MesseInterboot-Premieren, Teil I: Dinamica 940

Jochen Rieker

 · 17.09.2010

Messe: Interboot-Premieren, Teil I: Dinamica 940Foto: YACHT/J. Rieker
Schlank & schön: Dinamica RS 940
In Friedrichshafen gibt es viele interessante Boote erstmals zu sehen – vor allem unter zehn Meter
Bild 1
Foto: YACHT/J. Rieker

Das Wetter ist eigentlich zu gut, um das Wochenende nicht auf dem Wasser zu verbringen. Aber bei der Interboot lohnt sich ein Tag drinnen. YACHT online zeigt alle Neuheiten vom Bodensee. Teil I: Dinamica RS 940

Vom Gardasee kommt ein eleganter, im Design sehr puristisch gehaltener Daysailer. Er erinnert in den Linien und vielen Details an Wettbewerber aus dem selben Segment, insbesondere die Brenta 30 und die Esse 990.

Zu den wichtigsten Merkmalen zählen das achterstaglose Rigg, das ein weit ausgestelltes Groß mit Squarehead-Topp ermöglicht, ein ausfahrbarer Kohlefaser-Bugspriet, der sehr tief gehende T-Kiel (2,10 m) für gute Kreuzeigenschaften und ein hohes aufrichtendes Moment sowie die Selbstwendefock, die das sportliche Boot auch für EInhandsegler prädestiniert.

Selbst mit dem kleinen Vorsegel erreicht die Dinamica ein beachtliches Potenzial. Ihre Segeltragezahl liegt bei 5,8. Das verspricht beste Leistung schon bei Leichtwind. Dafür sorgen auch die schmale Rumpfform sowie die relativ kurze Wasserlinie von 8,20 Meter bei 9,40 Meter Gesamtlänge — aufrecht gesegelt hat das Boot nur eine sehr geringe benetzte Fläche.

Als Konstrukteur zeichnete Claudo Maletto verantwortlich, mehrmaliger Weltmeister und Technischer Direktor für das Luna Rossa Team beim America's Cup.

Doch die RS 940 soll nicht nur seglerisch ein Genuss sein. Sie bietet unter Deck durchaus genügend Komfort für ein Wochenende zu zweit. Eigentlich könnten auch vier Gäste schlafen, doch dann wird der ohnehin nicht üppige Raum schnell eng. Denn das Boot bietet allenfalls Kriech- bzw. Sitzhöhe, im offenen Vorschiff kann man allenfalls bequem liegen.

Dennoch ist der Ausbau vergleichsweise komplett: Kocher, Kühlbox, Chemieklo sind vorhanden, dazu Stauraum fürs Nötigste und Tuchtaschen an den Bordwänden.

Das Finish des Prototyps, von außen schon sehr ordentlich, ließ unter Deck noch etwas zu wünschen übrig. "Wir haben die Bau-Nummer Eins erst in letzter Minute fertig bekommen", sagt Rolf Schlaefer, der das Projekt initiierte und darüber quasi zum Werftchef wurde.

So sei das zentrale Küchenmodul noch nicht in GFK ausgeformt, sondern als Sperrholz-Konstruktion. Man erkennt aber das Bemühen um Qualität. So ist der Rumpf im sichtbaren Bereich sauber mit Polyurethanfüller gespachtelt und bis auf die Rumpf-Deckverbindung absolut glatt. Dinamica-Erfinder Schlaefer, selbst Deutscher, hat bereits eine lange Liste von Verbesserungsmaßnahmen für das erste Kundenboot.

Warum die RS 940, wo es doch schon ähnliche Konstruktionen gibt? Er habe genau so ein Boot für sich selbst gesucht, sagt Rolf Schlaefer. "Aber was es am Markt gab, war mir deutlich zu teuer." Seine Dinamica kostet in der Basisausstattung ohne Motor unter 100.000 Euro — das ist nicht wenig für einen Daysailer, liegt aber weit unter den Preisen der etablierten Wettbewerber.

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Jochen Rieker

Jochen Rieker

Herausgeber YACHT

Aufgewachsen in Süddeutschland, hat Jochen Rieker das Segeln auf Bodensee, Ammersee und Starnberger See gelernt. Zunächst war er auf Pirat, H-Jolle und Tempest unterwegs, später auf Hobie Cat, A Cat und Dart 16. Aber wie das so ist: Je weiter entfernt das Meer, desto größer die Leidenschaft danach. Inspiriert durch die Bücher von Bobby Schenk und Wilfried Erdmann, folgte in den 90ern der erste Dickschifftörn im Ionischen Meer auf einer Carter 30, damals noch ohne Segelschein. Danach war’s um ihn geschehen. Als YACHT-Kaleu und Jury-Vorsitzender des European Yacht of the Year Award hat Rieker in den vergangenen mehr als 25 Jahren gut 500 Boote getestet. Sein eigenes, ein 36-Fuß-Racer/Cruiser, lag zuletzt in der Adria. Diesen Sommer verholt er es an die Schlei, wo er inzwischen lebt.

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