Verunreinigter KraftstoffWas gegen die Dieselpest im Kraftstofftank hilft

Holger Peterson

, Alexander Worms

, Felix Keßler

 · 30.05.2019

Verunreinigter Kraftstoff: Was gegen die Dieselpest im Kraftstofftank hilftFoto: Hauke Schmidt

Schlamm im Dieseltank wird immer häufiger zum Sicherheitsproblem – er verstopft Leitungen und führt zum Ausfall der Maschine. Was Eigner tun können

Ein sauberer Tank, so schreibt es die niederländische Rettungsgesellschaft KNRM in einer Broschüre für Wassersportler, sei schon mal ein guter Anfang für mehr Sicherheit. 572-mal mussten die Retter in 2016 zwischen Schelde und Ems zu Fahrzeugen mit einer Motorstörung ausrücken. In etwa 80 Prozent davon war die Ursache ein durch Dieselpest defektes Kraftstoffsystem.

Bei der DGzRS wird ein solcher Einsatz ohne Gefahr für Leib und Leben als Hilfe­leistung gewertet. Insgesamt 941 davon wurden allein 2016 gefahren. Auch vor deutschen Küsten stammt das Unheil oft von verdrecktem Diesel. Hinzu kommen unzählige Vorfälle auf Binnengewässern, die durch die Statistik der Retter nicht erfasst sind.

Die Probleme begannen, seit laut dem Biokraftstoffquoten­gesetz dem Diesel Bioanteile beigemischt werden müssen, um so den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) im Verkehr zu verringern. Diese Bioanteile bestehen nicht aus fossilem Erdöl, sondern werden aus nachwachsenden Rohstoffen wie Raps gewonnen, die während ihres Wachstums das CO2 binden, das bei der Verbrennung im Motor entsteht. Ein Kreislauf also.

Was hilft gegen das Bakterienwachstum im Dieseltank?

An Bord allerdings bringt die Klimafreundlichkeit massive Probleme: "Bei Biodiesel ist die Neigung zur Emulsionsbildung mit Wasser höher. Dringt also Wasser in den Tank ein, sickert es nicht wie bei normalem Diesel einfach auf den Boden – Diesel hat ja eine geringere Dichte als Wasser –, sondern bleibt im Kraftstoff hängen", weiß Christian Burmester, der sich mit seiner Firma MFT Mikrofiltertechnik auf die Inspektion von Tanks spezialisiert hat.

Gegen Bakterien helfen beigemengte Biozide, wie Grotamar. In mehreren Tests wurde die Wirkung festgestellt. Ein anderes Mittel, den "Datacol-Dieselsystemreiniger", bietet die österreichische Firma Datacol Aus­tria an.

Bewahrer 1: Deutz, einer der größten Hersteller von Dieselmotoren, hat InSyPro entwickelt. Auch dieses Mittel soll den Kraftstoff lange fit halten
Foto: Hersteller

Doch was, wenn der Tank längst befallen ist, der Schlamm längst an den Tankwänden klebt und Leitungen und Filter in regelmäßigen Abständen verstopft? Dann muss der Tank gereinigt werden. Und das ist erschreckend oft der Fall.

  Trübe Plörre: Schon die Farbe verrät, dass dieser Kraftstoff seine besten Tage vermutlich längst hinter sich hatFoto: Holger Peterson
Trübe Plörre: Schon die Farbe verrät, dass dieser Kraftstoff seine besten Tage vermutlich längst hinter sich hat

Die Bilanz von einem der Aufträge von MFT: Von 30 in Kroatien gewarteten Booten waren 21 Tanks kontaminiert und 18 komplette Reinigungen erforderlich.

Welche Tankformen besonders betroffen sind und wie eine Tankreinigung abläuft

  So kann der Schleim aussehen, der erst Filter und dann Leitungen zusetztFoto: Schmidt, Hauke
So kann der Schleim aussehen, der erst Filter und dann Leitungen zusetzt

Das Vorgehen von MFT bei einer Tankreinigung sieht folgendermaßen aus: Per Handkamera werden sämtliche Tanks über einen Monitor begutachtet und dann die Maßnahmen besprochen. Werden Verunreinigungen festgestellt, hat die Firma mehrere Möglichkeiten: Abpumpen, Feinfiltern und Zwischenlagern des Kraftstoffes; nach der Reinigung wird er zurückgepumpt, ansonsten entsorgt. Je größer die Inspektionsluke, desto einfacher geht die Reinigung meist auch für Eigner.

Es zeigt sich außerdem: Bauart- und nutzungsbedingt sind einige Tankanlagen besonders betroffen. Ragt ein Metalltank beispielsweise in den geheizten Bereich einer Kajüte, bildet sich mehr Kondenswasser. Temperaturschwankungen sind in Kunststofftanks geringer, besonders außerhalb der Kajüte. Weitere Wasserquellen können Tankeinfüllstutzen an Deck oder Tankentlüftungen in Anker­kästen durch überkommendes Wasser sein.

Mit welchen Mitteln sich vorbeugen lässt

  Vorfilter sollen zumindest Wasser abscheiden könnenFoto: Hersteller
Vorfilter sollen zumindest Wasser abscheiden können

Wenn der Tank einmal sauber ist, gibt es auch ganz simple Lösungen. Premium-Dieselsorten zum Beispiel: Sie werden von Shell als "V-Power-Diesel" verkauft, von Aral unter dem Namen "Ultimate" und bei OMV als "MaxxMotion". Die optimierten HVO-Kraftstoffe (Hydrated Vegetable Oil) sollen angeblich nicht nur mehr Leistung bringen, sondern auch die Leitungen reinigen und neue Ablagerungen verhindern.
Mit den HVO-Kraftstoffen sind auch keine Biozide nötig.

Aral-Sprecher Detlef Brandenburg rät sogar ausdrücklich von der prophylaktischen Zugabe ab. So werde vermieden, dass Bakterien, Hefe und Pilze resistent gegenüber den eingesetzten Wirkstoffen würden. Nur bei einem akuten Befall sei der Biozideinsatz ein probates Mittel.

Die Crux: An deutschen Bootstankstellen sind diese Kraftstoffe in der Regel nicht erhältlich; dann muss man mit Kanistern arbeiten. Anders die Situation in Dänemark, hier wird an Hafentankstellen in der Regel biofreier Diesel abgegeben, der entsprechend gekennzeichnet ist.

  Spezieller Schiffsdiesel ist noch immer selten; anders sieht es in Dänemark ausFoto: F.Gunkel
Spezieller Schiffsdiesel ist noch immer selten; anders sieht es in Dänemark aus

Auch Dieselheizungen sind betroffen

Was dem Motor schadet, dürfte auch eine Heizung beeinträchtigen. Eine mit Biodiesel betriebene probeweise zerlegte Heizung von Eberspächer zeigt im Werk Verklebungen in der Kraftstoffpumpe. Zum Heizbetrieb taugen Biodieselbeimischungen also ebenfalls nicht.

Bakterien, Kondenswasser, Überalterung und Verharzung: Diesel mit Bio-Bei­mischung hat viele Feinde. Biozide helfen allein nicht weiter – Überdosierung kann sogar schaden. Sogenannte HVO-Kraftstoffe sind nach Konzernangaben stabil und geben Seglern die Sicherheit zurück, mit der sie vor Einführung des Biokraftstoffquotengesetzes auf die Lagerfähigkeit von Diesel vertrauen konnten.

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