SegeltechnologieElvstrøm testet innovatives Rollgroß

Jochen Rieker

 · 10.06.2012

Segeltechnologie: Elvstrøm testet innovatives RollgroßFoto: Elvstrøm
350 Millimeter im Topp: Kopf des neuen Elvstrøm-FatFurl-Rollgroßsegels
Mit ausgestelltem Kopf und "FatFurl"-Konzept wollen die Dänen zusammen mit Mastbauer Seldén das Großsegel zum Rollen noch populärer machen

Ein Groß mit horizontalem statt spitz zulaufendem Kopf – das war bisher konventionellen Riggs vorbehalten. Man sieht die im englischsprachigen Raum als "Fathead" bezeichneten Schnitte auf immer mehr Regattayachten. Alle aktuellen Volvo Open 70 und Open 60 tragen sie, um nur ein Beispiel zu nennen. Aber auch auf sportlichen Fahrtenkats oder Einrumpfyachten sind sie mittlerweile gang und gäbe. Der Vorteil: mehr Fläche im Topp – dort, wo der Wind besonders stark weht. Weniger Verwirbelung. Ergo: mehr Vortrieb.

An Rollmasten allerdings ging der Trend vorbei. Wie auch soll man den mehrfach verstärkten Großsegelkopf ins Rigg würgen, ohne dass das Tuch delaminiert oder der Mast verbiegt?

Mit Seldén zusammen hat Elvstrøm, einer der größten Segelmacher der Welt, jetzt eine Lösung entwickelt. Seit gut einem Jahr arbeiten die Dänen an dem "Wundersegel", wie Chefsegelmacher Søren Hansen sagt. Es soll später unter dem Namen "FatFurl" vermarktet werden.

  FatFurl-Groß von ElvstrømFoto: Elvstrøm FatFurl-Groß von Elvstrøm

Damit könnte einer der letzten verbliebenen Nachteile von Rollgroßsegeln egalisiert werden, die diese in Sachen Segelleistung gegenüber konventionellen Schnitten noch haben. Schon in den vergangenen Jahren hat das Rollgroß enorm aufgeholt – dank vertikalen Latten und dem Einsatz von Membranen ist es immer leichter, profilierter und besser trimmbar geworden. Mit ausgestelltem Kopf kommt künftig noch ein wenig mehr Fläche, bessere Anströmung im Toppbereich und obendrein eine markantere Optik hinzu.

Auf der neuen Hallberg-Rassy 412, die jüngst bei der Hanseboot Ancora Boat Show ihre Weltpremiere feierte, wird das "FatFurl"-Groß eingesetzt werden. Das Segel aus der hauseigenen Epex-Membran ist in den vergangenen Tagen am Elvstrøm-Hauptsitz im dänischen Aabenraa fertiggestellt worden.

Søren Hansen, der sich die Technik ausgedacht hat, sagte gegenüber YACHT online: "Das Kopfbrett reicht bis zum Achterstag und misst 350 Millimeter, das ist viel. Dazu kommt noch eine Überrundung von 3,3 Prozent der Achterliekslänge." Wie genau das Rollen klappt, will er einstweilen noch nicht verraten.

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Außer auf der neuen Hallberg-Rassy 412 hat Elvstrøm die FatFurl-Technologie auf weiteren acht Booten getestet – von einer Bavaria 32 bis zur Oyster 63. Die Markteinführung könnte bereits im kommenden Herbst erfolgen. Die YACHT wird in Kürze Gelegenheit zu ausführlichen Tests haben. Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Jochen Rieker

Jochen Rieker

Herausgeber YACHT

Aufgewachsen in Süddeutschland, hat Jochen Rieker das Segeln auf Bodensee, Ammersee und Starnberger See gelernt. Zunächst war er auf Pirat, H-Jolle und Tempest unterwegs, später auf Hobie Cat, A Cat und Dart 16. Aber wie das so ist: Je weiter entfernt das Meer, desto größer die Leidenschaft danach. Inspiriert durch die Bücher von Bobby Schenk und Wilfried Erdmann, folgte in den 90ern der erste Dickschifftörn im Ionischen Meer auf einer Carter 30, damals noch ohne Segelschein. Danach war’s um ihn geschehen. Als YACHT-Kaleu und Jury-Vorsitzender des European Yacht of the Year Award hat Rieker in den vergangenen mehr als 25 Jahren gut 500 Boote getestet. Sein eigenes, ein 36-Fuß-Racer/Cruiser, lag zuletzt in der Adria. Diesen Sommer verholt er es an die Schlei, wo er inzwischen lebt.

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