Gelcoat trotzt UV-Strahlung und Witterung über Jahrzehnte. Trotzdem sammeln sich über die Zeit kleine Macken an: Eine heruntergefallene Winschkurbel, ein weniger gelungenes Anlegemanöver oder eine schlecht vorgebohrte Schraube führen zu Haarrissen, Schrammen und Macken. Typische Schäden, die sich früher relativ einfach beheben ließen: Man kaufte ein Gelcoat-Reparaturset, spachtelte die Stelle aus, schliff und polierte – eine reine Fleißaufgabe. Wenn man die Farbe einigermaßen getroffen hatte, war die Reparatur kaum noch zu sehen.
In den letzten Jahren hat sich das geändert. Aufgrund der Chemikalien-Verbotsverordnung sind klassische Gelcoat-Harze für Privatleute praktisch nicht mehr erhältlich, weil sie Styrol als Lösemittel enthalten. Die jetzt im Handel befindlichen Produkte nutzen Vinyltoluol (VT) als Lösemittel. Das Problem: VT-Harze reagieren langsamer aus und entwickeln viel weniger Reaktionswärme.
Das hat direkte Folgen für die Verarbeitung. Damit überhaupt genug Reaktionswärme für die Aushärtung entsteht, geben die Hersteller eine Mindestmaterialstärke von einem Millimeter an. Feines Ausspachteln mit dünn auslaufenden Rändern geht nicht mehr.
Daher gibt es neben den Reparatursets eine Reihe neuer Produkte wie den Crack-Repair-Lack und den Gelcoat-Spachtel, die das Ausbessern von Macken erleichtern sollen. Für welchen Schaden welches Mittel am besten ist und was man bei der Verarbeitung beachten sollte, haben wir hier in den Schritt-für-Schritt-Anleitungen zusammengestellt:
Gelcoat Crack-Repair funktioniert wie ein Lackstift fürs Auto. Es ist für feine Risse gedacht, die meist nur durch Verfärbung auffallen. Es zieht in Haarrisse ein und lässt sie optisch verschwinden. Auch kleine Macken an Kanten lassen sich damit kaschieren. Es ist ein Nitrolack, der sehr schnell aushärtet. Allerdings ist er mechanisch nicht besonders belastbar.
Für kleine Macken im Strukturdeck ist der Spachtel ideal. Er lässt sich gut modellieren und benötigt keinen Luftabschluss, um klebefrei auszuhärten. Dadurch erspart man sich das Anfertigen eines Stempels. Lediglich die geringe UV-Stabilität kann zum Problem werden.
Topcoat ist für komplizierte Formen ideal, die sich nicht mit Folie abdecken lassen. Topcoat enthält Paraffin, das für Sauerstoffabschluss sorgt. Es härtet klebefrei aus. Nachteil: Bei mehrschichtigem Auftrag muss das Paraffin vor der nächsten Schicht entfernt werden. Außerdem hat Topcoat das Temperaturproblem der VT-Harze – ein Heizlüfter ist nötig.
Leider erkauft man sich die einfache Anwendung und die verordnete Styrolfreiheit mit einigen Kompromissen in Sachen Haltbarkeit. Das trifft vor allem den Gelcoat-Spachtel. Er lässt sich gut verarbeiten und härtet dank eines Amin-Kobalt-Beschleunigersystems auch in sehr dünnen Bereichen sehr zügig aus.
Die Nachteile: Der hohe Füllstoffanteil macht ihn anfälliger als echtes Gelcoat. Er ist nicht UV-stabil, die Reparatur kann sich in der Sonne verfärben, außerdem ist er nicht so feuchtigkeitsstabil wie echtes Gelcoat. Für den Überwasserbereich kann er verwendet werden. Dauerhaft unter Wasser sollte die Reparaturstelle aber nicht liegen.
Der Crack-Repair-Lackstift ist ideal, um kleine Macken oder Haarrisse in Sekunden verschwinden zu lassen. Wer sein Gelcoat danach kräftig aufpoliert, entfernt den Lack aber auch genauso schnell wieder. Dieses Problem besteht beim Nautic Topcoat nicht. Da es sich um ein VT-Harz handelt, muss aber mit ausreichender Schichtstärke gearbeitet werden. Das überschüssige Material an den Rändern ist nach dem Aushärten abzuschleifen.
Bei vielen Gelcoat-Reparaturen ist allerdings nicht das Füllen oder Schleifen die größte Hürde, sondern die Farbe. Selbst kleine Tonabweichungen fallen auf hellen Flächen sofort auf. Und wenn der Schaden tiefer geht oder das Laminat betroffen ist, reicht eine reine kosmetische Gelcoat-Reparatur nicht mehr aus. Hier lesen Sie, wie Sie kleine und große Löcher im Rumpf verschließen.
Sind moderne Gelcoat-Reparaturprodukte für Sie ein echter Fortschritt oder eher ein Kompromiss mit Nachteilen? Diskutieren Sie mit und schreiben Sie Ihren Eindruck in die Kommentare.

Redakteur Test & Technik
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