Der große Klebe-Guide, Teil 5Rohre, Spachteln, Beams, Beschläge

Hauke Schmidt

 · 09.03.2026

Der Klebe-Guide wird präsentiert von
Der Klebe-Guide
Der große Klebe-Guide, Teil 5: Rohre, Spachteln, Beams, BeschlägeFoto: YACHT/N. Günter
Im letzten Teil stellen wir weitere Anwendungsbeispiele für Epoxidharz vor, die sich problemlos selbst umsetzen und nachmachen lassen.

​Die Inhalte in diesem Special:

Hier geht es noch einmal um die Reparatur von GFK- und Kohlefaserbauteilen mit Epoxy. Bedarf dafür entsteht schnell. Ein missglücktes Manöver, bei dem man kurz das Gleichgewicht verliert und sich auf dem Pinnenausleger abstützt, ein verpatztes Spi-Manöver – das reicht schon, um die leichten Kompositbauteile in ihrer Festigkeit zu kompromittieren. Insbesondere Kohlefaserlaminate sind bei Schlag- und Knickbelastungen sehr empfindlich.

Rohre reparieren mit Epoxidharz

Der Vorteil: CFK- und GFK-Rohre lassen sich vergleichsweise unkompliziert reparieren. Der Kniff: Statt herkömmlicher Verstärkungsgewebe kommt ein schlauchförmiges Kohlefasergeflecht zum Einsatz. Solche Instandsetzungen gelingen im Notfall sogar zwischen zwei Regattaläufen – vorausgesetzt, man arbeitet mit dem Epoxidharz von West System. Mischt man zusätzlich etwas Fünf-Minuten-Epoxid bei, lässt sich der schnelle Härter für besonders dringende Arbeiten nochmals beschleunigen.

Mit Flechtschläuchen lassen sich aber nicht nur Rohre reparieren und verstärken, sondern sogar komplett selbst bauen, etwa für einen Gennaker-Rüssel oder Spibaum. Dazu einfach ein PVC-Rohr nehmen und mehrfach mit Kohlefaserschlauch überziehen.

Pinnenausleger aus Kohlefaser geben bei Knickbelastung schnell nach, wir simulieren den Schaden an einer Angelrute.
Foto: YACHT/N. Günter

Flächen verstärken mit Epoxidharz und Prisma-Beams

Nicht weniger praktisch als die Geflechte, die es auch aus Glasfaser gibt, sind die Prisma-Beams genannten Verstärkungsprofile. Sie bestehen aus einem leichten Polyurethanschaum als Kernmaterial und darüber platzierten Glasfasergelegen. Mit ihrer Hilfe lassen sich beispielsweise weich gewordene Decks stabilisieren oder die Vorschiffssektionen älterer, zu leicht gebauter Yachten aussteifen. Je nach Funktion und Bereich lassen sich die Prisma-Beams als Decksbalken, Stringer oder Spanten einsetzen. Sie sind in unterschiedlichen Querschnitten und Profilen erhältlich.

Die Prisma-Beams bestehen aus Glasgelege und Polyurethanschaum. Sie sind 1,22 Meter lang und lassen sich gut zuschneiden.
Foto: Hauke Schmidt

Spachteln mit Epoxidharz

Dass Epoxidsysteme in der Regel ohne Lösungsmittel auskommen, ist gerade beim Spachteln ein großer Vorteil, denn die Masse schrumpft beim Aushärten nicht. Vertiefungen müssen also nicht überfüllt werden, um später die hoffentlich korrekte Höhe zu erreichen.

Außerdem lässt sich die Konsistenz je nach Größe und Ausrichtung der Reparatur so anpassen, dass sich der Spachtel gut verarbeiten lässt, ohne abzutropfen oder wegzulaufen – ein entscheidender Vorteil. Fertige Spachtelmischungen aus der Dose bieten diese individuelle Einstellbarkeit nicht.

Der Reparaturbereich wird großflächig mit 80er-Papier angeschliffen, bis die Oberfläche gleichmäßig matt ist.
Foto: Yacht/N. Günter

Beschläge mit Epoxidharz aufkleben

Eine eher selten genutzte, aber sehr praktische Anwendung von Epoxid ist das Aufkleben ganzer Beschläge. Dazu wird das Harz mit einem Hochdichtefüller angedickt und ersetzt sowohl Dichtmasse, Muttern als auch Gegenplatten. Epoxid-Experte Helge von der Linden propagiert die Verklebung unter anderem für Relingfüße, Winschen, Klampen und andere stark belastete Beschläge.

Vorteil dabei: Die auf die Bauteile wirkenden Kräfte werden besser in Rumpf und Deck eingeleitet als beim üblichen Verbolzen oder Verschrauben. Damit das System funktioniert, sind allerdings Umbauten nötig. Beispiel Relingfuß: Am Montageort der Stütze wird ein größerer Holzklotz mit Epoxid unter das Deck geklebt. Anschließend setzt man den Fuß aufs Deck und bohrt von oben passende Sacklöcher in den Klotz. Der Lochdurchmesser wird rund zwei Millimeter größer gewählt als die Befestigungsschrauben der Stütze.

