Mit dem Vetus Hybrid-Set müssen Eigner für kurze elektrische Fahrten nicht den gesamten Antrieb austauschen. Das unter der Bezeichnung M2HSET angebotene System ist auf die Zweizylinder-Dieselmotoren M2.13 und M2.18 abgestimmt. Es eignet sich nach Herstellerangaben sowohl zur Nachrüstung kompatibler Anlagen als auch für Neubauten.
Der Ansatz ist vor allem für Eigner interessant, die den vorhandenen Diesel weiter nutzen, aber beim Ablegen oder auf kurzen Passagen auf dessen Geräusch und Abgase verzichten möchten. Für längere Strecken bleibt der Verbrenner zuständig. Das Set ist damit eine Ergänzung des bestehenden Antriebs, kein vollständiger Ersatz durch einen leistungsstarken Elektromotor.
Herzstück ist ein flüssigkeitsgekühlter Permanentmagnetmotor mit 24 Volt Betriebsspannung. Vetus nennt eine maximale elektrische Abgabeleistung von 2,1 Kilowatt und ein maximales Drehmoment von 17 Newtonmetern. Der Elektromotor ist über einen Keilrippenriemen und eine angepasste Riemenscheibe mit der Propellerwelle verbunden.
Zum Vergleich: Der M2.13 leistet laut Vetus 8,8 Kilowatt beziehungsweise zwölf PS, der M2.18 kommt auf 11,8 Kilowatt beziehungsweise 16 PS. Die maximale Abgabeleistung des Elektromotors entspricht damit rechnerisch knapp einem Viertel der Nennleistung des kleineren Diesels und knapp einem Fünftel der Nennleistung des größeren. Vorgesehen ist der elektrische Betrieb für langsame Fahrt und Manöver. Sobald mehr Leistung oder eine längere Motorstrecke ansteht, wird auf Dieselbetrieb gewechselt.
| Merkmal | Herstellerangabe |
| Kompatible Diesel | Vetus M2.13 und M2.18 |
| Elektromotor | Permanentmagnetmotor, flüssigkeitsgekühlt |
| Betriebsspannung | 24 V |
| Maximale elektrische Abgabeleistung | 2,1 kW |
| Maximales Drehmoment | 17 Nm |
| Maximale Motordrehzahl | 1.600 U/min |
| Ladestrom im Dieselbetrieb | bis zu 30 A |
| Verbindung zur Propellerwelle | Keilrippenriemen |
Der Riemenantrieb der elektrischen Maschine sitzt auf der Abtriebsseite des Wendegetriebes. Dadurch kann der Elektromotor die Propellerwelle bei ausgekuppeltem Diesel unabhängig vom Verbrenner antreiben. Für den Generatorbetrieb gilt jedoch die umgekehrte Bedingung: Die Propellerwelle muss sich drehen, damit sie die elektrische Maschine über den Riemen antreibt. Vetus beschreibt ausdrücklich das Nachladen über die rotierende Propellerwelle während des Dieselbetriebs.
Ein stationärer Generatorbetrieb am Ankerplatz ist mit dieser Anordnung nicht möglich. Die Ladefunktion des Hybrid-Sets ist somit nicht mit einer direkt vom Dieselmotor angetriebenen Zusatzlichtmaschine gleichzusetzen. Eine Ladefunktion unter Segeln erwähnt Vetus nicht.
Auch die Ladeleistung bleibt überschaubar: Der Hersteller nennt bis zu 30 Ampere. Bei der Nennspannung von 24 Volt entspricht das rechnerisch 720 Watt. Das Nachladen ist eine Zusatzfunktion während der Dieselmotorfahrt, kein Ersatz für ein leistungsstarkes Ladesystem.
Wer vor allem mehr Ladestrom benötigt und auch vor Anker mit dem Diesel laden möchte, kann stattdessen eine Zusatzlichtmaschine prüfen. Sie wird direkt vom Motor angetrieben und ist damit nicht auf die Rotation der Propellerwelle angewiesen. Welche Möglichkeiten Hochleistungsregler, eine separate Lichtmaschine und wassergekühlte Systeme bieten, erläutert der YACHT-Beitrag über Zusatzlichtmaschinen und das Laden von Lithium-Akkus. Ob eine solche Lösung zum kleinen Zweizylinder passt, hängt unter anderem von Leistungsbedarf, Einbauraum und verfügbarem Riemenantrieb ab.
Beim Vetus-Konzept können Diesel und Elektromotor dieselbe Propellerwelle antreiben. Welche Unterschiede zu rein elektrischen und anderen hybriden Lösungen bestehen, erläutert die Übersicht der Antriebskonzepte für Yachten anhand ihrer jeweiligen Vor- und Nachteile.
Bei passenden Anlagen sollen die vorhandenen Motorlager und die Propellerwelle weiterverwendet werden können. Das begrenzt den Eingriff gegenüber einem kompletten Antriebswechsel. Eine universelle Nachrüstlösung für beliebige Dieselmotoren ist das Set aber nicht. Vetus nennt zunächst ausdrücklich die beiden M-Line-Zweizylinder. Die technische Produktseite zum M2HSET bündelt die Spezifikationen und die zugehörige Einbauanleitung.
Einen Preis und einen konkreten Liefertermin für Deutschland nennt Vetus bisher nicht.
E-Mobilität auf dem Wasser erklärt die technischen Grundlagen elektrischer Bootsantriebe und behandelt vollelektrische Systeme, Hybridlösungen und Brennstoffzellen. Konkrete Fallbeispiele zeigen die Umrüstung von Segel- und Motorbooten. Dazu kommen Hinweise zu Installation, Betrieb und Unterhalt sowie Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit.
Würden Sie ein solches System nachrüsten, um Hafenmanöver ohne Diesel zu fahren und für längere Strecken die Reichweite des Dieselantriebs zu behalten?

Redakteur Test & Technik
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