Ratgeber20 Tipps für bessere selbst gedrehte Segelvideos

Ratgeber: 20 Tipps für bessere selbst gedrehte SegelvideosFoto: Mike Peuker

Wie werden aus bewegten Bildern bewegende Filme, für die sich die Zuschauer begeistern? Mike Peuker ist erfolgreicher Segel-Youtuber. Er verrät, worauf es beim Dreh an Bord ankommt

Mike Peuker, 58, im früheren Leben Pilot und Bootsvercharterer (www.klassiker-segeln.de), betreibt einen der wenigen erfolgreichen privaten und deutschsprachigen Youtube-Segelkanäle mit aktuell über 3.000 Abonnenten. Einzelne seiner Filme, in denen er überwiegend von seinen eigenen Segeltörns, von Arbeiten rund ums Boot oder auch über die Klassiker-Szene berichtet, werden weit über 20.000-mal angeklickt; gut eine halbe Million Mal ist seine Youtube-Seite in den vergangenen Jahren bereits aufgerufen worden. www.youtube.com/mikepeuker

Hier erklärt Peuker, wie man sich dem Thema Segelvideo nähern kann und wie jeder mit geringem Aufwand ansprechende Videos hinbekommt.

Der Inhalt des Videos

  Jeder Film braucht eine Hand­lung. Die überlegt und notiert man sich am besten vorabFoto: Mike Peuker
Jeder Film braucht eine Hand­lung. Die überlegt und notiert man sich am besten vorab

Wie sieht das ideale Segelvideo aus? Natürlich ist diese Frage nicht allgemeingültig zu beantworten, hängt sie doch von vielen Faktoren ab. Der wichtigste vielleicht: Wer soll das Publikum sein – Frauen, Männer, Alte, Junge, Profis oder Freizeitsegler? Und soll ein Lehrvideo, ein Reisebericht, eine technische Anleitung oder etwas ganz anderes produziert werden? Stehen Menschen im Vordergrund des Geschehens, oder sollen die Zuschauer teilhaben an toller Landschaft, an spektakulärer Segelaction? Liegt der Fokus auf technischen Details, oder dreht sich alles um die weite Welt?

Meine Empfehlung ist in diesem Punkt glasklar: Ein Video sollte konsequent so gestaltet sein, wie es einem selbst gefallen würde. Krampfhafte Überlegungen, mit welchen Themen man maximal viele Zuschauer erreichen könnte, führen selten zum Erfolg.

Trotzdem ist es sinnvoll, sich Videos auf anderen Segelkanälen anzuschauen und sich davon inspirieren zu lassen. Zum Üben darf man auch einmal kopieren. Mit der Zeit und mit zunehmend mehr veröffentlichtem Material entwickelt sich ohnehin ein individueller Filmstil.

1. Klein anfangen

Gerade zu Beginn, wenn alles noch nicht so richtig perfekt ist, empfiehlt es sich, eher kurze Videos zu produzieren. Es ist einfacher, zehn Minuten spannend zu halten als ein zweieinhalbstündiges Filmepos. Also bitte nicht gleich mit einem Kinofilm starten!

2. Ein Drehbuch

Jeder Film braucht eine Geschichte, die er erzählt. Am besten verleiht man seinem Werk als Erstes einen aussagekräftigen Titel. Den sollte man sich immer wieder in Erinnerung rufen, wenn man merkt, dass man inhaltlich auf Abwege gerät oder sich in Details zu verlieren droht. Und auch der Zuschauer ist dankbar, wenn er anfangs erfährt, was ihn erwartet. Idealerweise nimmt man ihn virtuell mit auf die eigene Reise.

Loszusegeln und unterwegs einfach mal ohne Plan alles Mögliche zu filmen, in dem Glauben, anschließend einen handlungsstarken Film daraus zusammenbasteln zu können, führt hingegen selten zum Erfolg. Zunächst muss die Geschichte im Kopf oder gar in Stichworten auf Papier sein, dann kann man gezielt die Bilder dafür mit der Kamera einfangen.

