Ostsee
Kostenexplosion fürs Bootszeugnis

Die Wasser- und Schifffahrtsämter verschicken neue Gebührenbescheide für die Abnahme von Yachten, die verchartert werden. Die Gebühren haben sich vervierfacht

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 19.05.2022
Chartersteg in Heiligenhafen Chartersteg in Heiligenhafen Chartersteg in Heiligenhafen

YACHT/A. Lindlahr Chartersteg in Heiligenhafen

Aus allen Wolken fiel ein Eigner, der seine Yacht bei der Charter-Agentur Privat Charter Ostsee (PCO) anbietet, und dafür 2022 das alle zwei Jahre fällige Bootszeugnis abnehmen ließ. Für die technische Überprüfung der Yacht, die für eine Vercharterung vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist, flatterte ihm ein um das rund Vierfache höherer Gebührenbescheid ins Haus. Statt wie vorher 85 Euro kostet das Ganze nun rund 332 Euro, ohne weitere Begründung. Und dass, obwohl die Abnahme vor Ort für gleich zwei Boote keine halbe Stunde gedauert habe.

Von den radikal erhöhten Gebühren, die mit Inflation ja wohl nicht zu rechtfertigen sind, weiß auch PCO-Chef Rolf Brezinsky: „Wir haben uns beim für uns zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt erkundigt und die neue Gebührenverordnung zugeschickt bekommen. Dort steht für die Ausstellung des Bootszeugnisses eine Gebührenspanne, die von 102 bis 562 Euro reicht. Laut WSA hat sich die übergeordnete Generaldirektion der Wasser- und Schifffahrtsbehörden offenbar einfach für die Mitte entschieden.“

Die neue Gebührenordnung geht auf dieselbe Anweisung aus dem Bundesverkehrsministerium von Oktober 2021 zurück, die auch schon für eine saftige Erhöhung der Prüfungsgebühren für Führerscheine gesorgt hat.

„Es kann ja sein, dass sich Gebühren einmal erhöhen, aber gleich vervierfachen? Das sorgt hier an der Küste für einen Aufschrei unter den betroffenen Eignern.“ Es sei ja auch ein Unterschied, ob ein Boot neu abgenommen oder das Bootszeugnis nur erneuert wird und der Prüfer wie im beschriebenen Fall nur kurz einen Blick auf das Boot wirft. Eine Unterscheidung zumindest zwischen Erstabnahme und Wiederholung sei wohl das Mindeste, so Brezinsky. Mittlerweile habe er den Fall auch an den Bundesverband Wassersportwirtschaft (BVWW) weitergeleitet. Auf Nachfrage beim WSA Lübeck wurde ihm lapidar mitgeteilt, man könne gegen den Gebührenbescheid ja Widerspruch einlegen.

Die YACHT wollte vom zuständigen WSA Lübeck wissen, wie die radikale Erhöhung begründet wird und wie sich die gewaltige Preisspanne erklärt, die in der Verordnung steht, doch das WSA verweigerte eine Stellungnahme und verwies an die übergeordnete Wasser- und Schifffahrtsdirektion in Kiel. Dort stand niemand für eine mündliche Stellungnahme zur Verfügung, die daraufhin geforderte schriftliche Anfrage der YACHT wurde seit einer Woche nicht beantwortet.


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Themen: Chartermarkt

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