Sind diese Vorarbeiten abgeschlossen, füllt man die Löcher mit dem eingedickten Harz und setzt die Schrauben ein. Nach dem Aushärten sitzt der Beschlag dauerhaft fest. Da ein großflächiger Kraftschluss vorhanden ist, muss man nicht befürchten, dass sich die Schrauben losruckeln oder der Flansch undicht wird. Einzig die Demontage ist mühsamer. Um mit Epoxid verklebte Schauben zu lösen, müssen sie per Lötkolben auf rund 180 bis 200 Grad erhitzt werden, dann erst verliert das Harz seine Festigkeit.

Am gebrochenen Muster ist der Aufbau der Klebung mit Sackloch gut zu erkennen, die Verbindung war fester als der Hartholzklotz.
Foto: YACHT/N. Günter

Gelcoat auf Epoxid, geht das überhaupt?

Epoxidharz ist ein ideales Reparaturmaterial, hat aber eine Schwachstelle: Es ist nicht UV-beständig. Sobald die Oberfläche der Sonne ausgesetzt ist, muss eine zusätzliche Versiegelung her. Für Bauteile wie einen Spibaum oder Pinnenausleger bietet sich eine Lackierung an. Im Grunde kann dazu jeder Lack verwendet werden. Um eine robuste und kratzfeste Oberfläche zu bekommen, empfiehlt sich aber ein Zwei-Komponenten-System. Je nachdem, ob klar oder farbig lackiert werden soll, kann noch ein Primer eingesetzt werden, um Poren in der Oberfläche zu schließen.

Schwieriger wird es bei Reparaturen am Deck oder am Freibord, also in Bereichen, die in der Regel mit Gelcoat versehen sind. Als Laie wird man die Epoxid­-Reparatur mit einem Lacksystem kaum unsichtbar abdecken können, da zum Gelcoat immer Kanten und Farbunterschiede entstehen.

2K-Primer. Für epoxidbasierte Grundierun­gen genügt es, den Untergrund vorher abzuwaschen und leicht anzuschleifen
Foto: Hauke Schmidt

Der naheliegende Weg, anstelle eines Lacks Gelcoat zu verwenden, erfordert allerdings besondere Vorkehrungen. Denn die Harzsysteme vertragen sich nicht miteinander. Das Problem sind die im Epoxidharz enthaltenen Amine, die sich beim Aushärten zudem als Aminröte an der Oberfläche ablagern. Die Rückstände stoppen die Kettenreaktion der Polyesterhärtung. Sprich: Das Material bleibt dauerhaft klebrig.

Die Meinungen darüber, ob und wie man Gelcoat auf Epoxid auftragen kann, gehen auseinander. Laut Epoxid-Experte Helge von der Linden muss das Harz nur vollständig ausgehärtet, abgewaschen und angeschliffen sein. Andreas Woyda vom Polyesterproduzenten Vosschemie empfiehlt zusätzlich einen Polyurethan-Primer als Sperrschicht, bevor das Gelcoat aufgetragen wird.


Die Videos zur Serie:

Teil 1: Laminieren, reparieren, kleben oder beschichten ... mit Epoxidharz ist vieles möglich. Wir waren daher einige Tage bei der Von der Linden GmbH im Werkraum und haben Helge von der Linden alles gefragt, was wir schon immer über das Wunderharz wissen wollten. Im ersten Teil unserer neuen Serie geht es zunächst um die Grundlagen, danach zeigt Helge, wie man Holzoberflächen mit Epoxidharz beschichtet. Ein vollständiger Gratis-Workshop für alle Eigner!


Teil 2: Im zweiten Teil unserer Epoxy-Guide-Serie geht es um die oft genutzte Fähigkeit von Epoxidharz: das Laminieren. Ob Lochreparatur im GFK oder lose Schotten wieder fest bekommen – nach diesem Videolehrgang kann jeder Hohlkehlen ziehen und laminieren!


Teil 3: Im dritten Teil unserer Epoxidharz-Guide-Serie bei YACHT tv dreht sich alles um Füllstoffe und die Reparatur von Kohlefaser und weichen GFK-Decks. Mit dem Wissen kann jeder Hand anlegen, denn das Arbeiten mit Epoxidharz ist kein Hexenwerk. Fachmann Helge von der Linden zeigt die Reparaturen Schritt für Schritt.


Teil 4: Nach dem Beschichten, Reparieren und Laminieren geht es im letzten Teil um das Thema Spachteln ... besonders bei kleinen Schäden im GFK ist eine solche Reparatur nötig. Außerdem zeigt uns Helge seinen Lieblingseinsatz von Epoxid: das Einkleben von Beschlägen. Wir haben getestet, bis zu welchen Kräften so etwas wirklich hält.


Hauke Schmidt

Hauke Schmidt

Redakteur Test & Technik

Hauke Schmidt zog bereits im Opti-Alter an die Küste und wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf. Seit 2006 ist der Diplom Ozeanograf als Redakteur im Ressort Test & Technik tätig. Zu den Kernaufgaben gehören Ausrüstungs- und Bootstest, aber auch Praxisthemen rund um Elektronik, Seemannschaft und Refit. Als leidenschaftlicher Selbermacher verbringt er die Sommer am liebsten mit seiner Familie auf dem Wasser und die Winter mit Arbeiten am Boot.

Meistgelesen in der Rubrik DIY