Feuerwehr Föhr testet Rettungsdrohne mit Restube

Michael Rinck

 · 27.04.2026

Die Drohne der Feuerwehr Wyk auf Föhr.
Foto: Stadt Wyk/Andreas Hansen
Per Drohne kann eine Unglücksstelle auf See schneller erkundet werden. Mit dem Restube kann aus der Luft sogar direkt geholfen werden.

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Die Freiwillige Feuerwehr Wyk auf Föhr hat eine Drohne zur Wasserrettung getestet. Das unbemannte Flugsystem kann aufblasbare Rettungsmittel vom Typ Restube zu Personen in Seenot bringen. Die Methode verspricht schnellere Hilfe.

​Drohnen in der Wasserrettung sind keine Science-Fiction mehr. Weltweit testen Rettungsorganisationen unbemannte Flugsysteme, die schneller vor Ort sein können als Boote oder Rettungsschwimmer. Die Feuerwehr Wyk auf Föhr gehört nun zu den ersten Organisationen in Deutschland, die diese Technologie erproben. Bei einem Test im Wyker Hafen kam eine Drohne zum Einsatz, die ein Restube – ein selbstaufblasbares Rettungsmittel – transportiert und über dem Wasser abwirft.

Restube: Kompakt und schnell einsetzbar

Das Restube wurde ursprünglich als Sicherheitsausrüstung für Wassersportler entwickelt. Schwimmer, Surfer und Stand-Up-Paddler tragen das kompakte Gerät am Gürtel. Im Notfall wird an einer Schlaufe gezogen, eine CO₂-Patrone bläst eine gelbe Röhre auf, die etwa zehn Kilogramm Auftrieb bietet. Das System ist klein, leicht und innerhalb von Sekunden einsatzbereit. Restube (der Name setzt sich aus Rescue und Tube zusammen) kann eine Automatikrettungsweste nicht ersetzen, wird aber von Wassersportlern genutzt, denen eine klassische Rettungsweste zu sperrig ist. Das System ist in gepacktem Zustand sehr kompakt und kann am Gürtel getragen werden.

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Der Einsatz bei der professionellen Wasserrettung ist ein neuer Ansatz. Die Idee: Eine Drohne fliegt mit dem Restube zur verunglückten Person, wirft es ab. Das Rettungsmittel bläst sich automatisch auf, die Person greift zu und hält sich über Wasser, bis Rettungskräfte per Boot eintreffen. Besonders an der Nordseeküste mit starken Strömungen könnte jede eingesparte Minute entscheidend sein.

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Zeitvorteil gegenüber klassischen Rettungsmitteln

Der theoretische Vorteil liegt auf der Hand: Eine Drohne ist schneller vor Ort als ein Rettungsboot, das erst zu Wasser gelassen werden muss, oder Rettungsschwimmer, die zum Unfallort laufen und schwimmen müssen. Sie kann aus der Luft einen Überblick verschaffen und die genaue Position der Person übermitteln. Bei mehreren Personen im Wasser kann die Drohne nacheinander mehrere Restube abwerfen. An dem eingestzten Modell Restube 180 sollen sich bis zu vier Personen festhalten können.

Zudem ist die Drohne vielseitig einsetzbar. Mit einer Kamera ausgestattet, kann sie die Lage erkunden: Wie viele Personen sind im Wasser? Wo genau befinden sie sich? Treiben sie ab? Gibt es Gefahren wie Strömungen oder Untiefen? Diese Informationen helfen den Rettungskräften, den Einsatz besser zu planen.

Die Grenzen des Systems

Doch die Methode hat einen entscheidenden Haken: Das Restube funktioniert nur, wenn die verunglückte Person bei Bewusstsein und bei Kräften ist. Sie muss das herabfallende Gerät bemerken, danach greifen, und sich daran festhalten. Wer bewusstlos ist, unterkühlt, erschöpft oder in Panik, kann das Restube nicht nutzen. Genau diese Situationen können aber bei Seenotfällen auftrten.

Eine Person, die vom Boot gefallen ist und noch schwimmen kann, wird vermutlich auch ohne Restube über Wasser bleiben, bis Hilfe kommt. Eine Person, die am Ertrinken ist, kann das Gerät möglicherweise nicht mehr greifen. Das Restube bietet zudem Auftrieb, aber keine Rettung. Unterkühlung ist bei Wasserunfällen an der Nordsee eine reale Gefahr. Selbst mit Restube kann eine Person innerhalb von Minuten so stark auskühlen, dass sie sich nicht mehr festhalten kann.

