Kieler WocheZiemlich cool, der junge Herr Buhl

Tatjana Pokorny

 · 25.06.2013

Kieler Woche: Ziemlich cool, der junge Herr BuhlFoto: Kieler Woche/www.segel-bilder.de

Die DSV-Flotte erkämpft Nationenplatz zwei auf der Förde. Buhl, Lutz, Beucke und Heiko Kröger siegen. Der Formatstreit dauert an

  Philipp Buhl auf dem Weg zu seinem zweiten Kieler-Woche-Sieg im LaserFoto: Kieler Woche/www.segel-bilder.de
Philipp Buhl auf dem Weg zu seinem zweiten Kieler-Woche-Sieg im Laser

Lässig und leise kam Philipp Buhl mit seinem Roller zur Abschluss-Pressekonferenz der Kieler Woche ins Medienzentrum in Schilksee gerollt. Ein freundliches Lächeln im Gesicht, die Ruhe selbst. Tina Lutz und Susann Beucke hatten schon Platz genommen. Der Lasersegler und die schnellen 49er-FX-Frauen haben der deutschen Segelnationalmannschaft zum Abschluss der olympischen Hälfte der Kieler Woche zwei Siege geschenkt und standen am Mittwoch im Mittelpunkt von Medien und Fans.

  Buhl feiert seinen Kieler-Woche-Sieg 2013Foto: Kieler Woche/www.segel-bilder.de
Buhl feiert seinen Kieler-Woche-Sieg 2013

Inklusive Heiko Krögers vorzeitigem 2.4mR-Triumph am Vortag erreichte die DSV-Flotte bei der 119. Kieler Woche mit drei Siegen und einem zweiten Platz durch die 49er-Crew Erik Heil und Thomas Plößel Platz zwei in der Nationenwertung hinter Großbritannien (3 Siege, 2 zweite Plätze) und vor den überraschend starken Österreichern (1 Sieg, 3 dritte Plätze). Starter aus 13 Ländern teilten sich die 27 Kieler-Woche-Medaillen. Zwar waren nicht alle Felder weltmeisterlich besetzt, dennoch musste sich das Sailing Team Germany gegen teilweise sehr starke Konkurrenz durchsetzen.

Das galt vor allem für Philipp Buhl, der keinen Geringeren als Laser-Legende Robert Scheidt aus Brasilien, eine Handvoll weiterer starker Steuerleute und insgesamt 91 Jollen zu Gegnern hatte. Stoppen konnten sie ihn nach seinem durchwachsenen Saisonauftakt auf der Förde nicht. Der Allgäuer verteidigte seinen 2012 gewonnenen Titel im Stile eines Champions, zelebrierte im finalen Medaillenrennen einen souveränen Start-Ziel-Sieg, spielte dabei sein Starkwind-Können konsequent aus und verwies den Favoriten und Doppel-Olympiasieger Robert Scheidt auf Platz zwei. Es war der erhoffte Befreiungsschlag.

  Stilles Glück: Buhl hat seinen Titel erfolgreich verteidigtFoto: Kieler Woche/www.segel-bilder.de
Stilles Glück: Buhl hat seinen Titel erfolgreich verteidigt
  Auf der Zielgeraden von Buhl abgefangen: Doppel-Olympiasieger Robert Scheidt aus Brasilien wird ZweiterFoto: tati
Auf der Zielgeraden von Buhl abgefangen: Doppel-Olympiasieger Robert Scheidt aus Brasilien wird Zweiter

Buhl selbst aber mochte über seinen Sieg nicht so laut jubeln. Der erst 23 Jahre alte Sportsoldat, der in Kiel wie die Mehrheit der Olympiasegler mehrfach das neue Regattaformat kritisiert und als "krass mit hohem Glücksfaktor" beschrieben hatte, erwies lieber dem bezwungenen fünffachen olympischen Medaillengewinner Robert Scheidt seinen Respekt: "Ihn besiegt zu haben fühlt sich auf diese Weise gar nicht so gut an. Er hat die Serie dominiert, war über zwölf Rennen der Bessere von uns beiden. Ich habe ihn nur in der letzten Wettfahrt geschlagen." Doch das reichte für Buhl. Das neue Format, das Zuschauern mit überproportional starker Gewichtung der Medaillenrennen mehr Spannung bis zuletzt bieten soll, macht es möglich. Dagegen wehren sich die Segler, die ausgewogenere Formate bevorzugen, weil nur so die Besten unter allen Bedingungen ermittelt werden könnten.