3. Mehr Drama!

Ohne Spannungsbogen, der die Zusehenden bei der Stange hält, geht es nicht besonders gut. Wenn das beste Pulver schon am Anfang verschossen und der Film dann immer schwächer wird, sieht keiner bis zum Ende zu. Der „Tatort“ hört schließlich auch mit dem Moment auf, wenn der Mörder entlarvt ist – und das ist typischerweise nie vor Minute 85 der Fall.

Klar hat nicht jeder während eines Törns die Muße, bei hohen Wellen oder gar im Sturm auch noch zu filmen. Der Mast bricht auch nicht ständig, und selbst einen streikenden Motor kann man nicht planen. Das muss auch nicht sein. Spannungsbögen können ebenso gut durch immer tollere Landschaftsaufnahmen, Geschwindigkeitsänderungen, dazustoßende neue Personen und anderes mehr erzeugt werden.

4. Authentizität

Wem es nichts ausmacht, der zeigt sich selbst beim Segeln und vor allem beim Sprechen. Die Zuschauer lieben das! Youtube ist ein Format, das nicht nur eine Geschichte erzählt. Es geht auch und oft sogar noch mehr um die Protagonisten selbst. Man lernt sie irgendwie kennen und schaut dann immer mal wieder bei „Peter“ oder „Matti“ vorbei. Sogar dann, wenn das Thema des aktuellen Videos gar nicht hundertprozentig zu den eigenen Interessen passt. Am besten also in den Film immer wieder Sequenzen vom eigenen, echten, nicht gestellten Bordalltag einfügen. Das ist interessant und sorgt für zusätzliche Authentizität.

5. Lückenfüller

Anfänger versäumen häufig, neben den eigentlichen Szenen auch genügend Füllmaterial zu produzieren. In der Filmszene nennt man das B-Roll. Das können Landschaftspanoramen, Detailaufnahmen, Zeitlupen von Wellen und anderes mehr sein. Auch lohnt es, Originaltöne zu sammeln: Möwenschreie, Meeresrauschen, im Wind knatternde Segel, Bugwellen am Rumpf, am Mast schlagende Fallen, das Knarzen der Bodenbretter im schwankenden Schiff – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Dieses Material wandert ins persönliche Ton-Archiv, auf das man später jederzeit zurückgreifen kann.

6. Unverhofft kommt oft

Eine aufnahmebereite Kamera sollte immer in Reichweite sein, und sei es das Handy. Am Ende sind es gar nicht mal so selten die unerwarteten Bilder, die einem Film die richtige Würze verleihen.

Der Delphin im Svendborgsund, technische Probleme, Missgeschicke, schlechtes Wetter. Wenn nichts passiert, ist es langweilig. Wenn doch etwas Spektakuläres passiert und die Kamera just nicht zur Hand ist, bleibt es langweilig!

7. Nicht mal eben nebenbei

Ein Video zu produzieren verschlingt mehr Zeit, als man anfangs denkt. Ist man mit Crew unterwegs, führen langwierige Dreharbeiten gern mal zu Unstimmigkeiten. Auch hier ein Beispiel: Ein gut und kurzweilig gefilmtes Ablegemanöver, das unter normalen Umständen gerade mal zwei bis drei Minuten dauert, kann mit entsprechender Vorbereitung leicht eine Stunde oder mehr Zeit beanspruchen.

Kameras müssen eingestellt und angebracht werden, je mehr Perspektiven, desto besser. Ton muss eingerichtet und getestet werden. Eine Kamera steht möglicherweise am Steg und muss nach dem Dreh wieder eingesammelt werden. Vielleicht schickt man sogar noch eine Drohne in den Himmel, um das Ganze von oben zu filmen.

Das klingt nach aufwändiger ARD-Doku, ist es aber nicht. Im Gegenteil. Ein unterhaltsamer Film fällt nicht weiter auf, ein schlecht gemachter dagegen wird bestenfalls von der näheren Verwandtschaft konsumiert. Alle anderen klicken gnadenlos weiter zum nächsten, besseren Video.

