Hauke Schmidt
· 22.03.2026
Die Wartung von Saildrives und Antrieben bei Katamaranen bedeutet normalerweise: Krantermin buchen, oft Wochen warten, Marina-Infrastruktur nutzen – und entsprechend zahlen. Vito Nautika bricht diese Abhängigkeit mit einem mobilen System auf, das direkt zum Boot kommt. Das Liftbag-System basiert auf aufblasbaren Hebekissen des niederländischen Herstellers Buitink Technology und wird intern liebevoll "the Blob" genannt. Buitink Technology entwickelt seit 1948 technische Textilien und aufblasbare Systeme und gehört zu den fünf größten Herstellern von Unterwasser-Hebekissen weltweit.
Buitink Technology entwickelte die Hebekissen speziell für die Wartung von Booten und Katamaranen. Das System besteht aus robusten, aufblasbaren Kissen aus beschichtetem Polyestergewebe, die mit Luft gefüllt und unter Druck gesetzt werden. Für Katamarane wird ein Hebekissen zentral unter dem Boot positioniert und hebt beide Rümpfe gleichzeitig an – ausreichend, um Zugang zu Saildrives, Propellern und Ruderanlagen zu erhalten. Bei Einrümpfern sind zwei seitlich am Rumpf gelaschte Hebekissen erforderlich. Buitink Technology produziert die Hebekissen in fünf Standardtypen für verschiedene Bootsgrößen.
In 30 bis 60 Minuten wird das Liftbag unter dem Katamaran positioniert und gesichert. Der eigentliche Hebevorgang dauert rund 60 Minuten – dann ist der Katamaran so weit angehoben, dass freier Zugang zu beiden Antrieben besteht. Nach Abschluss der Wartungsarbeiten wird das Equipment gereinigt und für den nächsten Einsatz verpackt. Das System erreicht nach Herstellerangaben eine maximale Unabhängigkeit von Marina-Infrastrukturen. Durch ein eigenes Service-Boot kann Vito Nautika das Liftback auch außerhalb von Marinas einsetzen – direkt am Ankerplatz oder an Liegeplätzen ohne Kranmöglichkeit.
Die Wartung von Saildrives ist ein bekanntes Thema: Die Wellendichtungen sollten laut Herstellerempfehlungen alle zwei Jahre gewechselt werden, der Ausbau erfordert normalerweise, dass das Boot aus dem Wasser muss. Ähnlich sieht es bei Schäden durch in den Propeller gewickelte Mooringleinen aus. Für Katamaran-Eigner in abgelegenen Revieren oder ohne Zugang zu geeigneten Kränen bedeutet das oft logistische Herausforderungen. Das Liftback-System soll genau hier ansetzen: Statt das gesamte Boot zu kranen, wird nur das Heck angehoben, sodass Arbeiten an Propellern, Saildrives und Ruderanlagen möglich sind.
Der Einsatz des Hebekissens kostet je nach Bootsgröße bei 600 bis 800 Euro – inklusive Personal. Herkömmliche Krankosten für Katamarane dieser Größe liegen oft deutlich höher, zumal bei vielen Marinas zusätzliche Gebühren für den Standplatz an Land anfallen.
Allerdings erfordert das System nach Angaben von Vito Nautika ein eingespieltes Team von zwei bis drei Fachkräften und eine akribische Vorbereitung – allein schon wegen Gewicht und Größe des Equipments. Das System ist damit nicht für Selbermacher gedacht, sondern ein professioneller Service.
Für welche Arbeiten das Liftbag ausreicht und wo ein Kranen notwendig ist, hängt vom Einzelfall ab. Rumpfreparaturen, Osmose-Behandlungen oder komplette Antifouling-Arbeiten dürften weiterhin das Kranen erfordern. Für Saildrive-Service, Propeller-Tausch, Anoden-Wechsel oder Ruderblatt-Kontrollen könnte das System eine praktikable Alternative sein.
Vito Nautika setzt das das System für Katamarane von 38 bis 51 Fuß ein. Detaillierte Informationen zu Einsatzgebieten, Verfügbarkeit und Buchung sollten direkt beim Anbieter erfragt werden.
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Redakteur Test & Technik