpf-Foilers um und beflügelt sogar den Canting Keel. „Hypersail“ soll noch dieses Jahr schwimmen und in der Folge Rekordfahrten ohne „Boxenstopps“ absolvieren. Einen ebenso 100-prozentigen Flugbetrieb, wie YACHT-Autor Tim Kröger es nennt, peilt Guillaume Verdier für den jüngst gewasserten 100-Fuß-Tri „Gitana 18“ an, sechs Rumpfanhängen sei Dank.

Dass es nicht zwingend einer Neuentwicklung bedarf, beweist „Palm Beach XI“. Der 20 Jahre alte Offshore-Bolide erhielt aufholbare C-Foils als ergänzende Auftriebsquelle zum Canting Keel. Zum Voll-Foiler wird die Ex-„Wild Oats XI“ dadurch im nächsten Sydney Hobart Race nicht werden. Wenn im völlig losgelösten Flugmodus der Rumpfwiderstand gegen null geht und eigener Wind erzeugt wird, steigt die Belastung für Rigg und Rumpfstruktur immens an und aerodynamische Eigenschaften gewinnen an Bedeutung. Damit einher gehen engere scheinbare Windwinkel, die neue Segel und Masten nach sich ziehen. Zudem bedingt das automatische Halten der Flughöhe bei Großformaten umfangreiche Sensorik in Verbindung mit einem Flight Control System.

Ein für mich schöner Aspekt des Foilens: Es bringt Wassersportler zusammen. Wind- und Kitesurfing verschmelzen im Wingfoilen, aber auch für die Surf- und Segelwelt ergeben sich Überschneidungen. Das Wing-Material aus Foilboard und Kite-ähnlichem Flügel ist einfach an Bord zu verstauen und punktet gegenüber Kitesurfen mit unkompliziertem Startprozedere ohne Leinentüdel. Vermehrt „wingen“ Fahrten-, Leistungssegler oder Profis aus dem Maxi-Zirkus als Ausgleich, Training oder zum Spaß.

Auch kommerziell kommen sich die Branchen näher. Die französische Kitesurf- und Wingfoil-Marke F-One kooperiert seit dem Sommer 2025 mit den Konstrukteuren von VPLP. Die erstellen CFD-Simulationen für die Foils von F-One und erhalten im Gegenzug Material für die Mitarbeitenden. Ähnliche Synergien ergeben sich innerhalb der North Technology Group (NTG), zu der neben North Sails und Southern Spars auch North Actionsports gehört, aktiv im Kiten und Wingen. Das gleiche Angebot bietet Core Watersports. Das auf der Ostseeinsel Fehmarn gegründete Unternehmen zählt neuerdings zur selben Gruppe wie Elan Yachts und Elan Skis. Gehen die Slowenen nach der SixtyFive, ein Verdier-Design, ihre erste Foil-Yacht an?

Foilen Sie schon oder hängen Sie noch dem Vollkontakt-Segeln an? Wer kann, sollte es ausprobieren, ganz gleich ob auf Board, Jolle oder Yacht. Das Gefühl ist einzigartig, besonders im unteren Grenzbereich – dann, wenn der Wind im Wasser verankerte Rümpfe nicht ins Rutschen bringt. Erlebbar wird Geschwindigkeit, die nicht zur Kräuselung der Wasseroberfläche passen will. So erging es mir auf „FlyingNikka“, als der 60-Fuß-Mono bei etwa elf Knoten wahrem Wind mit 23 Knoten los sprintete.

Allerdings läuft man auf Foils Gefahr, sich vom nassen Element und von der Energie der Wellen zu entfernen. Gut, je nach Größe des Untersatzes und Steilheit der Wogen erlebt man beim geflügelten Abreiten zwar unmittelbare Beschleunigung, die horizontale Bewegungsrichtung aber kann auf Dauer dem Straßenbahnfahren gleichkommen. Für mich ebenso einmalig ist es ins Rutschen zu kommen, ohne tatsächlich abzuheben; wenn es sich erst wie schieben, kurze Zeit wackelig und dann doch auch wie schweben anfühlt.

Ob „Segelschieben“ oder „Segelfliegen“, sollte jeder für sich entscheiden können. Vielleicht gelingt die breitensportliche Öffnung einer Gruppe um Frank Schönfeldt mit dem foilenden Conger-Projekt Regnoc. Flieg, Regnoc, flieg! Ja, nur wann hebt der Jedermann- und Frau-Foiler denn endlich ab?

Sören Gehlhaus

YACHT-Redakteur

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