Exkurs I: Storytelling

Spannung aufbauen und halten ist das A und O des Filmens. In meinem Video „Motorausfall in Marstal“ zeige ich im ersten Bild nicht meine Abfahrt in Kiel, sondern kurz und knackig meinen Ärger über den streikenden Motor in Marstal. Danach erst fängt der eigentliche Film an. Der Zuschauer ist nun hoffentlich gespannt und schaut bis zu der Stelle, wo er mehr über das Motorproblem erfährt. Danach stellt sich heraus, dass ich unter Segeln ablegen und am Ende des Films vermutlich in Kiel unter Segeln anlegen muss. Oh, spannend! Vielleicht ein Grund, weiter dabeizubleiben. Storytelling nennen das die Profis.

Die Technik

  Neben der herkömmlichen Video- oder Spiegelreflexkamera lohnt die Anschaffung einer Drohne für Aufnahmen aus der LuftFoto: Mike Peuker
Neben der herkömmlichen Video- oder Spiegelreflexkamera lohnt die Anschaffung einer Drohne für Aufnahmen aus der Luft

Manch einer dreht mit dem iPhone den absoluten Kracher, bei anderen nutzt das ganze High-End-Kamerazeug nicht mal für einen mittelmäßigen Film. Daher der Rat: Mit dem starten, was gerade zur Verfügung steht. Nachrüsten kann man später immer noch. Einige Dinge sollten aber auch Anfänger beachten:

8. Guter Ton

Ein ordentliches Mikro ist eine Investition, die sich von Anfang an bezahlt macht! Ein Video, das von Windgeräuschen oder schlechtem Ton dominiert wird, hält niemand lange aus – da können Handlung und Bildqualität noch so toll sein. Beim Segeln hat man fast immer mit Wind zu tun. Das, was man in der Filmbranche „dead cat“ nennt, ist unverzichtbar: ein flauschiger Puschel, der beispielsweise über ein Ansteckmikro gestülpt wird. Er sorgt dafür, dass störende Windgeräusche eliminiert werden.

9. Wackelfreie Bilder

Natürlich können verwackelte Bilder in Kombination mit schnellen Schnitten Stilelemente sein. Man stelle sich nur eine actionreiche Verfolgungsjagd über Stock und Stein vor. Da passt das für ein paar Sekunden. Minutenlang oder gar einen gesamten Film hindurch mag sich das aber niemand antun. Eine ruhige Kameraführung ohne weitere Hilfsmittel aus der Hand muss man üben. Ein schweres Modell mit einem zusätzlichen Griff kann da von Vorteil sein.

Sowohl iPhones als auch moderne Kameras sind zudem mit Bildstabilisatoren ausgestattet. Und auch in der Nachbearbeitung kann man begrenzt Einfluss auf verwackelte Bilder nehmen. Ziel sollte jedoch immer sein, die Kamera so ruhig zu führen, wie irgend möglich. Je weitwinkliger die Optik ist, desto einfacher. Natürlich kann man die Kamera auch auf ein Stativ stellen oder irgendwo an Bord anschrauben. Das bietet sich hin und wieder an. Ausschließlich solche Bilder würden jedoch arg statisch wirken. Ein Film lebt nicht zuletzt davon, dass die Kamera in Bewegung ist.

10. Das Spiel mit Schärfe und Licht

Fast alle Kameras bieten die Möglichkeit, den Automatikmodus zu verlassen und sämtliche Einstellungen manuell vorzunehmen. Genau das sollte man tun! Den Autofokus abschalten und von Hand auf den Bildbereich fokussieren, der später scharf erscheinen soll. Die Kamera weiß schließlich nicht, ob gerade der Mast oder der Mitsegler im Mittelpunkt des Interesses ist und damit im Fokus sein soll. Im Menüpunkt „Whitebalance“ lässt sich darüber hinaus festlegen, wie warm oder kalt das Licht sein muss. Es gibt meist Symbole für Sonne, Schatten, Kunstlicht etc.

Die ISO-Einstellung schließlich regelt die Empfindlichkeit des Sensors. Steht sie auf „Auto“, werden dunkle Räume unversehens aufgehellt und helle Szenen abgedunkelt. Das kann, muss aber so nicht gewollt sein. Daher unbedingt auch hier in den manuellen Modus schalten.

