SegelTyra Ply, die Revolution von der Rolle. DP bringt neues Segel-Laminat ohne Folie

Hauke Schmidt

 · 19.01.2023

Testflug eines Tyra-Ply-Segels auf Motte von Philipp Buhl
Foto: Christophe le Bohec

Das Tyra Ply genannte Laminat von Dimension-Polyant besteht aus mehreren Lagen feinster Faser und soll die Filamenttechnologie der Hochleistungs-Membransegel in den Massenmarkt bringen. Es kann von jedem Segelmacher verarbeitet werden

Produkte wie 3Di von North Sails oder 4T FORTE von One Sails haben es vorgemacht: Laminat ohne Mylar-Folie, auch Film genannt, sind leichter, fester und meist auch haltbarer als herkömmliche Laminate. Bisher war diese Technik allerdings nur im High-End-Bereich mit entsprechenden Preisen verfügbar. Das soll sich mit Tyra Ply ändern. Anders als Membran-Segel wird Tyra Ply, wie klassische Laminate, als Rollenware gefertigt und vom Segelmacher zu einem radial oder horizontal geschnittenen Segel verarbeitet. Grundlage für das Material sind Faserbündel, sogenannte Tapes, die von einer Maschine nebeneinandergelegt und verklebt werden. In einem zweiten Arbeitsgang legt ein Roboterarm weitere Faserstränge darüber. Der Clou dabei: Der Roboter kann die Filamente in unterschiedlichen Richtungen verlegen, dadurch kann das Tuch auch Lasten aufnehmen, die von der Hauptausrichtung der Fasern abweichen.

Verlagssonderveröffentlichung

Das direkte Verkleben der Fasern soll mindestens so haltbar sein wie herkömmliche Laminate, bei der Verbindung der Bahnen im Segel hat es sogar deutliche Vorteile. Die dort üblichen Kleber dringen in die Filament-Struktur ein, womit die Klebung stabiler wird als das umgebende Material. Ein weiterer Vorteil betrifft die Wasseraufnahme. Bei klassischen Laminaten kann an Nadellöchern Feuchtigkeit eindringen und sich entlang der Fasern ausbreiten. Bei Filament-Segeln gibt es dieses Problem nicht.

Enormes Einsatzspektrum

Zum Produktionsstart wird Tyra Ply aus Aramid gefertigt. Prinzipiell sind aber fast alle hochfesten Fasern möglich. “Wir können Aramid, UHMWPE-Fasern wie Dyneema, Vectran und Carbon sowie Kombinationen daraus verarbeiten. Der limitierende Faktor ist die Verfügbarkeit der Filamente”, so Dimension-Polyant-Geschäftsführer Uwe Stein. Nach seiner Aussage ist es derzeit kaum möglich, Technora oder Vectran in den benötigten Mengen zu beziehen.

Die große Auswahl an Fasern und die variable Filament-Dichte ergeben ein breites Einsatzspektrum. Laut Stein reicht es von Flügeln fürs Wingfolien über Jollen- und Dickschiffsegel bis zu Anwendungen im Bootsbau. “Mit Faserdichten bis 20.000 dpi decken wir Segel für Yachten bis etwa 60 Fuß ab”, so Stein. Dabei deckt das Material unterschiedliche Zielgruppen ab. Neben den leistungsorientierten Performance-Cruisern kommen auch Fahrten-Katamarane in Frage. Stein dazu: “Die werden immer schwerer, das erfordert auch stabilere Segel. Herkömmliche Laminate oder gar Gewebe lassen sich in den benötigten Materialstärken kaum noch handeln”.

Für den bei Aramid- und Vectranfasern nötigen UV-Schutz sorgt wie bei herkömmlichen Segeln eine Beschichtung mit Liteskin oder Tafetta, womit die Lebensdauer von Tyra Ply mindestens der von Mylar-Laminaten entsprechen soll. Preislich sortiert Dimension-Polyant das Material zwischen den BX- und GPL-Laminaten ein.

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