boot 2023“Möglichst viele Player vereinen” – boot-Chef Michelidakis zum “blue innovation dock”

Marcus Krall

 · 21.01.2023

boot 2023: “Möglichst viele Player vereinen” – boot-Chef Michelidakis zum “blue innovation dock”Foto: boot Düsseldorf
boot-Direktor Petros Michelidakis

Auf der boot Düsseldorf vom 21. bis zum 29. Januar 2023 dreht sich auf der Bühne des blue innovation dock (bid) in Halle 10 alles um nachhaltige und zukunftsorientierte Konzepte für den Wassersport. Welche Ziele hat das bid, wen soll es ansprechen? Boot-Direktor Petros Michelidakis über die neue Plattform für Visionäre, Investoren und Politiker

Herr Michelidakis, im August gab es schon eine virtuelle Vorab-Premiere des bid als Livestream, jetzt geht es neun Tage lang auf die Bühne. Was kann man vom bid erwarten?

Wir haben diese Idee schon länger gehabt, konnten sie durch die Pandemie aber leider nicht umsetzen. Das blue innovation dock soll den Dialog zwischen der Branche und der Politik intensivieren. Wir möchten auf die Wichtigkeit der Wassersport-Industrie hinweisen und einen gesetzlichen Rahmen anregen, in dem die Industrie wachsen kann. Contentpartner des bid ist der Verband der European Boating Industry (EBI) mit Sitz in Brüssel.

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Aufmerksamkeit als oberstes Ziel?

Unter anderem, natürlich. Es müssen jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Bereits unsere virtuelle Premiere im August hatte zur Folge, dass die EU eine Wassersport-Roadmap entwickelt, die erstmals auf der boot präsentiert wird. Darauf bin ich schon ein wenig stolz.

Welche Rolle spielt die boot beim bid?

Wir sind die weltgrößte Wassersport-Messe und bieten uns deshalb als Plattform an. Wir haben sowohl B2C- als auch B2B-Besucher, und alle großen Werften sind hier. Deshalb ist die boot prädestiniert dafür, einen Dialog zu intensivieren. Wir sind auf diesem Gebiet keine Pioniere, aber bestens geeignet, um möglichst viele Player zusammenzubringen.

Welche Themen kommen auf den Tisch?

Es wird um die ganze Bandbreite gehen. Wie sinnvoll sind E-Fuels? Wie gut ist Wasserstoff als Kraftstoff geeignet? Wie können Marinas schneller digitalisiert werden? Kann ich Wassersportler einbinden, um bedrohte Reviere zu schützen? Wie fahren wir in 30 Jahren mit dem Boot? Um die richtigen Themen zu setzen und gleichzeitig ein Meinungsbild einzuholen, haben wir eine Studie initiiert, mit dem ADAC 1.500 Bootsfahrer befragt und außerdem Mitglieder unseres boot.club. Das bid ist also sehr dicht dran am Markt, und deshalb hoffe ich, dass die Politik und andere Entscheidungsträger es aufmerksam verfolgen. Schon jetzt stellen 100 Aussteller mit nachhaltigen Antriebslösungen auf der boot 2023 aus.

Die boot widmet die Hallen 13 und 14 der sogenannten „Destination Seaside“. Dieser Küstentourismus ist aktuell in aller Munde. Wird er auch in das bid integriert?

Das Thema Coastal Tourism (Küstentourismus) ist in der Tat sehr aktuell und wichtig. Er, also der Tourismus in unmittelbarer Küstennähe bis elf Kilometer ins Landesinnere, erwirtschaftet jedes Jahr 240 Milliarden Euro in Europa. Davon generiert die Wassersportindustrie zwischen elf und zwölf Prozent, also 25 bis 30 Milliarden Euro. Diese Erhebung haben wir zusammen mit dem European Tourism Board erstellt. Ein kleiner Hinweis dazu vielleicht noch: Boote tragen dabei übrigens nur 0,1 Prozent zum gesamten CO2-Ausstoß in der EU bei. Und wir sprechen hier von 6,5 Millionen Booten bis 24 Meter Länge, die in der EU gemeldet sind. Durchschnittliche Betriebsstunden pro Jahr: 35 bis 50.