11. Blenden und Filter

Damit der Film später flüssig aussieht, bedarf es mindestens zweier weiterer wichtiger Einstellungen: die der Bildrate und der Verschlusszeit. Wer 25 Bilder/Sekunde und 1/50sec einstellt, ist erst einmal auf der sicheren Seite. Für diejenigen, die tiefer in die Thematik einsteigen wollen, ist Folgendes beachtenswert: Neben Bildrate und Belichtung steht die Blende zur Verfügung. Um cineastische Filme zu produzieren, also Schärfe beispielsweise nur auf dem Kompass, aber nicht mehr auf der Pinne dahinter zu haben, muss die Blende offen sein. Dies aber bedeutet, dass viel Licht in das Objektiv und somit auf den Sensor der Kamera fallen kann. Da, wie oben erläutert, die Verschlusszeit mit 1/50sec fix eingestellt ist, wird das Bild dann unter Umständen viel zu hell. Um dies zu korrigieren, benötigt die Kamera eine Sonnenbrille in Form eines variablen ND-Filters. Damit lässt sich per Drehbewegung die gewünschte Bildhelligkeit während der Aufnahme variieren. Klingt kompliziert, einmal eingestellt ist es aber gar nicht so schwierig.

12. Die optimale Kamera

Welches Modell sollte man beim Segeln einsetzen? Der Kameramarkt unterliegt ständiger Veränderung. Das, was gestern noch für Kinoproduktionen genutzt wurde, gilt heute als veraltet. Insofern dürfen wir uns über einen riesigen Gebraucht-Kameramarkt freuen. Präferenzen in Sachen Marke möchte ich nicht ins Spiel bringen. Menüführung, Haptik oder die Tatsache, gegebenenfalls schon Objektive des einen oder anderen Herstellers zu besitzen, wiegen da mehr.

Neben der Bildstabilisierung (auf Englisch Image Stabilisation, abgekürzt meist IS) ist ein in alle Richtungen verstellbares Klappdisplay wichtig. Vor allem, wenn man sich selbst filmt, geht es eigentlich nicht ohne diese visuelle Kontrolle. Doch Vorsicht: Wer sich selbst filmt, sollte möglichst in die Optik schauen, nicht aufs Display! Der Zuschauer wird es danken, wenn der Protagonist ihn direkt ansieht und nicht ständig knapp an ihm vorbei!

  Eine Actioncam sorgt für besonders bewegungsintensive, spannende MomenteFoto: Mike Peuker
Eine Actioncam sorgt für besonders bewegungsintensive, spannende Momente

Allzu viel Wert auf einen guten Autofokus braucht man hingegen nicht zu legen. Wie bereits gesagt, gehört der beim Filmen eh am besten abgeschaltet. Dafür kann es sinnvoll sein, identische Objektive anzuschaffen, sollte mehr als eine Kamera zur Verfügung stehen. Das macht die Nachbearbeitung unendlich viel einfacher, da bei gleicher manueller Einstellung die Bilder dann eben auch gleich aussehen. Auf diese Weise kann man zum Beispiel aus verschiedenen Entfernungen gefilmte Interviewszenen später einfach zusammenschneiden, ohne erst noch an den Farben etc. drehen zu müssen.

Neben herkömmlichen Kameras kommen oft noch Actioncams und Drohnen zum Einsatz. Beides ein Must-have! Es ist noch keine zwanzig Jahre her, da mussten für Luftaufnahmen Hubschrauber und für Unterwasseraufnahmen riesige, teure Kameras mit Unterwassergehäuse eingesetzt werden. Heute ist das mit einem finanziellen Aufwand möglich, der im Bereich von nur noch einigen Hundert Euro liegt.

Und last, but not least zählt selbstverständlich das Mobiltelefon zum Kamera-Equipment. Es hat den unschätzbaren Vorteil, es immer dabeizuhaben.

