Kieler Woche: Das Wimbledon des Segelsports kämpft

Tatjana Pokorny

 · 18.05.2015

Kieler Woche: Das Wimbledon des Segelsports kämpftFoto: Kieler Woche/okpress

Für Olympia soll die Kieler Woche wieder werden, was sie immer war: die weltgrößte Regatta. Nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ

Hamburgs Olympia-Bewerber setzen auf die internationale Strahlkraft der Kieler Woche. Das bestätigte am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Hamburg mit Michael Neumann der Innen- und Sportsenator der Hansestadt. Michael Neumann nannte Kiel einen "starken Partner auf Augenhöhe", der auch international für Weltklasse-Segelsport stehe und mit Blick auf andere Sportarten "mit Wimbledon im Tennissport vergleichbar" sei. Damit steht die 121. Kieler Woche vom 20. bis zum 28. Juni ganz im Zeichen der deutschen Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer versprach: "Kiel wird die deutsche Bewerbung mit großem Engagement und großen Segelereignissen nach vorne bringen."

  Zählen bei der Kieler Woche 2015 zu den Favoriten in der olympischen 49er-Klasse: Erik Heil und Thomas PlößelFoto: Kieler Woche/okpress
Zählen bei der Kieler Woche 2015 zu den Favoriten in der olympischen 49er-Klasse: Erik Heil und Thomas Plößel

Doch zunächst muss die Kieler Woche erneut einen sportlichen Rückschlag verkraften, denn unter den rund 3500 Seglerinnen und Seglern, die zur 121. Auflage der weltweit größten Regatta erwartet werden, fehlen viele bekannte Namen. Der sportliche Aderlass hat Gründe, für die die Kieler weitgehend nicht selbst verantwortlich sind: Viele internationale und nationale Leistungsträger aus den olympischen Klassen mussten ihre Teilnahme aufgrund von Terminüberschneidungen mit Welt- und Europameisterschaften absagen. Dazu zählt mit Philipp Buhl auch Deutschlands größter Hoffnungsträger für die Olympischen Spiele 2016. Der WM-Vierte aus Sonthofen muss passen, weil die Weltmeisterschaft der Lasersegler kurz nach der Kieler Woche im kanadischen Kingston beginnt und seinen Saisonhöhepunkt markiert. Buhl hatte die Kieler Woche zuletzt dreimal hintereinander gewonnen und hätte unbedingt um das neu ausgelobte Preisgeld bei der Kieler Woche kämpfen wollen: "Ich segle liebend gern in Kiel. Auch weil ein Heimspiel immer schön ist. Doch es geht sich mit der Vorbereitung im WM-Revier leider in diesem Jahr nicht aus."

  Segel-Action im Zeichen der Ringe: Die Kieler Woche lockt vom 20. bis 28. Juni mit Preisgeld in den olympischen DisziplinenFoto: Kieler Woche/okpress
Segel-Action im Zeichen der Ringe: Die Kieler Woche lockt vom 20. bis 28. Juni mit Preisgeld in den olympischen Disziplinen

Im Kampf gegen den ungünstigen Trend der zunehmenden Terminüberschneidungen und auch gegen die zu große Nähe zur Weltcup-Regatta im britischen Olympiarevier von Weymouth haben die Kieler-Woche-Organisatoren nun erste Maßnahmen eingeläutet. Sie wollen sich den vor drei Jahren verlorenen Weltcup-Status zurückerkämpfen und rechnen sich dafür bis 2019 gute Chancen aus, weil sich die anfänglich für Kiel inakzeptablen Bedingungen wie der Ausschluss von Parallelregatten in anderen Klassen und weitere Faktoren geändert haben. Man weiß an der Förde: Inzwischen sind individuelle Verträge für Weltcup-Veranstalter mit dem Welt-Seglerverband Isaf möglich geworden. Dass Kiel in den auch aus Sicht des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wichtigen Bereichen wie der Medialisierung längst international Maßstäbe setzt, ist ununmstritten. Auch dieses Potenzial wollen die Organisatoren in künftige Verhandlungen mit der Isaf mitnehmen.

Zusätzlich wollen sich die Kieler selbst um die Austragung von Welt- und Europameisterschaften bewerben, stehen diesbezüglich bereits in Gesprächen mit der Isaf und den Klassenvereinigungen. Damit könnten gleich zwei Ziele erreicht werden: sportliche Aufmerksamkeit für Kiels Segelsport-Wirken als Olympiabewerber und mehr eigenen Einfluss auf die Termingestaltung. Gleichzeitig werden zur Terminentspannung bereits im kommenden Jahr die olympischen und die internationalen Segler ihre Zeitfenster im Rahmen der Kieler Woche tauschen. So soll mehr Luft zwischen dem Weltcup in Weymouth und der Kieler Woche geschaffen werden. 2016 beginnt diese mit den internationalen Bootsklassen und endet mit einem Höhepunkt: den Medaillenrennen in den olympischen Disziplinen.

  Live-Vergnügen auch an Land: Die aufwändige Technik und erfahrene TV-Kommentatoren wie ZDF-Reporter Nils Kaben machen es in der Audi und SAP Sailing Arena möglichFoto: Kieler Woche/okpress
Live-Vergnügen auch an Land: Die aufwändige Technik und erfahrene TV-Kommentatoren wie ZDF-Reporter Nils Kaben machen es in der Audi und SAP Sailing Arena möglich

Der neue "KiWo"-Chef Dirk Ramhorst räumte ein: "Wir stehen in diesem Jahr vor einer Herausforderung, haben die bekannten Terminkonflikte. Wir müssen aber möglichst schnell wieder dahin kommen, dass kein Weg an Kiel vorbeiführt." Der Sprung zurück – nicht an die ohnehin beständig besetzte quantitative, sondern auch an die qualitative Spitze des internationalen Regattasports – soll mit dem bereits in diesem Jahr eingeführten Preisgeld, den selbst ausgerichteten Welt- und Kontinental-Titelkämpfen und dadurch einer besseren Terminkontrolle sowie dem ins Visier genommenden Weltcup-Status bis spätestens 2019 gelingen. Bis 2018 hatten Hyères und Weymouth den Zuschlag für die Austragung der beiden europäischen Weltcup-Regatten erhalten. Im Scheinwerferlicht der Olympiabewerbung ist der Kampfgeist der Kieler-Woche-Organisatoren offenbar neu entfacht worden.