Rolex-Uhren sind schwer zu bekommen. Wartelisten von Jahren sind keine Seltenheit, manche Modelle verschwinden komplett vom Markt. Die Yacht-Master II gehört zu jenen exklusiven Zeitmessern, die nur sporadisch verfügbar sind. Jetzt ist sie wieder lieferbar. Die Uhr richtet sich an Segler mit hohen Ansprüchen und entsprechendem Budget. Sie ist kein schlichtes Drei-Zeiger-Modell, sondern ein hochfunktionaler Regatta-Chronograph mit patentierter Ring-Command-Lünette. Rolex präsentierte die Yacht-Master II erstmals 2007 und positionierte sie als technisches Werkzeug für ambitionierte Regattasegler. Seitdem hat sich an der Uhr nur wenig geänder.
Das Besondere an der Yacht-Master II ist die mechanische Verbindung zwischen Lünette und Uhrwerk. Die sogenannte Ring-Command-Lünette ist nicht nur Dekoration, sondern Bedienungselement. Durch Drehen um 90 Grad wird die Countdown-Funktion entsperrt oder gesperrt. Diese mechanische Kopplung ist technisch aufwendig und bei Rolex einzigartig. Nur bei der Sky-Dweller nutzt Rolex eine ähnliche Lösung.
Im Inneren arbeitet das Kaliber 4161, ein mechanisches Chronographenwerk mit programmiertem Timer. Der Countdown lässt sich auf bis zu zehn Minuten einstellen. Vor dem offiziellen Startsignal wird der Countdown programmiert, beim Signal gestartet. Der rote Countdown-Zeiger zeigt die verbleibende Zeit bis zum Start. Sollte der Träger den Countdown zu früh oder zu spät gestartet haben, kann er nachjustiert werden. Durch Betätigen des Start/Stopp-Drückers bei zwei Uhr und des Rückstellknopfes bei vier Uhr springt der Minutenzeiger auf die nächste volle Minute.
Das Kaliber 4161 bietet 72 Stunden Gangreserve. Es arbeitet mit einer Glucydur-Unruh, die mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde oszilliert. Die Technik ist komplex – neben der Sky-Dweller ist die Yacht-Master II das komplizierteste Uhrwerk, das Rolex aktuell produziert.
Die Yacht-Master II ist in vier Ausführungen erhältlich. Das Einstiegsmodell aus Edelstahl kostet etwa 18.500 Euro. Die Bicolor-Variante aus Edelstahl und Everose-Gold liegt bei rund 25.700 Euro. Die Weißgold-Version kostet etwa 38.900 Euro, die Vollgold-Ausführung aus Gelbgold erreicht 44.500 Euro.
Alle vier Modelle haben ein 44 Millimeter großes Gehäuse, groß, auffällig, unübersehbar. Die Modelle aus Edelstahl, Gelbgold und Everose-Gold haben eine blaue Ring-Command-Lünette aus Cerachrom-Keramik. Die Weißgold-Variante setzt auf eine Platin-Lünette. Auf der Lünette befinden sich die Timer-Zahlen von eins bis zehn sowie der Schriftzug „Yacht-Master II".
Das Zifferblatt ist bei allen Versionen weiß gehalten. Zwölf applizierte Indizes markieren die Stunden, gefüllt mit blau nachleuchtender Chromalight-Leuchtmasse. Der Index bei zwölf Uhr ist als Dreieck gestaltet, bei sechs Uhr als Rechteck, eine Änderung, die Rolex 2017 zum zehnten Jubiläum der Uhr vornahm. Zuvor waren alle Indizes quadratisch. Unterhalb der Stundenmarkierungen verläuft die Countdown-Skala mit arabischen Ziffern. Eine kleine Sekunde befindet sich oberhalb der Sechs-Uhr-Position.
Die Zeiger folgen dem klassischen Rolex-Design: Stunden- und Minutenzeiger im Mercedes-Stil, ein schlanker Stoppzeiger und ein rot gestalteter dreieckiger Countdown-Zeiger. Alle Modelle haben eine verschraubte Triplock-Krone, Saphirglas und sind bis 100 Meter wasserdicht. Das Armband ist bei allen Varianten das dreireihige Oyster-Band mit Oysterlock-Sicherheitsfaltschließe und Easylink-Verlängerung.
Die Yacht-Master II ist ein Grenzgänger. Einerseits ein hochfunktionales Werkzeug für Regattasegler, die präzise Startzeiten benötigen. Andererseits ein Statussymbol mit Gewicht, Gold und Präsenz am Handgelenk. Die Frage ist: Wer kauft eine solche Uhr? Profisegler nutzen meist robuste, leichte Sportuhren ohne Goldgehäuse. Die Yacht-Master II wiegt deutlich mehr, ist anfälliger für Kratzer und kostet ein Vielfaches. Rolex selbst bewirbt die Uhr als Werkzeug für den anspruchsvollen Segler. Die Yacht-Master II ist weniger pragmatisches Instrument als vielmehr luxuriöse Hommage an den Segelsport.

Redakteur Test & Technik