Bau-Update75 Meter langes DynaRig-Format für Greenpeace

Sören Gehlhaus

 · 15.08.2026

Für das neue 75-Meter-Schiff von Greenpeace entstehen zwei je 60 Meter lange Masten bei Southern Spars in Polen.
Foto: Southern Spars
Greenpeace lässt bei Freire Shipyard in Spanien ein 75 Meter langes Forschungsschiff bauen. Als Hauptantrieb soll ein kommerzielles DynaRig von Southern Spars dienen. Die Rahen und 60 Meter langen Masten entstehen in Polen.

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Greenpeace lässt bei Freire Shipyard ein neues Forschungsschiff bauen. Bereits auf Kiel gelegt wurde der 75-Meter-Bau im galizischen Vigo. Nun gibt es neue Details zum Antrieb, der vorwiegend auf einem DynaRig beruht. Southern Spars liefert das Rigg, Dykstra Naval Architects zeichnet für Berechnungen und den Entwurf verantwortlich.

DynaRig als Hauptantrieb

​Mit den niederländischen Konstrukteuren von Dykstra realisierte Greenpeace bereits 2011 den 58 Meter langen Stagsegelschoner „Rainbow Warrior III“ als ersten Neubau der Umweltschutzorganisation. Das neue Flaggschiff erhält als weltweit erstes Schiff ein kommerzielles DynaRig-System. Und das wird von vornhinein als Antrieb angesehen, der in der Konzeption etwa zu kleineren Diesel-Tanks geführt hat. Das Rigg soll eine Antriebsleistung erreichen, die mit starken Schiffsmotoren vergleichbar ist.

Die Takelung bilden zwei Masten von je 60 Meter Höhe, aus deren Nuten sich entlang der Rahen per Knopfdruck 2.000 Quadratmeter Tuch von North Sails entrollen. Der Segelmacher gehört zur North Technololgy Group, zu der Southern Spars und neuestens auch North Windships zählen. Der Ableger richtet sich mit dem DynaRig-Konzept an die kommerziellen Schifffahrt. Die Bedienung erfolgt automatisiert. Ein Segler kann das System vom Steuerstand aus bedienen. Die Konstruktion nutzt moderne Verbundwerkstoffe. ​Die Rahen des Greenpeace-Schiffs werden zu einem gewissen Anteil aus GFK laminiert, wohingegen die bisherigen Superyachtprojekte aus Vollcarbon bestanden.

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Superyachten als „Versuchskaninchen“

​​​Seine Premiere feierte das automatisierte Rah-Rigg auf „Maltese Falcon“. Seit Inbetriebnahme vor 13 Jahren sei noch kein einziges strukturelles Teil ausgetauscht worden, berichtete Damon Roberts gegenüber YACHT 2019 an Bord der 88 Meter. Als technischer Leiter von Magma Structures war er für die Produktion verantwortlich. Von Magma aus dem Vereinigten Königreich kamen auch die Säbel-Masten von „Sailing Yacht A“ oder von „Black Pearl“.

Ende 2020 stiegen die neuseeländischen Mastbauer von Southern Spars ein, die den Markennamen DynaRig einführten und eigens eine Produktionsstätte im Süden Polens aufbauten. Die Hallen Nahe der Stadt Ustron können dank entsprechendem Ofen bis zu 80 Meter lange Spieren verlassen. Momentan entsteht dort neben dem Rigg für das neue 75-Meter-Schiff von Greenpeace ein ähnliches System für ein privates Katamaran-Projekt (57 m) aus Westaustralien. Auch eine Superyacht, die länger als 120 Meter werden soll, will Southern Spars mit einem DynaRig ausrüsten.

Einsatzgebiet und Ausstattung

Der Großsegler der Umweltschützer erhält eine Eisklasse-Klassifizierung, um in polaren Gewässern operieren zu können. An Bord gibt es Einrichtungen für wissenschaftliche Arbeiten. Die bis zu 38-köpfige Crew kann ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge und Tauchboote einsetzen. Das Schiff dient als Plattform für Umweltkampagnen und Forschungsprojekte. Das Konzept will Windantrieb mit weiteren emissionsarmen Energiesystemen kombinieren. Auf lange Sicht plant Greenpeace, das Schiff komplett ohne fossile Brennstoffe zu betreiben, sobald die Versorgungskette dies zulässt.

Windantrieb im kommerziellen Einsatz

Das DynaRig unterscheidet sich von herkömmlichen Takelagen, indem es sich automatisch nach dem Wind ausrichtet. Ein hydraulisches System steuert die Ausrichtung. Die Crew muss keine Schoten bedienen, es befinden sich keine Winschen an Deck. Das System arbeitet auch bei starkem Wind zuverlässig, gesetzt und gerefft werden die Rahsegel nach und nach. Die Konstruktion ist wartungsarm, Inspektionen erfolgen in festgelegten Intervallen.

Pionierprojekt auf Zielgeraden

​Der Stapellauf ist für 2027 geplant. ​Dann will Greenpeace zur See den Verbrauch fossiler Brennstoffe erheblich reduzieren und den CO₂-Fußabdruck minimieren. „Der Bau dieses Segelschiffs, das zum neuen Aushängeschild der Organisation werden wird, zeigt, dass es möglich ist, die maritimen Kapazitäten zu erweitern und gleichzeitig den CO₂-Fußabdruck drastisch zu verringern. Dieses neue Schiff, das von der Freire-Werft in Vigo nach den höchsten Umwelt-, Nachhaltigkeits- und Menschenrechtsstandards gebaut wird, steht für den neuesten Stand des umweltbewussten Schiffbaus“, sagt Fabien Rondal, stellvertretender Direktor des Internationalen Programms von Greenpeace International.

Technische Daten

  • Länge: 75 m
  • Rigg-Typ: DynaRig
  • Bauwerft: Freire Shipyard, Vigo, Spanien
  • Konstrukteur: Dykstra Naval Architects
  • Rigg-Lieferant: Southern Spars
  • Baubeginn: 2025
  • Geplante Indienststellung: 2027
  • Einsatzgebiet: weltweit, inklusive Polarregionen
  • Besondere Ausstattung: ROV- und Tauchboot-Einsatz möglich
  • Ziel: Emissionsfreier Betrieb
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Sören Gehlhaus

Sören Gehlhaus

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV

Sören Gehlhaus wurde 1981 in Berlin geboren und besegelte auf Jollen die Unterhavel, in den Ferien den Ratzeburger See und die Ostsee auf „Dickschiffen“. Zeitgleich mit dem Beginn des Studiums in Lübeck trat 2001 das Kitesurfen auf den Plan, und die intensive Ausübung des neuen Sports sorgte für den beruflichen Schwenk zum Journalismus. Nach Volontariat beim b&d Verlag in Hamburg folgten viele Jahre der redaktionellen Arbeit für ein Kitesurf-Magazin und 2018 der Wechsel zu BOOTE EXCLUSIV.

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