Exkurs II: die erste Szene

Ein typischer Filmanfang könnte zum Beispiel dem Zuschauer verraten, wo man sich gerade befindet. Eignen würde sich dazu ein sehr weitwinkliger Schuss (Einstellung) mit Ortsschild im Vordergrund und dem Hafen im Hintergrund. Die nächste Einstellung ist vielleicht eine Stativaufnahme, in der einen der Zuschauer sieht, wie man in Richtung Hafen geht. Danach folgt der Weg über den Steg zum Boot, und schließlich filmt man sich selbst im Cockpit sitzend.

Den Weg vom Ortsschild bis zum Schiff kann man natürlich auch deutlich aufwändiger in Szene setzen. Etwa wie folgt:

Der Protagonist läuft über den Steg, nur die Füße sind zu sehen
Foto: Mike Peuker
  1. Einstellung: eine weitwinklige Aufnahme mit Fokus auf dem Ortsschild und anschließender Fokusverschiebung auf den dahinter liegenden Hafen, sodass am Ende das Schild in der Unschärfe und der Hafen scharf ist.
  2. Einstellung: Man sieht den Protagonisten von vorn, wie er auf das Ortsschild zuläuft, anschließend von hinten, wie er in die Unschärfe in Richtung Hafen schreitet.
  3. Einstellung: Es sind nur Füße zu sehen, die über den Steg marschieren.
  4. Einstellung: Der Skipper steigt über die Seereling aufs Schiff, vom Steg aus gefilmt.
  5. Einstellung: gleiche Szene, aber vom Schiff aus gefilmt.
  6. Einstellung: Alle sitzen im Cockpit.
  7. Einstellung: Nahaufnahme vom Öffnen eines Getränks.
  8. Einstellung: weitwinklig, Zuprosten aller Beteiligten!

Der Zahl der Einstellungen ist quasi keine Grenze gesetzt. Jede Einstellung braucht jedoch Zeit für Umbauten und Einstellungen von Bild, Ton und Licht. Noch aufwändiger wird es, wenn die Kamera sich zu all dem auch noch bewegt, sprich, wenn ein Kameramann dabei ist.

Tipp: Beim Dreh immer ein paar Sekunden vor der eigentlich benötigten Aufnahme anfangen zu filmen und hinten gern noch ein paar Sekunden dranhängen. Solche zusätzlichen Sekunden Drehmaterial erleichtern die Nachbearbeitung am Schluss an vielen Stellen spürbar.

Die Nachbearbeitung

  Nicht weniger Aufwand als fürs Filmen selbst sollte man in den Schnitt und die Nachbearbeitung des gedrehten Materials stecken. Spezielle Schnitt- programme helfen dabeiFoto: Mike Peuker
Nicht weniger Aufwand als fürs Filmen selbst sollte man in den Schnitt und die Nachbearbeitung des gedrehten Materials stecken. Spezielle Schnitt- programme helfen dabei

Mit dem Filmen allein ist es nicht getan. Wir erinnern uns schließlich fast alle an die unerträglich langen Urlaubsvideos längst vergangener Tage, die mit ihren vielen verwackelten Sequenzen nicht selten zur Tortur für die Zuschauerschaft gerieten. Das lässt sich mit überschaubarem Aufwand inzwischen viel besser machen.

13. Hard- und Software

Im Wesentlichen ist ein einigermaßen potenter Rechner erforderlich, sonst macht es keinen Spaß. Arbeitsspeicher kann man nicht genug haben, dazu einen schnellen Prozessor und eine schnelle Grafikkarte. Wie schnell die Hardware am Ende wirklich sein muss, hängt von der Auflösung ab, mit der man arbeitet. Für Youtube und Konsorten genügt auf jeden Fall Full HD, wir produzieren ja nicht fürs Kino. Je höher die Auflösung – 4K oder gar 8K –, desto höher die Anforderungen an Speichermedien und Rechnergeschwindigkeit, was sich eins zu eins in den Kosten niederschlägt!

Wie gut muss das Schnittprogramm sein? So viel sei gesagt: Wenn man anfängt zu schneiden, wird vermutlich nie das Programm, sondern immer man selbst der limitierende Faktor sein. Insofern ist es ein wenig wie bei den Kameras: Bedienung, Menü und Nutzerfreundlichkeit sind wichtiger als die Marke. Fast alle Hersteller bieten Testversionen ihrer Programme an. Diese sind kostenlos und auf eine bestimmte Zeit begrenzt. Es gibt auch komplett kostenlose Schnitt-Software. Einfach ausprobieren und mit dem Programm anfangen, das einem am ehesten intuitiv bedienbar erscheint.

