YACHT
· 02.08.2025
Liebe Leserinnen und Leser,
leider scheint es nicht anders zu gehen. Ich finde, Yachthäfen oder zumindest die Stege sollten abgesperrt werden. Vielleicht liege ich falsch, aber ich meine, eine zunehmende Distanzlosigkeit der Menschen zu verspüren. Da machen sich offensichtliche Nicht-Segler auf Stegen breit, gaffen in die Cockpits, schießen Selfies mit fremden - unseren - Booten im Hintergrund. Oder sie klettern gar auf Bug oder Heck und lassen sich stolz ablichten. Die Krönung habe ich letzten Sommer in Fjällbacka an der schwedischen Westküste erlebt. Wir kommen von einem Ausflug auf unser längsseits am Steg liegendes Boot zurück, und an Bord im Cockpit stehen drei mittelalte, durchaus freundlich lächelnde Asiaten, sie am Steuer, er emsig fotografierend. Distanz- und Toleranzgrenze überschritten, das Thema war verbal fast nicht zu lösen; sie trollten sich unter Protest, ohne jedes Schamgefühl oder Verständnis.
Da bevölkern erlebnisorientierte Jugendliche die wassernahen Hafenanlagen, machen Krach, der nur noch von ihren mitgebrachten Bluetooth-Boxen überflügelt wird, hinterlassen Müll und klettern auf den Yachten herum, um von dort grölend ins Wasser zu springen. Das Problem wird nicht exklusiv durch Minderjährige verursacht. Da werden die Grill- und Spielplätze von Touristen oder Anwohnern okkupiert, die keinerlei Bezug zum Hafen oder zur Marina haben, die weder Vereinsmitglied noch (zahlender) Besucher sind. Im besten Mallorca-Style sind die Sitzbänke am Grill schon mal mit Tischdecken und Polstern reserviert. Nun gut, diese Unsitte ist auch unter Seglern verbreitet, aber wenn es Externe sind, schmerzt es noch mehr.
Warum nicht den Hafenzugang reglementieren? Das würde auch dem Diebstahl von Ausrüstungsgegenständen wie Außenbordmotoren entgegenwirken und die subjektive persönliche Sicherheit erhöhen. Natürlich will sich kein Segler oder Motorbootfahrer isolieren und als elitär oder separierend wahrgenommen werden. Aber er möchte, dass seine Privatsphäre und sein Eigentum respektiert werden.
Boote sind nicht nur Fortbewegungsmittel und Häfen nicht nur Parkplätze für diese. Es handelt sich um persönliche Räume für Gemeinschaften, für Geselligkeit und Austausch unter Gleichgesinnten. Wenn dieser Raum durch Unachtsamkeit oder Ignoranz gestört wird, verliert er auch seine Funktion. Indem wir den Zugang reglementieren, bewahren wir nicht nur materielle Werte, sondern auch die Zusammengehörigkeit, die so entscheidend für den maritimen Lebensstil ist.
In Zeiten, in denen Respekt und Verständnis für solche Räume leichter ignoriert werden, erscheint die klare Trennung von öffentlichem und privatem Raum wünschenswert. Also Stacheldraht. Hafenbetreiber sollten Maßnahmen treffen, die sowohl die Sicherheit als auch das Wohlbefinden der Segler und Motorbootfahrer gewährleisten. Im Übrigen sind abgesperrte Yachthäfen nicht ungewöhnlich, sie finden sich von Flensburg bis zum Bodensee vielerorts.
Und nun nehme ich meinen Cobbgrill und setze mich zusammen mit ein paar Freunden an Loch neun in den Hamburger Golf-Club und brate ein paar Steaks, dazu gibt es einen Kasten Bier bei guter Musik.
Fridtjof Gunkel
stellv. YACHT-Chefredakteur
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