Kontroverse unter Rettungsexperten

Grundsätzlich gilt immer die Empfehlung eine Rettungsweste zu tragen. Modelle mit 275 Neton Auftrieb und mehr bieten eine ohnmachtssichere Lage des Gesichts über Wasser. Sie können Personen, die bäuchkings ins Wasser gefallen sind auch in eine sichere Rückenlage drehen. Die Rettungsweste ist einer Restube immer überlegen. Die Drohne mit der Restube ist ein zusätzliches Werkzeug, wenn eine Person ohne Rettungsmittel im Wasser treibt, ohne Boot in der Nähe. Selbst wenn das Restube nur in einem Teil der Fälle hilft, könnte es Leben retten. Die schnelle Lageerkundung aus der Luft ist allerdings immer ein klarer Vorteil.

Ein weiteres Problem: Die Technik ist wetterabhängig. Bei starkem Wind, Regen oder Dunkelheit kann die Drohne nicht fliegen. Genau dann, wenn die See rau ist und Unfälle häufiger passieren, fällt das System möglicherweise aus. Zudem unterliegen Drohnen strengen rechtlichen Auflagen, besonders in Küstennähe und über belebten Stränden.

Föhr als Testgebiet

Föhr eignet sich als Testgebiet für solche Systeme. Die Insel hat kilometerlange Strände, Priele mit Strömungen und ein großes Wattgebiet. Jedes Jahr gibt es Vorfälle, bei denen Badegäste, Wattwanderer oder Segler in Seenot geraten. Die örtliche Feuerwehr und die DLRG sind für solche Einsätze gut ausgebildet, evaluieren aber kontinuierlich neue Technologien.

Die Feuerwehr Wyk plant laut Medienberichten, die Drohne bei weiteren Übungen zu testen und die Einsatzmöglichkeiten zu erproben. Ob die Technik dauerhaft zum Einsatz kommt, hängt von den Ergebnissen ab. Entscheidend wird sein, ob sich im Ernstfall zeigt, dass das System tatsächlich Leben rettet.

Internationale Erfahrungen

Föhr ist nicht die erste Region, die Drohnen für die Wasserrettung testet. In Australien setzen Rettungsorganisationen bereits seit Jahren Drohnen ein, um Haie zu entdecken und Schwimmer zu warnen. Auch dort werden Restube-ähnliche Geräte abgeworfen. Die Erfahrungen sind gemischt – in einigen Fällen konnten Personen unterstützt werden, in anderen half die Drohne nicht.

In Spanien testen Rettungsdienste Drohnen, die kleine Rettungsflöße abwerfen. Diese bieten mehr Platz und Schutz als ein Restube, sind aber schwerer und erfordern leistungsfähigere Drohnen. In Deutschland sind solche Systeme noch selten. Neben Föhr testen auch Feuerwehren an Seen in Bayern und Nordrhein-Westfalen ähnliche Konzepte.

Zusätzliches Werkzeug, kein Ersatz

Die Rettungsdrohne mit Restube ist ein interessanter technologischer Ansatz für die Wasserrettung. Sie kann in bestimmten Situationen Zeit sparen und zusätzliche Informationen liefern – vorausgesetzt, die Bedingungen stimmen und die verunglückte Person ist noch handlungsfähig. Für bewusstlose oder stark erschöpfte Personen bietet das System keine direkte Lösung.

Klar ist: Die Drohne kann professionelle Rettungskräfte helfen. Sie ist ein zusätzliches Werkzeug im Rettungsarsenal. Die Feuerwehr Föhr wird durch ihre Tests wertvolle Erkenntnisse gewinnen, unter welchen Bedingungen der Einsatz sinnvoll ist – und wo die Grenzen liegen.


Michael Rinck

Michael Rinck

Redakteur Test & Technik

Michael Rinck war das Kind, das nach der Schule direkt aufs Wasser wollte – Segeltraining, Regatten, Hauptsache nass. Diese Vorliebe machte er zum Beruf: Erst als Segellehrer auf der Alster (während des Studiums), dann ab 2014 in der YACHT-Redaktion. Dort hat er im Bereich Test & Technik seine Berufung gefunden: Segelboote und Sicherheitsequipment testen. Was besonders bei Rettungswesten und MOB-Systemen bedeutet, dass er mehr Arbeitsstunden im Wasser treibend verbringt als die meisten Menschen im Büro sitzend. Höhepunkt: eine ganze Nacht in der Rettungsinsel auf der Ostsee. Seine Familie hat inzwischen durchgesetzt, dass Urlaubstörns auf der eigenen Fahrtenyacht deutlich trockener ablaufen.

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