Ausrüstungs-SpezialÖlzeug-Spezial Teil III: korrekte Pflege und Reinigung

Hauke Schmidt

, Felix Keßler

 · 13.04.2018

Ausrüstungs-Spezial: Ölzeug-Spezial Teil III: korrekte Pflege und ReinigungFoto: YACHT/H. Schmidt

Aggressives Waschmittel, hohe Temperatur und zum Schluss in den Trockner? Besser nicht. Wir zeigen, was die Ölzeug-Beschichtung verträgt. Eine Waschanleitung

Moderne Segelbekleidung ist wasserdicht und atmungsaktiv. Damit das auch so bleibt, darf sie nicht gewaschen werden, so die landläufige Meinung. In den meisten Fällen ein Missverständnis – gerade um die Atmungsaktivität zu erhalten, empfehlen inzwischen alle Hersteller, die Kleidung von Zeit zu Zeit zu waschen.

Dabei geht es freilich weniger um von außen sichtbare Verschmutzungen oder Muff, diese lassen sich selten vollständig entfernen; vielmehr profitiert das Innen­leben vom Waschgang. Denn: Wetterfeste Segel­bekleidung besteht aus mehrlagigen Mate­rialien.

Ölzeug besteht aus Lagen und Membranen

Die Außenlage sorgt für die mechanische Festigkeit des Textils, ist aber weder wasser- noch luftdicht. Diese Funk­tio­nen übernimmt je nach Einsatz­bereich der Kleidung eine innen aufgebrachte hydrophile Beschichtung oder eine hydrophile oder mikroporöse Membrane. Beide Systeme arbeiten nach unterschiedlichen physikalischen Prinzipien, sorgen jedoch dafür, dass zwar kein flüssiges Wasser eindringen, wohl aber Wasserdampf nach außen transportiert werden kann.

Ohne regelmäßige Reinigung setzen sich Salz und Fette auf dem Innenleben fest und können die Atmungsaktivität fast auf null reduzieren. Im schlimmsten Fall wird gar die Innenlage beschädigt, womit die Kleidung undicht werden kann. Auch Goretex-Jacken und Co. müssen regelmäßig gewaschen werden, da insbesondere Haut- und Haarfett, aber auch Rückstände von Sonnenmilch, Cremes und Make-­up mit der Zeit eine schädliche Wirkung entfalten. Das Wie und Wann der Reinigung hängt von der Nutzung, dem Material und dem persönlichen Hygieneempfinden ab.

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Damit die geplante Säuberung dem Textil nicht schadet, sollte der erste Blick den Pflegeanweisungen des Herstellers gelten. Diese sind wie üblich auf einem kleinen Etikett im Inneren zu finden – zum Teil aber nur bei den Jacken. Die Piktogramme geben Auskunft über die maximale Temperatur der Wäsche und ob und in welchem Programm die Bekleidung die Maschine verträgt. Hier unterscheiden sich die Materialien zum Teil erheblich. Während Gore-Tex-Produkte relativ hart im Nehmen sind und sich mit bis zu 40 Grad im Pflegeleicht-Programm der Maschine reinigen lassen, sind andere Mem­branen oder beschichtete Systeme empfindlicher. Marinepool beispielsweise rät ebenfalls zur Wäsche, allerdings nur in begrenztem Umfang und von Hand – kalt oder bei höchstens 30 Grad.

Ganz wichtig: Vollwaschmittel und Weichspüler sind tabu. Bleichmittel können die Membranen und Beschichtungen beschädigen, und die in Weichspülern enthaltenen Silikone ersticken die Atmungsaktivität. Sie lagern sich auch auf der Innenseite der Textilien an und machen das Material dort wasserabweisend, womit auch der gewünschte Feuchtigkeitstransport nach außen unterbunden wird.

