InstrumenteWie ein Unterwasser-Radar

Olaf Schmidt

 · 07.03.2012

Instrumente: Wie ein Unterwasser-RadarFoto: Humminbird

Nach dem Side-Scan-Sonar kommt nun Rundum-Scan-Technik. Die soll fotorealistische Bilder der Unterwasserwelt selbst am Ankerplatz liefern

Schon die Side-Scan-Echolote sind ein Hingucker, doch liefern sie bis jetzt nur in Fahrt wirklich anschauliche Ergebnisse. Humminbird geht den nächsten Schritt und bringt einen Geber, der - unabhängig von der Schiffsbewegung - ein 360-Grad-Bild liefert. Die Technik namens "360 Imaging" scant die Unterwasserwelt wie ein Radar, nur eben mit Schallwellen statt mit Funk. Der Geber ist nur wenig größer als beim Side-Scan und komplett gekapselt, kommt also ohne sichtbare bewegliche Teile aus.

  Der Geber des 360 Imaging von Humminbird ist für die Spiegelmontage an Motorbooten gedacht. Eine Montage unter Segelyachten erschient aber möglich, nur der kleine Kopf ganz unten muss aus dem Rumpf schauenFoto: Humminbird
Der Geber des 360 Imaging von Humminbird ist für die Spiegelmontage an Motorbooten gedacht. Eine Montage unter Segelyachten erschient aber möglich, nur der kleine Kopf ganz unten muss aus dem Rumpf schauen

Der 360 Imaging-Geber wird mit allen Huminbird Anzeigegeräten funktionieren, die Side-Imaging und einen Ethernet-Anschluss unterstützen. Außer der Übersicht rundum stehen auch Modi zur Betrachtung von frei wählbaren Sektoren zur Verfügung. Die in der deutschen Pressemitteilung von Humminbird genannte maximal abtastbare Fläche von 70 Quadratmetern kann allerdings so nicht stimmen: Das entspräche einem Druchmesser von nur 9,44 Metern - verglichen mit den Leistungen des bekannten Side-Scans erscheint dies viel zu wenig. Denkbar ist, dass es sich um einen Übersetzungsfehler handelt, schließlich wird auf der Webseite von Humminbird der Radius mit 150 Fuß angegeben - das sind 45 Meter, ein Wert, der auch mit dem Side-Scan realistisch ist.

Bei bis zu 7 Knoten Fahrt soll das Humminbird 360 funktionieren, für Segler heißt das also: fast immer. Eines sollte man allerdings im Kopf behalten: Das "360 Imaging" liefert zwar ein Bild der Unterwasserwelt, zu sehen sind aber ausschließlich Konturen. Die genaue Wassertiefe kann das Gerät bis jetzt auch nur genau unter dem Schiff angeben, ein vorausschauendes Echolot ist es nicht. Das heißt: Die sehen zwar, ob voraus ein Stein liegt, nicht jedoch, ob dieser unter dem Kiel hindurchpasst.

Stammleser werden sich eventuell erinnern, dass in der 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schon einmal jemand versuchte, ein solches Unterwasser-Radar zu vermarkten. Das damalige System enthielt jedoch jede Menge frei drehende Mechanik und erzeugte im Yacht-Test mehr Verwirbelungen als Echos. Ein solches Schicksal dürfte dem neuen Humminbird-System dank der vollständigen Kapselung erspart bleiben. Die bisher vorgelegten Bilder versprechen jedenfalls Einiges.

  360 Imaging von Humminbird, Anzeige im DetailFoto: Humminbird
360 Imaging von Humminbird, Anzeige im Detail

Ausgeliefert wird das Humminbird "360 Imaging" im Spätsommer diesen Jahres.

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