14. Der Schnitt

Am besten geht man strukturiert vor: Das Footage, das sind die ungeschnittenen Filmschnipsel auf den Speicherkarten der Kameras, wird in verschiedenen Ordnern auf dem Rechner abgelegt. Für einen Reisebericht kann man diese Ordner zum Beispiel mit Titel, Ort und Datum versehen. Dann werden Unterordner erstellt. Da hinein kommen die Aufnahmen der unterschiedlichen Kameras sowie die reinen Tonaufnahmen, die gegebenenfalls zusätzlich gemacht wurden. Nicht vergessen, zuvor eine Sicherungskopie des gesamten Materials zu erstellen.

15. Sichten und Sortieren

Nachdem man sich eine Story überlegt hat, wird zunächst das Material durchgesehen. Ziel ist, die besten Szenen zu finden. Dabei kommen Kriterien wie Inhalt, Aussagekraft, verwackelt oder nicht, Schärfe und anderes mehr zum Tragen. Die entsprechenden Clips der Hauptkamera zieht man erst einmal chronologisch auf eine Spur des Bearbeitungsprogramms. Wenn von den gleichen Szenen Material aus anderen Perspektiven vorhanden ist, kommt das an die entsprechenden Stellen darunter. Wieder eine Spur tiefer ordnet man das B-Roll-Material an. Also all das, was man zum Stimmungmachen, Erklären oder einfach gesagt zum Untermalen des Gesagten und Gezeigten zusätzlich einfügt. Erklärt jemand zum Beispiel das Prinzip einer Windsteueranlage, so gibt es an dieser Stelle nicht nur Bilder vom Skipper mit entsprechendem Ton, sondern auch Bilder und Geräusche der Windsteueranlage.

16. Bloß keine Längen

Steht der Grobschnitt, folgt das Wichtigste, das Kürzen. Es gilt: Wenig, aber gutes Material ist deutlich besser als viel mittelmäßiges. Nur das Beste vom Besten bleibt drin! Kurze, knackige Schnitte, Tempowechsel, Zeitlupen – alles, was Abwechslung bringt, ist erlaubt. Was wiederum gar nicht geht, sind die verschiedenen Blenden, die die meisten Bearbeitungsprogramme vorhalten. Da drehen sich Bilder, verschwinden in Unschärfe, zerfallen in Würfel. Wer hat so etwas je in einer Fernsehdoku gesehen? Niemand, denn es wirkt unprofessionell!

Es ist nicht falsch, nur mit harten Schnitten zu arbeiten: Szene endet, nächste startet. Bei einem Themenwechsel darf man ausnahmsweise eine Zehntelsekunde Schwarz zwischen zwei Szenen stehen lassen. Bei melancholischen, langsamen Abschnitten kann auch mal in die nächste Szene übergeblendet werden. Das sollte aber definitiv die Ausnahme bleiben.

Sind Passagen dabei, die, weil beispielsweise vom Stativ gefilmt, zu statisch wirken, kann man im Nachhinein digital in das Bild zoomen oder gar eine Kamerafahrt simulieren. Ebenso ist es möglich, innerhalb bestimmter Grenzen verwackelte Clips zu stabilisieren.

17. Die Abnahme

Ist man sicher, dass alles Überflüssige weggeschnitten ist, lässt man jemanden drübersehen, der nicht dabei war, und bittet um ehrliches Feedback. Angehörige sollte man dazu aber nicht wählen. Die schauen mit dem Familienblick auf das Video und fragen sich im Zweifel, warum denn dies oder jenes gar nicht zu sehen ist. Für seine Liebsten macht man daher einen eigenen Film, den Director’s Cut.

