Kieler WocheDritte Olympiaregatta auf der Förde?

Tatjana Pokorny

 · 25.06.2014

Kieler Woche: Dritte Olympiaregatta auf der Förde?Foto: Oman Sail/Sander van den Borch

Kiel möchte zum dritten Mal nach 1936 und 1972 eine olympische Regatta ausrichten. Das verkündete Oberbürgermeister Ulf Kämpfer in Schilksee

Wenn sich eine deutsche Stadt für eine Olympiabewerbung entscheidet, dann sollen nach Kieler Vorstellungen die olympischen und paralympischen Segelwettfahrten auf der Förde ausgerichtet werden, die in der Geschichte der Olympischen Spiele schon zweimal Gastgeberin olympischer Regatten war.

Das unterstrich Kiels neuer Oberbürgermeister Ulf Kämpfer zur Halbzeit der 120. Kieler Woche im Olympiazentrum Kiel-Schilksee. Ulf Kämpfer sagte: "Wenn es eine deutsche Bewerbung gibt, dann muss es für die Segler Schilksee werden. Und ich finde, Deutschland wäre auch wieder einmal dran." Kämpfer wies auf "enge Kontakte hinter den Kulissen" zu Hamburg hin und sagte: "Das ist nicht nur eine Kieler Geschichte."

  Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (rechts) bei der Eröffnung der 120. Kieler Woche mit dem winkenden Bundespräsidenten Joachim GauckFoto: Landeshauptstadt Kiel/Thomas Eisenkrätzer
Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (rechts) bei der Eröffnung der 120. Kieler Woche mit dem winkenden Bundespräsidenten Joachim Gauck

Gleich bei seiner ersten Kieler Woche hatte sich Ulf Kämpfer an Bord des rasanten Trimarans "Musandam-Oman Sail" getraut und das Geschoss etwa eine halbe Stunde lang unter Anleitung von Profi Tim Kröger gesteuert. "Das war sehr geil", entfuhr es dem sympathischen Politiker, der zuvor an einer Regattabegleitfahrt auf dem Segelschulschiff "Thor Heyerdahl" teilgenommen hatte. "Tradition und Moderne gehören beide zur Kieler Woche", so Kämpfer nach seinem Super-Segeltag auf der Förde, "sie haben mir zwei sehr spannende Facetten geboten."

  Skipper Damien Foxhall (r.) und die Crew auf dem Trimaran "Musandam-Oman Sail" bescherten Kiels neuem Oberbürgermeister ein rasantes Segelvergnügen auf der FördeFoto: Oman Sail/Sander van den Borch
Skipper Damien Foxhall (r.) und die Crew auf dem Trimaran "Musandam-Oman Sail" bescherten Kiels neuem Oberbürgermeister ein rasantes Segelvergnügen auf der Förde

Für den neuen Amtsinhaber waren es die ersten Segeleinsätze bei der 120. Kieler Woche. Kämpfer fand so großen Gefallen am Segeln, dass er bald schon mit seinem neunjährigen Sohn einen Segelkurs absolvieren will. "Der muss jetzt erst einmal das bronzene Schwimmabzeichen machen und dann kriege ich ihn schon dazu", sagte Kämpfer.

Mit Blick auf den Reiz der Austragung einer dritten Olympiaregatta im Kieler Revier geht Kämpfer davon aus, dass sich Hamburg beim Thema Olympia zu Schleswig-Holstein bekennt. Dann wäre Rostock als Konkurrent schon mal außen vor, so Kämpfer. Und auch im Vergleich mit Travemünde habe die Landeshauptstadt als Standort des Bundesleistungszentrums und aufgrund seiner Infrastruktur die besseren Karten: "Die Revierkenntnisse sind ein Vorteil für die Athleten, den man nicht aus der Hand geben sollte."

Ganz offiziell hat Kiel seinen Hut aber noch nicht in den Ring geworfen: "Es wäre sicher unklug, dabei schneller zu sein als Hamburg. Aber wir werden das Thema nicht verpennen. Es wurde im Rat bereits diskutiert, und ich wurde aufgefordert, meine Hand für Olympia zu heben", sagte Kämpfer.

Einhergehend mit Olympia wäre dann auch die Austragung der paralympischen Wettbewerbe. Und dafür hat sich die Landeshauptstadt bereits in Stellung gebracht. Seit dieser Kieler Woche hat die neue Rollstuhlrampe zum Steg das Segelereignis auch bei den paralympischen Startern in der Gunst deutlich steigen lassen. "Bisher war Kiel der Regatta-Ort, an den wir Rollstuhlfahrer nicht fahren wollten, um uns nicht kompliziert auf den Steg hieven zu lassen", sagte Robert Prem, zweimaliger paralympischer Medaillengewinner an Bord der Sonar von Jens Kroker. Jetzt habe man ein Vorzeigeobjekt.

  Kiels Oberbürgermeister bei den Eröffnungsfeierlichkeiten zur 120. Kieler WocheFoto: Landeshauptstadt Kiel/Verena Dittrich
Kiels Oberbürgermeister bei den Eröffnungsfeierlichkeiten zur 120. Kieler Woche

Motor für den Bau der Anlage war seit rund einem Jahrzehnt Heiko Kröger, Paralympics-Sieger von 2000 im 2.4mR und ehemals Sportler des Jahres in Kiel. "Bei diesem Thema war ich ein bisschen der Terrier. Es muss eine Selbstverständlichkeit sein, dass Behinderte und Nicht-Behinderte zu 100 Prozent gleichberechtigt sind. Da dürfen die Finanzen nicht entscheidend sein", so Kröger, dessen Beharrlichkeit nun belohnt wurde.