Liebe Leserinnen und Leser,
die erste Arbeitswoche des neuen Jahres liegt hinter mir, und der Winter hat Norddeutschland fest im Griff. Der Schnee, der pünktlich zum Ende der Feiertage fiel, sorgte für glatte Straßen und allerlei Verkehrsprobleme. Eine praktische Ausrede, um am Wochenende nicht in die kalte Winterlagerhalle zu fahren und stattdessen den letzten Christstollen zu vernichten, der sich tapfer über die Feiertage hinaus gehalten hat.
Die Zeit zwischen den Jahren war mit Rückblicken, üppigem Essen und guten Vorsätzen gefüllt. Während ich die letzten freien Tage größtenteils gemütlich zu Hause verbracht habe, steht mein Boot stoisch aufgebockt in der Halle. Es wartet geduldig auf Aufmerksamkeit, die ich ihm bisher erfolgreich vorenthalten habe.
Dabei wäre eigentlich genug zu tun. Im Keller liegen die Bodenbretter, bereit für ihre Überholung. Der Lack steht auch schon parat, ein neues Produkt, das mir vom Fachmann empfohlen wurde. Und dann wären da noch die neuen Maxianzeigen - ein selbst bestelltes Familiengeschenk, das unter dem Weihnachtsbaum lag. Die alten sind mit den aktuellen Instrumenten nicht mehr kompatibel und haben mich mit ihren leeren Displays seit Jahren mahnend angestarrt.
All das könnte ich dieses Wochenende in Angriff nehmen – wenn nur diese Straßen frei wären! Zumindest rede ich mir das ein. Stattdessen suche ich lieber nach den neuesten Informationen zur boot Düsseldorf, die Ende nächster Woche startet. Nach einigen schwachen Jahren sollen dort endlich wieder mehr Yachten zu sehen sein. Über 20 Premieren werden erwartet - das klingt vielversprechend.
Allerdings haben sich hauptsächlich die großen Werften angekündigt. Die kleinen Betriebe und exotischen Marken, werden wohl weitgehend fehlen. Immerhin gibt es einen Lichtblick für Multihull-Fans: Zwei Fahrtenkatamarane werden vor Ort sein – ein deutlicher Fortschritt zum vergangenen Jahr, als die imposanten Mehrrumpfboote nur als Zeichnungen und Modelle zu bestaunen waren.
Die Messe markiert für viele von uns den inoffiziellen Saisonstart, auch wenn die eigentliche Segelsaison noch in weiter Ferne liegt. In den gut beheizten, hell erleuchteten Hallen stehen sie dann: Perfekt ausgeleuchtete, makellos polierte Traum-Yachten wie die HR 370 - ohne einen Hauch von Wartungsstau. Alles funktioniert, alles glänzt.
Doch merkwürdigerweise freue ich mich nach dem Messebesuch meist besonders auf die Arbeit am eigenen Boot. Egal wie kalt und schummrig die Winterlagerhalle ist, egal wie viel Staub in der Luft schwebt – es ist mein Boot. Jede Schraube, die ich drehe, jeder Schramme, die ich ausbessere, hat eine Geschichte. Die perfekten Messeyachten mögen vor allem beim Wohnraum beeindrucken, aber sie haben (noch) keine Seele. Nichts erzählt von gemeinsamen Erlebnissen mit ihren Crews. Es ist ein wenig wie die Urlaubsfotos anderer Leute anzusehen, statt selbst hinzusegeln.
Bis das wieder geht müssen die Bodenbretter lackiert und die Maxianziegen montiert werden. Und sicher noch etliche andere kleine Dinge, die einem wieder einfallen, sobald man erst einmal in der Winterlagerhalle steht. Vielleicht ist das winterliche Wetter doch ein ganz praktischer Vorwand, um noch ein Wochenende Aufschub zu haben.
Bis nach der boot ist der Schnee sicher wieder verschwunden. Dann gibt es endgültig keine Ausreden mehr, nicht mit den Bootsarbeiten zu beginnen. Damit ist die Messe zumindest der Start der Bastelsaison und dabei lässt sich vortrefflich vom Segeln träumen. Zumal neue Segel, Baumpersenning und Sprayhood auch schon geordert sind …
Hauke Schmidt
YACHT-Redakteur
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