Ostsee
Kostenexplosion und Bau-Verzögerung für Prerow

Der lange geplante Ersatz für den Nothafen Darßer Ort in Form des Insel-Hafens stockt, die Kosten sind zuletzt auf 46 Millionen Euro nach oben korrigiert worden

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 03.05.2022
Der geplante Inselhafen vor Prerow als Ersatz für Darßer Ort Der geplante Inselhafen vor Prerow als Ersatz für Darßer Ort Der geplante Inselhafen vor Prerow als Ersatz für Darßer Ort

Produktionsbüro Tinus Der geplante Inselhafen vor Prerow als Ersatz für Darßer Ort

Den Entschluss, den Nothafen Darßer Ort zu schließen, versanden zu lassen und durch einen Insel-Hafen vor Prerow zu ersetzen, gibt es schon lange. Das Land Mecklenburg-Vorpommern wollte das Projekt mit EU-Zuschüssen bis Ende 2023 abschließen. Im Frühjahr sollte Baubeginn sein. Doch Stand Mai 2022 ist noch nicht einmal die Auftragsvergabe erfolgt, und es mehren sich die Gerüchte, dass die Kosten explodieren und die Bauarbeiten eigentlich schon nicht mehr realistisch bis Ende nächsten Jahres zu schaffen sind, was angeblich erhebliche Finanzierungsprobleme nach sich ziehen könnte. Gerüchte kursieren viele an der Küste, die YACHT wollte wissen, was dran ist, und fragte beim zuständigen Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft und Wasserbau nach. Es antwortete Dr. Frank Weichbrodt vom Referat Hochwasser, Küstenschutz, Wasserbau und Wasserverbandsrecht.

YACHT: Läuft noch immer die Ausschreibung der Leistungen, oder ist diese Frist bereits abgelaufen und die Angebote werden gesichtet?

Zur Vergabe der Bauleistungen zum Inselhafen wird ein Verhandlungsverfahren durchgeführt, in dem die Bieter auch eigene technische Ideen einbringen können. Unter anderem infolge der Ukraine-Krise konnte das Verfahren noch nicht abgeschlossen werden. Nach aktuellem Zeitplan soll die Vergabe der Leistungen Anfang Juni erfolgen.

Ist ein verbindlicher Baubeginn in der Ausschreibung vorgesehen?

Den Baubeginn legt die (im Verfahren erfolgreiche) Bau-/Arbeitsgemeinschaft unter Berücksichtigung des geplanten Bauzeitendes im Dezember 2023 selbst fest. Der Baubeginn ist auch von der Lieferung von Baumaterialien, der Verfügbarmachung von schwimmenden Baugeräten und den örtlichen Seegangsbedingungen abhängig.

Schon 2021 zeichnete sich eine Preissteigerung auf etwa 37 Millionen Euro ab. Da auch in der Hafenbau-Branche die Preise laut Firmen, die dort tätig sind, in diesem Jahr stark gestiegen und viele Materialien schwer zu bekommen sind, stellt sich die Frage, ob die Summe von 37 Millionen Euro noch haltbar ist oder sich bereits eine Anpassung abzeichnet, und wie hoch diese ungefähr ist.

Im Vergabe-/Verhandlungsverfahren wurde deutlich, dass die ursprünglich veranschlagten ca. 37 Millionen Euro nicht für die Realisierung des Vorhabens ausreichen. Die Landesregierung hat daher im Februar 2022 weitere ca. 9 Millionen Euro für das Vorhaben zur Verfügung gestellt. Davon sind ca. 41 Millionen Euro für Bauleistungen vorgesehen.

Laut Kabinettsvorlage soll es Zeitdruck geben, da der Hafen bis Ende 2023 mit der EU vollständig abgerechnet sein muss, da sonst der Förderungszeitraum der EU endet. Danach sei fraglich, wie das Projekt finanziert werden soll. Ist dies so?

Tatsächlich endet nach aktuellem Kenntnisstand die Frist für die Abrechnung von Bauleistungen mit der Bau-/Arbeitsgemeinschaft Ende 2023. Daher sollen die Bauleistungen vertragsgemäß bis Ende 2023 erbracht werden. Sollte es durch Bauablaufstörungen oder unvorhergesehene Ereignisse zu Verzögerungen kommen, wird die Landesregierung über die weitere Finanzierung entscheiden.

Laut einer Meldung des NDR belaufen sich die laufenden Kosten für den Inselhafen auf rund 260.000 Euro. Ist diese Summe korrekt, und ist bereits geklärt, wer diese trägt? Das der Hafen nicht kostendeckend zu betreiben ist, ist bei der geringen Zahl der Liegeplätze ja unumstritten.

Bei den vom NDR genannten Unterhaltungskosten handelt es sich um eine Schätzung für jährliche Betriebs- und Instandhaltungskosten für den Inselhafen und die ca. 720 Meter lange Seebrücke. Darin sind u. a. auch Personalkosten enthalten. Einnahmen z. B. aus Liegeplatzgebühren oder Umlagen für Wasser/Strom sind in diesem Wert nicht berücksichtigt. Tatsächlich ist ein kostendeckender Betrieb aufgrund der geringen Anzahl an Liegeplätzen nicht möglich. Das Land M-V stellt daher für den Betrieb des Nothafens mit Etappenfunktion zusätzliche Mittel bereit.


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Themen: Nothafen Darßer OrtPrerow

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