Das scheinen mir in puncto Emissionen einigermaßen gute Werte zu sein.

Sind es auch. Wir müssen als Branche mitunter aber vielleicht auch die Extrameile gehen, weil wir im öffentlichen Fokus stehen, insbesondere die größeren Yachten. Ich sehe diese aber als Teil des Coastal Tourism und vergleiche sie gern mit einem Hotel – es wird darauf gewohnt, gegessen, es gibt Entertainment. Und: Wie viele Yachten liegen in Marinas, die als Wohnstätte dienen? In Griechenland ist das beispielsweise sehr gefragt.

Soll heißen, es geht auch um gesellschaftliche Veränderungen?

Absolut. Schauen wir uns doch an, wie wir sehr wahrscheinlich in Zukunft leben werden. Wir werden die Vier-Tage-Woche haben. Junge Leute werden den Arbeitgeber wählen, der dies anbietet. Um diesen einen Tag kämpft auch die Bootsindustrie. Wir müssen dabei an die Nutzung der Boote und Yachten denken. Wir müssen wesentlich digitaler werden und in der aktuell guten Marktlage investieren. Auch dafür, für Inspirationen in dieser Hinsicht, haben wir das bid geschaffen.

Ist die Bereitschaft für Veränderung denn da?

Ich sehe an der Resonanz auf das bid, dass das Interesse aus der Industrie sehr groß ist. Außerdem sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Wir sind ein milliardenschwerer Markt, der wahrscheinlich noch ausbaufähig ist, wenn die Gesellschaft sich so verändert, wie dies von vielen Experten prognostiziert wird. Als Werft könnte ich mir doch Gedanken machen, wie ich mit meinem Produkt daran noch besser partizipiere. Das funktioniert aber wahrscheinlich nicht über das Design und die Motorisierung, sondern über die Nutzung.

Wir müssen in den Dialog kommen. Es geht nicht darum, wer im Recht ist, sondern um den Erhalt der Reviere”

Können die Besucher der boot das bid eigentlich unkompliziert, also ohne Anmeldung, verfolgen?

Ja, ganz genau. Einfach hinsetzen, zuhören und sich inspirieren lassen. Wir werden etwa 40 bis 50 Sitzplätze bereitstellen und haben jetzt schon 60 Sprecher und Diskussionsteilnehmer, die auf der Bühne präsent sein werden. Am ersten Tag wird es direkt eine Session zwischen Politik und Wirtschaft geben, damit dort die ersten Weichen gestellt werden. Das tagesaktuelle Programm steht auf unserer Website und wird zudem über die Social-Media-Kanäle der boot gespielt. Am Eröffnungstag beispielsweise tauschen sich Politiker mit Werftvertretern aus. Recht prominente Gäste haben sich dazu angekündigt.

Wie sieht es im Idealfall nach neun Tagen blue innovation dock aus, welches Ergebnis wünschen Sie sich?

Dass wir ausreichend Infos über die Branche an politische Entscheidungsträger vermittelt haben, sodass die Entwicklung in Sachen Nachhaltigkeit schneller vorangetrieben werden kann. Obwohl wir Wassersportler nur für 0,1 Prozent der EU-weiten Emissionen sorgen, ist es wichtig, dass wir stark daran mitwirken, dass unsere Reviere sauber bleiben und sauberer werden. Es wäre fantastisch, wenn wir Rahmenbedingungen schaffen könnten, die branchenübergreifend und EU-weit greifen. Warum schützen die Spanier und die Deutschen das Seegras auf ihre Art und Weise und die Griechen – und Sie wissen, ich bin Grieche – es überhaupt nicht? Wir müssen in den Dialog kommen. Es geht nicht darum, wer im Recht ist, sondern darum, dass wir unsere Reviere für die kommenden Generationen erhalten.

Was rufen Sie jungen Menschen zu, die sich um ebendieses Thema sorgen?

Dass gerade die Wassersportbranche vom sauberen Klima und Gewässern abhängig ist. Die boot wird als Netzwerkplattform die Sensibilisierung der Gesellschaft, egal ob jung oder alt, weiter vorantreiben. Vor allem werden wir mit den Entscheidungsträgern in der Politik den Dialog fördern, um für die nötige Transformation zu sorgen und die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen.

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