Kieler WocheBuhl in böigen Bedingungen entzaubert

Tatjana Pokorny

 · 20.06.2014

Kieler Woche: Buhl in böigen Bedingungen entzaubertFoto: www.segel-bilder.de

Die Kieler Woche servierte zum Auftakt teilweise stürmische Böen, einen Rekord im Welcome Race und einen entzauberten Segler des Jahres

  Verpatzter Auftakt: Titelverteidiger Philipp Buhl will am Sonntag seine Aufholjagd startenFoto: Mark Lloyd/Oman Sail
Verpatzter Auftakt: Titelverteidiger Philipp Buhl will am Sonntag seine Aufholjagd starten

Für Philipp Buhl war der erste Tag der 120. Kieler Woche in ihrer 132-jährigen Geschichte kein guter Tag. Der 24-jährige zweimalige Segler des Jahres musste so oft kringeln, dass ihn später an Land ein Fan fragte, ob ihm wohl schwindelig geworden sei. Der WM-Dritte im Laser hatte sich nach eine Gelbflaggen-Bestrafung wegen unerlaubten "Body Rockings" schon in der ersten Wettfahrt mit zwei Kringeln bereinigen müssen. Nach gelungener Aufholjagd schaffte es der Titelverteidiger in dem Rennen aber noch auf Rang drei. In der zweiten Wettfahrt fuhr Buhl zunächst einem Konkurrenten ins Heck, weil er mit einem Knoten in der Schot nicht mehr rechtzeitig abfallen konnte. Anschließend kassierte er bei seiner zweiten Aufholjagd seine zweite Gelbe Flagge und musste das Rennen aufgeben. Eine dritte – das weiß er – würde zum Aus bei der Kieler Woche führen.

"Die Titelverteidigung habe ich deswegen nicht aus den Augen verloren", so Buhl nach den beiden Wettfahrten. Er werde die kommenden Rennen jedoch minimal vorsichtiger angehen, weil er sich nun keinen Streicher mehr leisten könne. Der Steuermann vom Segelclub Alpsee-Immenstadt freut sich auf den zweiten Tag, weil die Lasersegler dann nicht mehr auf der kurzen TV-Bahn in der Strander Bucht, sondern weiter draußen segeln. "Dort wird auf den längeren Abschnitten auch Geschwindigkeit eine wichtige Rolle spielen", so Buhl, in dessen Gesicht bei dieser Vorstellung das spitzbübische Lächeln schnell zurückkehrte. Vielleicht liegt Buhl ja auch mit seinem Tipp für das zweite Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft richtig. Der Sonthofener Sportsoldat tippte wenige Stunden vor den Anpfiff des Spiels gegen Ghana 2:1 für Jogis Jungs. Und während Buhl seglerisch noch nicht brillieren konnte, sorgte Tobias Schadewaldt für Aufmerksamkeit. Der Olympia-Elfte im 49er hatte sich Ende 2013 zum Comeback im Laser entschieden und segelte am ersten Tag der Kieler Woche in seinem Heimatrevier mit den Rängen fünf und zwei auf Platz drei.

  Dominierte seine 2.4mR-Klasse zum Auftakt: Heiko KrögerFoto: www.segel-bilder.de
Dominierte seine 2.4mR-Klasse zum Auftakt: Heiko Kröger
  Gewannen beide Rennen des Tages im Sonar: Die Paralympics-Silbermedaillengewinner Jens Kroker, Robert Prem und Siegmund Mainka. Noch ist das Feld mit nur vier Booten bei seiner Premiere ganz klein, doch schon im nächsten Jahr sollen mindestens ein Dutzend Sonare an den Start gehenFoto: www.segel-bilder.de
Gewannen beide Rennen des Tages im Sonar: Die Paralympics-Silbermedaillengewinner Jens Kroker, Robert Prem und Siegmund Mainka. Noch ist das Feld mit nur vier Booten bei seiner Premiere ganz klein, doch schon im nächsten Jahr sollen mindestens ein Dutzend Sonare an den Start gehen
  Rasantes Geschoss: "Musandam-Oman Sail" knackte die Zwei-Stunden-Marke in den teilweise extrem böigen Bedingungen mühelosFoto: Sander van der Borch/Oman Sail
Rasantes Geschoss: "Musandam-Oman Sail" knackte die Zwei-Stunden-Marke in den teilweise extrem böigen Bedingungen mühelos