18. Der Ton macht die Musik

Normalerweise gibt es Passagen mit Originalton, also Stimmen und Umgebungsgeräusche. Man kann sich aber zusätzlich aus seiner eigenen Soundbibliothek bedienen. Vor allem dann, wenn der Originalton einmal doch beispielsweise infolge zu starker Windgeräusche unbrauchbar sein sollte.

Passagen, die kein Voiceover, also keinen gesprochenen Kommentar aus dem Hintergrund oder sonst wie geartete Sprache haben, können und sollten mit passender Musik stimmungsvoller gemacht werden. Profimäßig wird das, wenn man auf den Beat schneidet: Stimmungs- oder Rhythmuswechsel in der Musik lassen sich nutzen, um an exakt diesen Stellen auch die Schnitte in der Videosequenz zu setzen.

Aufpassen, dass die verwendete Musik für Videos, die man veröffentlichen möchte, für diesen Zweck freigegeben ist. Youtube und viele andere Portale bieten solche Sounds zum kostenlosen Download an. Will man sich in umfangreicheren Musikbibliotheken bedienen, kann man Abomodelle bei verschiedenen Anbietern buchen.

Außer mit der Musik lassen sich einzelne Szenen mit Soundeffekten verstärken. Nicht alles, was man in einem Film hört, hat sich im Original wirklich so angehört. Vielleicht gab es im Gewitter gar keinen Donner, den man mit dem Mikro hätte einfangen können. Kein Problem! Mit Soundeffekten kann man die Szene retten. Im Internet gibt es unzählige Soundeffekte zum Download, mal kostenlos, mal gebührenpflichtig.

Originalton, Voiceover, Musik und Soundeffekte müssen schließlich noch eine Lautstärkeanpassung durchlaufen. Die Musik darf die Stimmen nicht übertönen, alles muss aufeinander abgestimmt sein. Niemand hat Lust, während des Films ständig den Lautstärkepegel zu korrigieren.

19. Farbenfroh und scharf

Zum Schluss schaut man, ob Farben, Helligkeiten und Schärfe der einzelnen Clips zusammenpassen. Das Stichwort lautet Color Correction. Wer mag, kann sogar Color Grading betreiben. Damit verleiht man dem Film einen besonderen Farblook und damit eine eigene Stimmung. Wer aufmerksam einen Krimi schaut, wird bemerken, dass die Farben oft nicht der Realität entsprechen. Wärmer, kälter, verschiedene Farbtemperaturen – alles geht.

20. Die Werbetrommel

Ganz wichtig ist ein guter Teaser. Das ist das Bild, das ein Zuschauer als erstes sieht. Man kann es zur Not aus dem fertigen Film extrahieren. Viel besser ist es aber, ein Bild exakt für seinen Zweck zu produzieren.

Ebenso hilft ein guter Titel, der neugierig macht. Wer seinen Film einer breiten Zuschauerschaft präsentieren möchte, sollte den Titel so wählen, dass er von Google oder Youtube bei einer entsprechenden Schlagwortsuche gefunden wird. Dabei hilft eine möglichst genaue Beschreibung unter dem Teaserbild sowie die Vergabe geläufiger Hashtags. Bei einem Segelvideo könnten das Begriffe sein wie Segeln, Chartern, Dänische Südsee, Fahrtentörn, Sturm, Seenot und Ähnliches mehr. Hinweise auf anderen Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Instagram können ebenfalls nicht schaden, das eigene filmische Werk bekannt zu machen.

  Auch die YACHT ist mit unzähligen Videos auf Youtube präsent! Die Themenpalette reicht von Bootstests bis Ausrüstung, von Regatta bis Klassiker, von Reisen und Revieren bis Abenteuern – über 73.000 Abonnenten schalten regelmäßig ein:  <a href="https://www.youtube.com/YACHTtv" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">www.youtube.com/YACHTtv </a>Foto: YACHT
Auch die YACHT ist mit unzähligen Videos auf Youtube präsent! Die Themenpalette reicht von Bootstests bis Ausrüstung, von Regatta bis Klassiker, von Reisen und Revieren bis Abenteuern – über 73.000 Abonnenten schalten regelmäßig ein: www.youtube.com/YACHTtv

Meistgelesene Artikel