KommunikationImmer mehr Smartphones mit Satelliten-Funktion

Johannes Erdmann

 · 19.01.2023

Kommunikation: Immer mehr Smartphones mit Satelliten-FunktionFoto: Hersteller
Das Motorola Defy von 2021 – das neue Modell mit Satelliten-Funktion kommt Ende Februar 2023

Nach Apple und Samsung vermeldet nun auch Motorola die Entwicklung einer Kommunikationsfähigkeit über Satellit. Das neue Modell Defy soll Ende Februar vorgestellt werden und außerhalb des Handynetzes sowohl SOS- als auch gewöhnliche Textmeldungen versenden können

Im Wettrennen um die besten Sendefunktionen außerhalb des Handynetztes scheint sich zugleich ein neuer Standard für Smartphones zu entwickeln: Nach Apples Ankündigung dass das iPhone 14 ab sofort Notrufe über die Globalstar-Satelliten senden kann, vermeldete kurz darauf auch Iridium eine Kooperation mit einem Smartphone-Hersteller, bei dem es sich allen Indizien nach um Samsung handelt. Auf der Messe CES in Las Vegas zog Motorola nun nach und vermeldete eine Kooperation mit der Bullitt Group. Die Briten haben ein neues Modem für Smartphones entwickelt, das Kommunikation über das Satellitennetz möglich macht. Allerdings ist noch nicht bekannt, welchen Satellitendienst das Modem nutzt.

Motorola schien viele Jahre lang auf dem Markt der Handys und Smartphones wenig präsent zu sein, belegte mit seinen Heavy-Duty-Telefonen allenfalls eine Nische. Doch in Wahrheit und für den Nutzer von Alltagshandys kaum wahrnehmbar war Motorola über Jahrzehnte der Vorreiter in der Entwicklung von Satellitentelefonen. Allen voran der Bestseller 9505, die “tragbare Telefonzelle”, der erschwingliche Satellitentelefonie für Otto Normalverbraucher erst möglich machte. Mit dem Modell 9555 knüpfte Motorola an den Erfolg an und entwickelte kurz darauf mit dem 9575 Extreme ein Smartphone, das dank IP65-Zertifizierung als Expeditionshandy und für Streitkräfte rund um die Welt schnell zum Handy der Wahl wurde. Mit dem Motorola 9560 schließlich schuf sich Motorola ein Denkmal auf dem Markt der Satellitentelefone: Der Mobilrouter ist besser bekannt unter der Bezeichnung “Iridium Go!” – und er hat die Kommunikation und den Abruf von Wetterdaten kabellos über Laptop und Smartphone zum Kinderspiel macht. Viele heutige Langfahrtsegler können sich kaum vorstellen, welche Ungewissheit und Unsicherheit Ozeanüberquerungen früher ohne Satphone bedeutet haben.

Das Motorola 9555. Schon seit Jahrzehnten führt Motorola den Markt der erschwinglichen Satellitentelefone anFoto: Johannes Erdmann
Das Motorola 9555. Schon seit Jahrzehnten führt Motorola den Markt der erschwinglichen Satellitentelefone an

Mit dem Smartphone “Defy” greift Motorola deshalb nicht überraschend auf einem von Apple und Samsung dominierten Markt ein, sondern knüpft an eine Erfolgsgeschichte an. Bilder oder Anhänge sollen mit der Bullitt-Schnittstelle zwar nicht versendet werden können – anders als bei Samsung –, aber zumindest Text- und SOS-Meldungen.

Dafür ist (laut eines Testberichts im Fachmagazin “Heise”) der Download eines neuen Messengers nötig, der, solange sich das Handy im GSM-Netz befindet, sogar kostenlos genutzt werden kann. Satelliten-SMS können maximal 140 Zeichen lang sein, und der Versand dauert etwa 30 Sekunden. Ist auf dem Empfänger-Smartphone keine Messenger-App installiert, dann wird die Nachricht als SMS empfangen. Zum Antworten muss dann jedoch die App installiert werden.

Die Verbindung zur Welt: Wetterdaten, E-Mails, Telefonieren – das Iridium Go! ist beliebt bei allen LangfahrtseglernFoto: Johannes Erdmann
Die Verbindung zur Welt: Wetterdaten, E-Mails, Telefonieren – das Iridium Go! ist beliebt bei allen Langfahrtseglern

Notrufe werden nicht automatisch an die zuständigen Behörden weitergeleitet, sondern von den beiden Bullitt-Zentralen in Florida oder Südafrika empfangen. Per Chat werden weitere Informationen über die Art des Notfalls abgefragt, bevor die Infos dann an die zuständigen Rettungsdienste weitergeleitet werden.

Die Preise für den Service sind auch schon bekannt: Notrufe sind selbstverständlich kostenlos, Nachrichten als Monatspakete von 4,99 Dollar (30 Nachrichten/Monat) bis zu 29,99 Dollar (400 Nachrichten) erhältlich. Auch ein Jahrespaket (250 Nachrichten) ist für 59,99 Dollar erhältlich.


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