Peter Ramcke zog in seinem ersten Kieler-Woche-Jahr als Organisationschef dennoch eine positive Halbzeit-Bilanz: "Die vielen tollen Bilder sprechen für sich. Wir hatten Glück mit dem Wetter, konnten das Programm nach Plan absolvieren." Zum Formatstreit sagte Ramcke: "Der Konflikt zwischen dem Bestreben, den Zuschauern spannenden Sport bis zuletzt und den Seglern fairen Sport zu bieten, ist noch nicht aufgelöst. Die Diskussion wird weitergehen. In diesem Jahr wird weltweit probiert und diskutiert, im nächsten Jahr konsolidiert."

Laser-Legende Robert Scheidt, einer der erfolgreichsten Olympiateilnehmer in der Sportgeschichte Brasiliens, sagte über Deutschlands größten Hoffnungsträger für die olympische Regatta 2016: "Philipp ist extrem talentiert, sehr fit und gut in stärkeren Winden. Er gehört der jungen Generation an, die das Spiel im Laser auf ein neuen Level gehoben hat."

  Tina Lutz/Susann Beucke gewinnen nach zwei gemeinsamen zweiten Plätzen bei der Kieler Woche im 49er FX ihren ersten TitelFoto: Kieler Woche/okpress
Tina Lutz/Susann Beucke gewinnen nach zwei gemeinsamen zweiten Plätzen bei der Kieler Woche im 49er FX ihren ersten Titel

Ihren ersten Kieler-Woche-Titel gewannen Tina Lutz aus Bergen und Susann Beucke aus Strande. Das bayerisch-norddeutsche Duo meisterte den stürmischen Kenterkrimi in der neuen olympischen Frauendisziplin 49er FX am besten und profitierte in drei spektakulären kurzen Medaillenrennen von seiner defensiven Taktik, während die Konkurrentinnen reihenweise durch die Luft flogen und kenterten. Das galt insbesondere für die punktgleich mit Lutz/Beucke als Spitzenreiterinnen in die drei kurzen Medaillenrennen eingezogenen Berlinerinnen Victoria Jurczok und Annika Lorenz, die als Leichtgewichte in Winden zwischen 18 und 23 Knoten mehr in der Ostsee baden gingen, als ihnen lieb war, und am Ende mit Platz nach einer leistungsstarken Woche nicht zufrieden sein konnten.

Mit gemischten Gefühlen beendeten die 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel aus Berlin die Kieler Woche. Sie waren mit Titelchancen in ihre drei Medaillenrennen gestartet, hatten aber gleich den Auftakt gründlich verpatzt. Erik Heil sagte: "Da draußen war total viel Wind, und wir haben uns mit einem Crash gleich zu Beginn den Ober-GAU geleistet. An der Situation hatten wir zu 100 Prozent selbst Schuld. Wir entschuldigen uns auch bei unseren Teamkameraden Justus Schmidt und Max Böhme dafür. Danach sind wir noch gekentert. Wir hätten die Kieler Woche nach unserem dritten Platz im vergangenen Jahr gern gewonnen. Aber nun ist ein Stufenplan draus geworden: Letztes Jahr Bronze, dieses Jahr Silber und im nächsten Jahr dann hoffentlich Gold."

Die 119. Kieler Woche wird ab Donnerstag mit den Wettfahrten der großen Yachten auf der Seebahn und der internationalen Klassen fortgesetzt. Philipp Buhl wird dann erneut antreten, startet mit Adalbert Netzer im Flying Dutchman und möchte am liebsten zu einem der seltenen Doppel-Siege bei der Kieler Woche fliegen. Vielleicht kommt er dann noch einmal leise lächelnd in die Pressekonferenz. Im Flying Dutchman muss er sich jedenfalls nicht mehr mit den extremen Olympia-Formaten quälen.