Drei weitere deutsche Teams setzten zum Auftakt am Samstag in den olympischen und paralympischen Disziplinen erste Ausrufezeichen: Die 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel ersegelten einen Tagessieg und sind vorerst Vierte. Die beiden Paralympics-Silbermedaillengewinner Heiko Kröger im 2.4mR und Jens Krokers Team in der Sonar übernahmen in ihren Klassen die Führung. Organisationschef Peter Ramcke zog eine erste positive Zwischenbilanz: "Es war ein sportlich gelungener Auftakt mit teilweise ruppigen Bedingungen, aber auch etwas blauem Himmel."

  Neuer Kiel-Eckernförde-Rekord für "Musandam-Oman Sail": Die internationale Crew des Trimarans um Skipper Damien Foxhall mit Tim Kröger und Anna-Maria Renken unterbot den alten Rekord der "SAP Extreme" um 19 Minuten und 28 SekundenFoto: Sander van der Borch/Oman Sail
Neuer Kiel-Eckernförde-Rekord für "Musandam-Oman Sail": Die internationale Crew des Trimarans um Skipper Damien Foxhall mit Tim Kröger und Anna-Maria Renken unterbot den alten Rekord der "SAP Extreme" um 19 Minuten und 28 Sekunden

Für einen Rekord zum "KiWo"-Auftakt sorgte der schnelle Trimaran "Musandam-Oman Sail". Das rasante 21 Meter lange und knapp 17 Meter breite Geschoss mit dem irischen Skipper Damien Foxhall und den deutschen Seglern Tim Kröger aus Hamburg und Anna Maria Renken aus Bremen hat das Welcome Race von Kiel nach Eckernförde fast im Flug gewonnen, erreichte die Ziellinie in anfangs moderaten und später teilweise sehr frischen und böigen Bedingungen nach 27,5 Seemeilen in nur einer Stunde, 47 Minuten und 22 Sekunden als erste der 127 teilnehmenden Yachten. Damit unterbot die Oman-Botschafterin den bisherigen Rekord der "SAP Extreme" mit dem dänischen Skipper Jes-Gram Hansen aus dem vergangenen Jahr mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 35 Knoten um 19 Minuten und 28 Sekunden. Kröger sagte: "Dieses Boot zu segeln, erfordert die ganze Frau und den ganzen Mann. Es ist physisch extrem anspruchsvoll und wirklich fast wie Fliegen."

Im Rahmen des Welcome Race trugen auch die Teilnehmer an der Internationalen Deutschen Meisterschaft der Seesegler ihr erstes Rennen aus. In ORCint I siegte Harm Müller-Spreers gecharterte Carkeek 47 "Platoon" vor der Kieler J/ 49 "Immac One4All" mit Steuermann Kai Mares und der Swan 56 "Chrila". In ORCint II konnte sich der Einzelbau "Leu" mit Steuermann Albert Schweizer durchsetzen. Jens Ellermanns Varianta 44 "Burkh Bremen" segelte auf Rang drei vor Kalle Dehlers Dehler 38 C "Sporthotel". Bei den kleineren Booten triumphierte die "Solconia" mit Max Gurgel am Steuer. Die HSC-Rakete verwies nicht nur Axel Seehafers "Sportsfreund" und Knut Freudenbergs "Halbtrocken" auf die Ränge zwei und drei, sondern setzte sich auch in der Gesamtwertung aller IDM-Teilnehmer an die Spitze. Wettfahrtleiter Stefan Kunstmann attestierte den Hamburgern eine "überragende Leistung".

  Segeln mit Anspruch zum Auftakt der Kieler WocheFoto: www.segel-bilder.de
Segeln mit Anspruch zum Auftakt der Kieler Woche
  Auftakt zur 120. Kieler Woche 2014: 127 Boote nahmen am Welcome Race von Kiel nach Eckernförde teil. Der Start erfolgte in der InnenfördeFoto: www.segel-bilder.de
Auftakt zur 120. Kieler Woche 2014: 127 Boote nahmen am Welcome Race von Kiel nach Eckernförde teil. Der Start erfolgte in der Innenförde