  "Pre Wash Sport" von Holmenkol ist ein Fleckenentferner. Auch die Ölzeug-Hersteller bieten manchmal eigene Waschmittel anFoto: Holmenkol
"Pre Wash Sport" von Holmenkol ist ein Fleckenentferner. Auch die Ölzeug-Hersteller bieten manchmal eigene Waschmittel an

Ebenfalls wenig empfehlenswert sind Feinwaschmittel. Diese werden meist stark parfümiert, um auch bei geringen Waschtemperaturen und entsprechend mäßiger Reinigungsleistung einen vermeintlich frischen Duft zu erzeugen. In der Regel sind diese Parfüme aber hydrophil und beeinträchtigen dadurch die wasserabweisende Wirkung des Außengewebes.

Angesichts der niedrigen Waschtemperaturen lassen sich hartnäckige Verschmutzungen schlecht entfernen. Vom klassischen Einweichen raten die Hersteller aber durchweg ab. Stattdessen sollte das Ölzeug lokal mit speziellen Fleckentferner für Funktionskleidung vorbehandelt werden und nach kurzer Einwirkzeit gewaschen werden. Um eventuelle Waschmittelreste zu entfernen, kann ein zusätzlicher Spülgang nicht schaden, ebenso sollte die Trommel höchstens zur Hälfte gefüllt und das Ölzeug nicht geschleudert werden. Reißverschlüsse verschließt man außer an den Taschen, damit sie in der Maschine nicht beschädigt werden können.

Nachbehandlung

Bei der Nachbehandlung sind sich die Hersteller weniger einig – beispielsweise, ob das Ölzeug in den Trockner soll oder darf. Einige Produzenten plädieren dafür, nicht etwa weil die Klamotten sonst zu lange nass blieben, sondern um das Außengewebe wieder wasserabweisend zu machen. Damit sich im Regen kein geschlossener Wasserfilm bildet, der die Atmungsaktivität behindern würde, ist das Außengewebe ab Werk mit einer langlebigen, wasserabweisenden Beschichtung versehen, auf Englisch: durable water repellent oder DWR. Diese Schicht wird mit der Zeit beschädigt, kann sich aber durch leichtes Erwärmen, beispielsweise im Wäschetrockner, neu organisieren. Mit etwas Glück perlt das Wasser dann wieder ab.

Wer keinen Trockner hat, kann auch zum Bügeleisen greifen. Auf niedriger Stufe und mit einem Handtuch als Zwischenlage sollte sich ein ähnlicher Effekt erzielen lassen.

  Nur mit intakter Imprägnierung und wenn das Wasser abperlt, wird auch Wasserdampf nach außen transportiert. Durchfeuchtetes Gewebe stoppt die AtmungsaktivitätFoto: Hauke Schmidt
Nur mit intakter Imprägnierung und wenn das Wasser abperlt, wird auch Wasserdampf nach außen transportiert. Durchfeuchtetes Gewebe stoppt die Atmungsaktivität

Vor einer Wärmebehandlung muss aber unbedingt das Pflegeetikett studiert werden. Zu hohe Temperaturen können die Mem­brane oder Beschichtung schmelzen lassen. Von außen ist dem Ölzeug dann womöglich nichts anzumerken, die Funktion ist aber ein für alle Mal dahin.

Die DWR-Schicht ist ein wichtiger Bestandteil der atmungsaktiven Ausrüstung von Segelbekleidung; sobald das Wasser nicht mehr abperlt, sollte sie aufgefrischt werden. Häufig ist das schon nach ein bis zwei Saisons oder mehreren Wäschen der Fall. Dazu bietet der Handel diverse Imprägniersprays an. Auch bei ihnen muss darauf geachtet werden, dass sie ausdrücklich für at­mungs­aktive Kleidung geeignet sind. Beim Aufsprühen ist weniger oft mehr. Das Ölzeug sollte zwar gleichmäßig benetzt, das Gewebe aber nicht mit Imprägnierung getränkt werden. Denn es darf nicht verkleben, und es muss weiterhin ein Feuchtigkeitstransport nach außen möglich sein.

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