Petition
Foil-Verbot in Sachsen – Wassersportler wehren sich

Auf sächsischen Gewässern dürfen seit Ende Mai keine Foils mehr verwendet werden. Wegen des angeblichen Gefahrenpotenzials. Eine Petition sammelt Gegenstimmen

  • Lars Bolle
 • Publiziert am 09.06.2022
The Foiling Dinghy: Spaß mit solchen Anhängen ist in Sachsen verboten The Foiling Dinghy: Spaß mit solchen Anhängen ist in Sachsen verboten The Foiling Dinghy: Spaß mit solchen Anhängen ist in Sachsen verboten

YACHT/N. Günter The Foiling Dinghy: Spaß mit solchen Anhängen ist in Sachsen verboten

Schon vor knapp über einem Jahr drohte das Foil-Aus auf sächsischen Gewässern, Ende Mai wurde nur der entsprechende Erlass bestätigt. Zwar werden keine speziellen Sportarten verboten, wie etwa Wingsurfen, Windsurfen oder Kiten – Segeln schon gar nicht –, in einer Stellungnahme des Sächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr gegenüber der YACHT-Schwesterzeitschrift WING , die speziell für das Wingsurfen angefragt hatte, heißt es jedoch:

"… bezieht sich jedoch nicht auf systematische Erweiterungen am Wing-Surf-Sportgerät, wie etwa motorische Antriebe, auftriebserhöhende Bordan- oder -umbauten. Derartige technische Maßnahmen können die erreichbaren Geschwindigkeiten und mithin die Gefahrneigung deutlich erhöhen."

Das Ministerium vertritt die Ansicht, dass Geschwindigkeiten bis 30 km/h in Ordnung seien, die angeblich mit Foils möglichen bis zu 50 km/h jedoch nicht.

Diese Ansicht ist jedoch falsch. "Foils werden, auch an Surfboards, eher im schwachwindigen Bereich verwendet, um früher höhere Geschwindigkeiten zu erreichen und Windlöcher durchfahren zu können", sagt Manuel Vogel, Wing-Experte der Zeitschriften SURF und WING. Im Starkwindbereich würden eher Boards mit Finnen verwendet, mit denen man sogar schneller sein könne als mit Foils.

Was geht mich das an?

So könnten Segler nun denken. Doch auch Jollen oder Katamarane wie Motte, The Foiling Dinghy oder Nacra 17 sind von der Regelung betroffen. Denn es wird nicht etwa unterschieden, wie hoch das Geschwindigkeitspotenzial eines Wassersportgerätes ist, sondern nur, ob es Foils oder ähnliche auftriebserhöhende An- oder Umbauten gibt. Demnach wären auch Boote etwa mit einem DSS-Foil betroffen.

Wassersportler in Sachsen fürchten zudem einen Flächenbrand, dass also andere Bundesländer dem Beispiel Sachsens folgen könnten und das Foilen bald flächendeckend verboten sein könnte. Es erbost sie um so mehr, da etwa der sächsische Landesseglerverband oder der Verband der Windsurfschulen offenbar nicht mit in die Entscheidungsfindung einbezogen wurden. Von Hinterzimmerpolitik zulasten der Wassersportler ist die Rede.

Für Unverständnis sorgt dabei die vage Begründung eines "erhöhten Gefahrenpotenzials" beim Foilen. Es gäbe jedoch bisher keinen nachgewiesenen Unfall infolge der Verwendung von Foils.

Wassersportler wehren sich

Sächsische Wassersportler haben nun eine Petition gestartet und hoffen, mit einer großen Zahl an Unterschriften die Entscheidung des Ministeriums noch kippen zu können ( hier geht es zur Petition ). Ihre Argumente sind teilweise stark. In der Begründung heißt es unter anderem:

  • Olympische Segeldisziplinen wie iQ Windsurf und Nacra-Segeln können weder trainiert noch als Regatta in der Region ausgeübt werden!
  • Dem Freistaat Sachsen droht durch das Verbot ein gewaltiger Image-Schaden. Wie soll Sachsen deutschlandweit dastehen? Als das Land der Verbote und eingeschränkten Möglichkeiten?
  • Windsurfen steht für Freiheit, Foilen steht für Innovation, Technik und Zukunft. Sind dies nicht Werte, die uns im Freistaat Sachsen wichtig sind?
  • Das Verbot des Foilens hätte auch wirtschaftliche Einbußen zur Folge. Schon heute generieren viele Surfläden den Großteil ihres Umsatzes durch den Verkauf von Wings und Foils. Durch das Verbot würde der Umsatz massiv einbrechen, Insolvenzen wären die Folge.
  • Sollten alle sächsischen Foiler in andere Bundesländer ausweichen müssen, wäre es auch eine ökologische Katastrophe.

Hier geht es zur Petition ... (klicken)

Wer weiterlesen möchte, gelangt hier zu den Artikeln bei WING (klicken)


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Themen: Foil

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