E-AntriebVelettrica Drive-Pod-16, Hybridantrieb zum Nachrüsten

Hauke Schmidt

 · 29.09.2026

Das Unterwasserteil enthält den Synchronmotor, der ohne Permanentmagneten arbeitet und zu 100 Prozent aus recycelten Materialien hergestellt wird.
Foto: Velettrica
Wenn Sie den Motor Ihrer Yacht ersetzen müssten: Würden Sie auf einen E-Antrieb umrüsten oder wieder einen Diesel einbauen?

​Velettrica stellt mit dem Drive-Pod-16 einen nachrüstbaren Hybridantrieb für Segel- und Motoryachten von zehn bis 14 Metern vor. Für den Pod nennt der Hersteller 14,2 Kilowatt Dauerleistung an der Welle, mehr als 4.500 Newton Standschub und 38 Kilogramm Gewicht.

Motor, Propeller und Leistungselektronik des Drive-Pod-16 sitzen laut Velettrica in einem hydrodynamisch verkleideten Pod unter dem Rumpf. Im Schiff selbst soll dadurch weniger Raum für den Antrieb nötig sein. Der Hersteller verspricht zudem weniger Vibrationen und Geräusche.

Der entscheidende Ansatz für eine Nachrüstung: Der Drive-Pod-16 soll an den Aufnahmen eines vorhandenen Saildrives montiert werden können. Die modularen Batterien können dabei den Platz des bisherigen Dieselmotors einnehmen. Welche Saildrive-Aufnahmen konkret passen und welche Umbauten an Rumpf und Bordelektrik nötig sind, lässt Velettrica offen. Ähnliche Konzepte verfolgen andere Anbieter bei elektrischen Saildrive-Lösungen.

Elektrisch im Hafen

Die Batteriekapazität soll sich durch zusätzliche Module erweitern lassen. Nach Angaben von Velettrica können die Batterien neben dem Antrieb auch Bordverbraucher versorgen. Für längere Motorpassagen ist ein vom Pod getrennter Generator vorgesehen. Beim Manövrieren und auf Küstenetappen soll die Yacht rein elektrisch fahren können; wie weit sie mit einer bestimmten Batteriekonfiguration kommt, nennt Velettrica nicht.

Damit folgt der Drive-Pod-16 dem Prinzip eines seriellen Hybridantriebs: Ein Elektromotor übernimmt den Vortrieb, während Batterien und bei Bedarf ein Generator elektrische Energie bereitstellen. Welche Vor- und Nachteile solche Systeme gegenüber Diesel- und reinen Elektroantrieben haben, zeigt die YACHT-Einordnung zu Antriebskonzepten.

Die elektronische Steuereinheit des Pods soll Batterie, Ladegerät, Solaranlage und Generator einbinden. Laut Hersteller sind Überwachung, Diagnose, Telemetrie und eine Fehlerüberwachung vorgesehen. Optional kündigt Velettrica einen drehbaren Pod für präzise Manöver und dynamische Positionierung an. Propeller und Finne sollen aus recyceltem Nylon und recycelter Carbonfaser bestehen. Der Synchronmotor kommt dem Hersteller zufolge ohne Permanentmagnete aus. Akkus mit Natrium-Ionen-Zellen sind erst als künftiger Entwicklungsschritt vorgesehen.

Technische Daten des Drive-Pod-16

MerkmalHerstellerangabe
Dauerleistung an der Welle14,2 kW bei 545 U/min
Standschubmehr als 4.500 N
Abmessungen des PodsHöhe 530 mm, Länge 765 mm
Propellerdurchmesser620 mm
Gewicht des Pods38 kg
Batteriemodul9 kWh, 350 V, 96 kg; Länge 780 mm, Breite 504 mm, Höhe 248 mm
Steuerung und SchnittstellenECU mit Überwachung, Diagnose und Telemetrie; CAN-Bus und NMEA 2000

Der Standschub beschreibt die Kraft bei stillstehendem Boot. Er allein erlaubt keinen Rückschluss auf Geschwindigkeit, Reichweite oder Leistung bei Fahrt. Velettrica setzt die Leistungs- und Schubwerte auf seiner Produktseite außerdem mit Dieselmotoren von mehr als 40 beziehungsweise 80 PS in Beziehung.

Buchtipp

E-Mobilität auf dem Wasser erklärt die technischen Grundlagen elektrischer und hybrider Bootsantriebe, von verschiedenen Antriebsformen bis zu Installation, Betrieb und Wirtschaftlichkeit. Für Eigner, die einen Austausch des Dieselmotors erwägen, sind besonders die konkreten Umrüstungsbeispiele und die Einordnung von Akku, Reichweite und Energiebedarf hilfreich.

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Hauke Schmidt

Hauke Schmidt

Redakteur Test & Technik

Hauke Schmidt zog bereits im Opti-Alter an die Küste und wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf. Seit 2006 ist der Diplom Ozeanograf als Redakteur im Ressort Test & Technik tätig. Zu den Kernaufgaben gehören Ausrüstungs- und Bootstest, aber auch Praxisthemen rund um Elektronik, Seemannschaft und Refit. Als leidenschaftlicher Selbermacher verbringt er die Sommer am liebsten mit seiner Familie auf dem Wasser und die Winter mit Arbeiten am Boot.

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